Heinrich Deichmann: Herr der Schuhe

Der Unternehmer Heinrich Deichmann liebt Gott – und High Heels. Bei Frauen schaut er aber zuerst woanders hin

Heinrich Deichmann

Für ihn arbeiten weltweit knapp 40.000 Menschen, im vergangenen Jahr hat er 173 Millionen Paar Schuhe verkauft und dabei einen Bruttoumsatz von 5,6 Milliarden Euro erzielt. Heinrich Deichmann, 54, nimmt seit Jahren einen festen Platz auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt ein – und ist dabei alles andere als abgehoben. Luxusvilla und Champagnerdusche? Fehlanzeige! GALA besuchte Europas größten Schuhhändler an seinem Essener Firmensitz.

Erinnern Sie sich noch an den allerersten Moment, den Sie hier bewusst erlebt haben?

Damals gab es dieses Gebäude, in dem wir uns hier gerade unterhalten, noch gar nicht, aber ich weiß, dass mich das Unternehmen sehr beeindruckt hat. Mein Vater hat die Firma auch immer mit nach Hause gebracht. Die Tagung unserer leitenden Angestellten fand zum Beispiel bei uns zu Hause statt. Dann wurde das Wohnzimmer umgeräumt, Stuhlreihen reingestellt, und wenn ich aus der Schule kam, saßen da plötzlich 70 Leute. Ich erinnere das als eine sehr bewegte Zeit mit viel Menschlichkeit und voller schöner Erlebnisse.

Inwiefern war Ihr Vater ein Vorbild für Sie?

Was mir sehr früh imponiert hat, war, dass mein Vater nicht nur wirtschaftlich erfolgreich war, sondern dass er mit dem Erfolg immer viel Gutes getan hat. Meine frühste Erinnerung ist, dass er neben unserem Wohnhaus ein Kinderheim gegründet hat. Dort haben 13 Kinder und Jugendliche gelebt und sind quasi neben unserer Familie groß geworden. Wir hatten auch immer mit ihnen zu tun, haben uns um sie gekümmert. Und haben so gelernt, Verantwortung für sozial Schwächere zu übernehmen. Mein Vater hat das praktisch vorgelebt, ohne Berührungsängste.

War Ihnen immer schon klar, dass Sie das Unternehmen weiterführen möchten? Es kann ja auch eine Bürde sein, sich an einem starken Vater zu messen.

Ich hatte früher mal überlegt, Arzt zu werden. Mein Vater und meine Schwester haben beide Medizin studiert, es war immer ein Thema bei uns. Wie auch die Geisteswissenschaften. Wir haben viel über Theologie und Geschichte gesprochen. Das hätte mich auch gereizt. Aber am Ende war klar, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten wollte. Zu sehen, man kann seinen ethischen Leitlinien auch als Unternehmer folgen, das fand ich toll!

Heinrich Deichmann führt das Familienunternehmen in der dritten Generation

Sie haben selbst zwei Kinder. Gibt es bereits Pläne, dass sie ins Unternehmen einsteigen?

Das muss man mal abwarten. Aber vorstellen können wir uns das schon, wir arbeiten an dem Thema. Ich glaube, es gibt es da gute Perspektiven. Deichmann-Schuhe sind immer modischer geworden … Am Anfang waren wir vor allem als günstiger Anbieter bekannt, aber ich habe versucht, die Marke weiterzuentwickeln. Und dabei hat die Mode eine ganz wichtige Rolle gespielt. Außerdem haben wir mit Testimonials angefangen, erst mit deutschen Stars, dann mit internationalen. Die Kampagne mit den Pussycat Dolls war ein Riesenerfolg, später kamen Cindy Crawford, Halle Berry und jetzt Ellie Goulding. Heute sind wir also nicht nur günstig, sondern haben auch gute Noten in Qualität und in Mode.

Es gibt Männer, die gucken bei Frauen zuerst auf die Schuhe. Geht Ihnen das auch so?

Ich habe zwei Blicke: erst aufs Gesicht, dann auf die Schuhe! (lacht)

Verraten Sie uns Ihre modischen No-Gos?

