Haute Couture Paris: Neu erblüht

Paris zelebriert den Luxus wie seit Langem nicht mehr: Die Haute Couture hat sich rundum erneuert und zieht ein jüngeres Publikum an – "Gala" war vor Ort

Der Blumengroßhandel Rungis liegt außerhalb der französischen Hauptstadt. Doch auch hier wissen die Händler ganz genau, wann die Haute Couture gezeigt wird. Denn es gibt ein untrügliches Anzeichen dafür: eine dramatisch erhöhte Nachfrage nach Blumen.

So gingen vergangene Woche sogar in den allerfeinsten Pariser Hotels die Kristallvasen aus. Zu viele Luxusfirmen hatten Bouquets an jene gut betuchten Damen geschickt, die angereist waren, um sich anzuschauen, was sie sich bald auf den Körper schneidern lassen werden. Und auch manch ein Designer schwelgte in Blüten – Raf Simons, Kreativdirektor von Dior, ließ sein im Park des Musée Rodin aufgebautes Zelt mit riesigen Orchideenzweigen schmücken. "Ich wollte etwas extrem Modernes mit etwas sehr Historischem verbinden", erklärte der Belgier.

Das GALA Jubiläums-Shooting

Grazile Bewegungen treffen auf edle High-Fashion-Outfits

Jeanette Kakareka und Jinhao Zhang
Jeanette Kakareka, Corps de Ballet, und Jinhao Zhang, Solist, gehören zu den 14 Ballett-Tänzern des Bayerischen Staatsballetts, die sich für das GALA Jubiläums-Shooting in München in starke Posen warfen.
©Gala

Fashion Week Paris 2014

Große Namen, große Mode

Jean Paul Gaultier Herbst/Winter 2014/2015
Jean Paul Gaultier Herbst/Winter 2014/2015
Mit Wow-Effekt: Kate Hudson hat bei der Show von Giorgio Armani einen wahrlich glamourösen Auftritt.
Auch Jungstar Chloë Moretz lässt sich die Armani-Show im Theatre de Chaillot nicht entgehen.

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Die einst verstaubte Haute Couture strahlt wieder wie ein Panoramafenster nach dem Frühjahrsputz! Den großen Designhäusern, neben Dior auch Versace, Valentino oder Armani Privé, ist es gelungen, mit einer moderneren Definition von Luxus die nächste Generation für sich zu gewinnen: jüngere Kundinnen, die bereit sind, auch mal 100 000 Euro für ein komplett von Hand genähtes Kleid auszugeben.

Die Pariser Luft vibrierte – nicht nur wegen der Kollektionen. Zum Planeten Couture haben sich kleinere Trabanten hinzugesellt. So finden im Rahmen der Schauen auch Echtschmuck-Präsentationen statt. Chanel lud auf der Bühne des Théâtre du Champs-Élysées zu einem Lunch ein, bei dem Einzelstücke im Gesamtwert von knapp 100 Millionen Euro gezeigt wurden. Auch Louis Vuitton und Piaget präsentierten ihre Goldschmiedekunst. "Die meisten Einzelstücke werden in den nächsten Tagen verkauft sein", verrät ein Verantwortlicher.

Für alle Häuser ist Diskretion so wichtig wie der Champagner beim Stehempfang. Niemals fällt der Name einer Kundin. Zu erfahren ist nur, dass sich Investments in die Couture wirtschaftlich wieder rentieren. Der Grund: Ähnlich wie sich Entwicklungen aus der Formel 1 beim Bau von Serienautos wiederfinden, werden Haute-Couture- Neuerungen (etwa bei Stoffen) später in größerer Zahl im Prêt-à-porter eingesetzt. Beobachten kann man die Luxus-Kundinnen in Restaurants wie dem „L’Avenue“ an der Avenue Montaigne. Dort stochern sie in ihrem Avocado-Tuna-Tartar, trinken ein Gläschen Rosé und überlegen, ob sie die neuen Dior-Schlüpfturnschuhe für 750 Euro (inklusive Schuhkarton mit Kunstrasenboden) lieber in Schwarz oder in Weiß kaufen. Um schließlich einfach beide zu nehmen.

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