Interview: Nicolas Ghesquière: Sanfte Revolution bei Louis Vuitton

Seit einem Jahr leitet Nicolas Ghesquière das Kreativteam von Louis Vuitton – leise, aber sehr effektiv. "Gala"- Modechef Marcus Luft über die neue Ära einer Luxusmarke

Nicolas Ghesquière, Louis Vuitton

Wenn jemand neu in ein Haus einzieht, öffnet er zunächst die Jalousien und Fenster und lüftet kräftig durch. Das gilt für den Mieter eines Altbaus genauso wie für den Designer Nicolas Ghesquière, 43. Auch er ist so etwas wie der neue Bewohner eines Gebäudes mit großer Tradition.

Bei der Henkeltasche "Malletage Flap Pochette" wird mit bekannten Elementen gespielt, beispielsweise mit dem Kofferschloss.

Vor einem Jahr startete Ghesquière als Artistic Director der Luxusmarke Louis Vuitton. Jetzt ist seine erste Prêt-à-porter- und Taschenkollektion in den Boutiquen.

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©Gala

Als er die Kollektion im Innenhof des Louvre vorstellte, in einem eigens errichteten Glashaus, ließ er die Jalousien öffnen. Sonnenlicht durchflutete den Raum. Dieser magische Moment war der Beginn einer Ära.

Bei Ghesquières Vorgänger Marc Jacobs erinnert man sich bis heute an die flamboyanten Shows. (Einmal ließ er einen echten Zug auf den Laufsteg fahren!) Einzelne Teile der Kollektion aber hat man kaum noch im Gedächtnis. Bei Ghesquière ist es eher umgekehrt. Seine Looks sind unverkennbar und einzigartig. Dafür verzichtet er aufs Spektakel. Er denkt an das Wichtigste – an die Frauen.

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Auf die Frage, wie er seine Kollektion entwickelt hat, antwortet er: "Ich habe ihnen einfach zugehört. Ich wollte ja, dass die Kleidung auch funktional ist." Mit "ihnen" meint er enge Freundinnen, etwa die Stylistin Marie-Amélie Sauvé oder Schauspielerin Charlotte Gainsbourg, seine ultra coole Muse. Ghesquière hat verstanden, dass "Tragbarkeit" und "Funktionalität" auch in der High-End-Fashion keine Schimpfwörter sind. Im Gegenteil! Es ist eine große Kunst, eine Kollektion zu entwerfen, die praktische Anforderungen mit Modernität verbindet. Ghesquière will "keine trendy Fashion-Kollektionen" entwerfen. Sondern? "Mir geht es darum, tief in die Garderobe unterschiedlichster Frauen einzutauchen", sagt er bildhaft.

A-Linien-Röcke, kombiniert mit Strickoberteilen, dazu ausgefallene Kragenlösungen: Ghesquières Kollektion macht Eindruck

Da ist er als Kreativchef von Louis Vuitton genau an der richtigen Stelle. Das Haus steht für Luxus und Savoir-faire, hat als Gepäckhersteller aber auch die Alltagstauglichkeit in seiner DNA. Ghesquière nutzt das große Vuitton-Erbe als Inspirationsquelle. Beispielsweise ließ sich das Designteam bei einem geknoteten Gürtel von jenen Halterungen inspirieren, die früher Bücher in einem "Bibliothek-Koffer" fixierten. Und die Steppung einiger Handtaschenmodelle geht auf das Innenfutter von hochwertigen Vintage-Koffern zurück. Ghesquière bezog Handwerker in seine Arbeit mit ein. Er fragte einige Täschner, ob sie ihm denn auch beim Entwerfen der Bekleidung helfen würden. "Ich fand es interessant, sie zu bitten, mal etwas völlig anderes zu tun. Auch für mich war das ein großartiger Prozess."

Der Erfolg seiner Arbeit ist nun auf der Straße zu sehen, besonders auf den Boulevards der angesagten Metropolen. Klar, der Name Louis Vuitton gehörte schon immer zu den Big Playern der Branche, doch jetzt wurde das Haus auf ein neues Level gehoben. Die It-Girl-Elite trägt Ghesquières Entwürfe. Seine Taschen gehören zu den Must-haves der Saison. Weil Luxus und Lässigkeit hier eine enorm spannende Symbiose eingehen.

Nicolas Ghesquière selbst erklärt in seiner bescheidenen und bodenständigen Art den Erfolg so: "Mode kann nicht für sich selbst existieren. Sie gehört nicht ins Museum. Das Wichtigste an ihr ist, dass Frauen mit ihr leben." Es wird viele geben, die ihm zustimmen.

Die Alma-Bag, ein Louis-Vuitton-Klassiker, wurde für die aktuelle Saison in neuen Varianten lanciert. Die ungewöhnliche Steppung erinnert an das Innenfutter wertvoller Koffer

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