Ich bin ja Dienstleister und möchte Frauen mit Schuhen glücklich machen! Daher würde ich niemandem einen Geschmack vorschreiben. Ich kann nur Dinge empfehlen. Entscheidend ist doch, dass man sich mit seinem Look wohlfühlt und sich nicht verkleidet vorkommt.

High Heels oder Flats?

Das ist bei mir anlassbezogen. Abends finde ich bei Frauen High Heels toll, tagsüber mag ich auch Sneakers.

Sie gelten als sehr bescheidener Unternehmer, eine Luxusjacht oder eine XXL-Villa findet man bei Ihnen nicht. Gibt es etwas, wofür Sie brennen, eine Leidenschaft?

Ja, aber zum Glück sind meine Leidenschaften nicht so teuer! (lacht) Ich liebe die Berge unglaublich, und deswegen fahre ich gerne in die Schweiz, wenn ich Urlaub habe. Im Winter mache ich Skitouren mit einem Bergführer. Zwei Stunden Aufstieg, eine Stunde Gipfel, dann kommt die Abfahrt. Ich bin dann alleine mit der Natur, das ist ein ganz tolles Erlebnis. Ansonsten interessiere ich mich für Kunst.

Sammeln Sie auch?

Nein, ich bin eher ein Spontankäufer. Wenn mir etwas wirklich gut gefällt, kann es sein, dass ich sofort zugreife. Das passiert aber nicht so häufig, da wir zu Hause sehr viele Glasfronten haben. (lacht) Ansonsten höre ich gerne klassische Musik und ich lese theologische Bücher.

Stimmt es, dass Sie selber Predigten halten?

Ja, ab und zu. Wenn mich eine Kirche einlädt. Wie zum Beispiel beim Kirchentag, da habe ich zweimal gesprochen.

Würden Sie sagen, dass ihre Firma ein christliches Unternehmen ist?

Nein. Unser Unternehmen ist offen für alle Konfessionen, wir haben neben Christen auch Moslems, Hindus und Buddhisten in unserer Firma –und natürlich auch Menschen, die keiner Konfession zugehören. Alle sind willkommen, wenn sie sich wirklich mit unseren Werten identifizieren. Und unser oberster Leitsatz lautet: Das Unternehmen muss den Menschen dienen.

Sie kommen gerade aus Indien zurück, haben dort das 40-jährige Jubiläum von "Wort und Tat" gefeiert, der Stiftung, die Ihr Vater 1977 gegründet hat. Wie lautet Ihr Fazit?

Wenn man in den Südosten Indiens reist, sieht man noch sehr viel Armut. Aber wenn man in unsere Projekte kommt, ob in die Schulen oder Krankenhäuser, dann hat man immer das Gefühl, man betritt Inseln der Liebe. Weil dort die Stimmung eine andere ist. Wir haben acht Schulen mit je 2.000 Kindern, und die kommen begeistert auf einen zu, strahlen alle. Sie stammen aus völlig unterprivilegierten Schichten und erhalten hier richtig guten Unterricht. Wenn sie die Schulausbildung durchlaufen haben, bekommen sie einen guten Job. Mich hat schon mal am Flughafenschalter in Indien eine junge Dame begrüßt und mir erzählt, dass sie auch aus einer unserer Schulen kommt und jetzt einen Job bei der Fluglinie hat. Das ist für mich dann ein großer Grund zur Freude.

Gibt es ein Ziel, wo Sie in fünf Jahren stehen wollen?

Nicht stehen zu bleiben, sondern weiter zu wachsen. Eins meiner Ziele wäre, noch etwas mehr Nachhaltigkeit in unsere Arbeit zu legen. Quasi Hilfe zur Selbsthilfe. Dass Menschen, denen wir helfen, irgendwann anfangen, anderen zu helfen.

Sylvie Meis

Sie hat glitzernde News im Gepäck

Sylvie Meis
Im Fashion-Talk mit GALA spricht Sylvie nicht nur über modische Dos und Dont's, sondern auch über den Sexappeal von High Heels.
©Gala


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