Jean Paul Gaultier über seine Mode: "Mir ging es nie darum, einfach nur zu schockieren"

Tolles Theater: GALA traf den Designer Jean Paul Gaultier im Backstage-Bereich seiner "Fashion Freak Show" 

Jean Paul Gaultier

GALA: Monsieur Jean Paul Gaultier, Sie sagen, dass Sie sich mit der "Fashion Freak Show" einen Kindheitstraum erfüllt haben. Wie kommt es, dass ein kleiner Junge vom Varieté träumt? 

JEAN PAUL GAULTIER: Meine Oma ließ mich immer fernsehen. Ich muss ungefähr neun gewesen sein, als ich zum ersten Mal eine Show aus den "Folies Bergère" sah. Die Federn, die Netzstrümpfe... Ich fand das alles so aufregend, dass ich am nächsten Tag in der Schule eine Tänzerin gezeichnet habe. 

GALA: Kam Ihre Zeichnung gut an? 

GAULTIER: Bei meiner Lehrerin ganz und gar nicht. Sie klebte mir den Zettel auf den Rücken, um mich mit dieser Bloßstellung zu bestrafen. In Wahrheit tat sie mir damit einen Gefallen. Ich war damals ein Außenseiter, weil ich nicht gut Fußball spielen konnte. Aber an diesem Tag war ich plötzlich ein Star! Alle Kinder wollten eine Zeichnung von mir. 

GALA: Wussten Sie da etwa schon, dass Sie später Couturier werden wollen? 

GAULTIER: Nein, so klar war das noch nicht. Aber es stimmt schon, dass ich übers Varieté-Theater zur Mode gekommen bin. Mein Traum von Mode war nicht nur von meinem Interesse an Kleidung geprägt, sondern auch sehr von dem Wunsch, eine Show zu machen.

GALA: Ihre Revue ist eine Autobiografie in Bildern. Man sieht Ihren Teddy Nana, Ihre erste Modenschau, heiße Partys in London. Welche Phase war die verrückteste in Ihrem Leben? 

GAULTIER: Die traurigste Phase kann ich sofort nennen, das war 1990 der Tod meines langjährigen Partners Francis Menuge. Aber die verrückteste? Alles war ein süßer Wahnsinn. Manche behaupten ja, Mode sei oberflächlich. Ich sehe das anders. Ich habe durch die Mode unglaublich interessante Menschen kennengelernt, Madonna zum Beispiel.

GALA: Viele Ihrer Kreationen sind heute Ikonen. Die Korsetts mit kegelförmigen Brüsten, Parfumflakons in Form von Büsten... 

GAULTIER: Die Idee mit der Büste war nicht ganz neu: Die Modeschöpferin Elsa Schiaparelli hat das bereits in den Vierzigerjahren gemacht. Allerdings habe ich diesen Parfumflakon in etwas so Profanes wie eine Konservenbüchse gesteckt. Der Clash zweier Welten – so habe ich immer funktioniert. Ich mag Extreme. Gegensätze, die sich treffen.

Le freak, c’est chic! Jean Paul Gaultiers Revue läuft in Paris mindestens bis Ende Februar (Karten über jpgfashionfreakshow.com) 

 

GALA: Mögen Sie es, wenn man Sie als "Enfant terrible der Mode" bezeichnet? 

GAULTIER: Wenn man 66 ist, ist das Attribut "Enfant terrible" doch ein Kompliment, finden Sie nicht? Ich versuche nun mal, die Dinge immer infrage zu stellen. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als mir klar wurde, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt. Seither betrachte ich alles mit einem gewissen Abstand. Mir ging es nie darum, einfach nur zu schockieren. Dass ich Männer in Röcken gezeigt habe, war kein Kalkül, um auf mich aufmerksam zu machen. Ich habe es als richtig empfunden. 

GALA: Heute verwischen die Geschlechtergrenzen immer mehr. 

GAULTIER: Zumindest werden Gender-Fragen jetzt offen diskutiert. Das ist ein Fortschritt. Ich habe schon als Kind meinem Teddy Nana kegelförmige BHs aufgenäht. Wenn man so will, war Nana der erste Transgender-Bär. 

GALA: Nachdem Sie sich mit der "Fashion Freak Show" Ihren großen Traum erfüllt haben – worauf können Sie sich jetzt noch freuen? 

GAULTIER: Ach, ich mache selten konkrete Pläne. Aber für mich ist es sowieso das größte Geschenk, wenn ich am Ende einer Show Standing Ovations bekomme. Meinen Beruf habe ich schließlich gewählt, um geliebt zu werden.

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