Hugo Boss: China-Kracher

Für die Fashion-Szene ist Asien der derzeit aufregendste Markt - vor allem die Chinesinnen lieben Mode aus Europa. Hugo Boss präsentierte jetzt erstmals in Peking zwei Kollektionen. Gala war bei dem Event der Extraklasse dabei

Tilda Swinton

Ein Pulk von Fotografen steht am roten Teppich,

der an diesem schwülen Mai-Abend in Peking schwarz ist. Gleich werden die Gäste vorfahren. Scheinwerfer strahlen den Ort des Geschehens an, das National Agricultural Exhibition Center - ein Gebäude mit geschwungenem Dach in traditioneller chinesischer Bauweise.

Die letzten Vorbereitungen vor dem National Agricultural Exhibition Center

Wer weiter nach oben schaut, stößt schnell auf Grenzen: Smog verhüllt den Himmel. An einem Absperrzaun beobachten Passanten das Geschehen. Auffällig: die diversen Panda-Glücksbringer an den bunten Mobiltelefonen, die sie griffbereit halten. Am Eingang, zwischen Paparazzi und Logo-Wand, steht ein chinesischer Mitarbeiter des Event-Teams im dunklen Anzug. Über Mikrofon und Lautsprecher kündigt er den Fotografen an, wen sie jeweils als nächstes vor dem Objektiv haben werden. Besonders großes Interesse erweckt Hollywood-Star Tilda Swinton: Als sie über den schwarzen Teppich geht, machen die Blitze der Fotografen dem nahenden Gewitter Konkurrenz.

Sie begeisterten das Publikum mit einer glamourösen Kollektion: die Chefdesigner Eyan Allen (l.) und Kevin Lobo.

Ein Ansager für die Stars? Das ist selbst für die erfahrenen Organisatoren dieser Fashion-Show neu. Erstmals zeigt das Metzinger Unternehmen Hugo Boss in China, dem lukrativen Wachstumsmarkt, seine Kollektionen Black und Signature im Rahmen eines Events. Ein Dreivierteljahr dauerten die Vor bereitungen des sechs köpfigen Kernteams. Eine Agentur in Peking lieferte alle landestypischen Informationen, half dabei, die unendlich vielen Genehmigungen bei den Behörden einzuholen. 900 Leute insgesamt waren am Ende mit Organisation und Aufbau beschäftigt. Vom Laufsteg mit LED-Deko über die Tanzfläche mit Lichtblitzen bis zu den Sitzgruppen - alles wurde eigens für diesen Abend produziert.

Die Models sind aus aller Welt eingeflogen. "Bei der Auswahl haben wir Wert darauf gelegt, dass wir die Besten dabei haben, asiatische und nicht-asiatische Gesichter", sagt Creative Director Eyan Allen. Beim Fitting-Termin in einem Pekinger Luxushotel wenige Tage vor der Show flitzen auf den Fluren Mitarbeiter mit Tüten, Sitzplänen und Schuhen herum - trotz der Hektik ist es ungewöhnlich still. Es wird leise gesprochen. So will es die chinesische Etikette. Und die Kollektion? "Sie ist glamouröser, weiblicher, als man das vielleicht von uns gewohnt ist", so Eyan Allen. "Immer mehr Chinesinnen lieben es, sich sexy zu kleiden."

Hollywood-Star Ryan Phillippe reiste mit Freundin Paulina Slagter an.

Noch bis wenige Stunden vor der Show werden Details optimiert; eine Näherin nimmt die gewünschten Änderungen vor. Perfektion, made in Germany and China. Einen wichtigen Faktor allerdings kann niemand beeinflussen: die Reaktion der 1500 geladenen Gäste, einer reizvollen Mischung aus Prominenten, Einkäufern, Society und Presse. Doch das Publikum hat keine Berührungsängste mit der Mode aus Europa. Von den elegant gekleideten Frauen - die meisten mit High-Heels - gibt es Standing Ovations für die Show, und später am Buffet (Parmaschinken, Salumi) wird besprochen, was man gerade gesehen hat. Auf der Tanzfläche drängeln die Partypeople zu House-Beats von Star-DJ Michel Gaubert.

Weit nach Mitternacht taucht hier auch Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs auf. Er lockert seine Krawatte, umarmt seine Leute. Zufrieden? Lahrs lächelt. "Ich glaube, es war in Ordnung."

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