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Guidos GALAxy Oktoberfest-Abenteuer und Dirndl-Knigge

Franziska Knuppe
© Getty Images
Schöne Tradition oder überlaufenes Saufgelage? Star-Designer und GALA-Kolumnist Guido Maria Kretschmer über das Münchner Oktoberfest

Aktuell dreht sich in München wieder alles um die aufregendsten Dirndl, den Preis für die Maß Bier und Weißwurst mit Senf. Ich persönlich muss sagen: Bayern mag ich wirklich sehr gerne, das Oktoberfest ist mir allerdings einen „touch too much“.

Münchner Exportschlager

In den letzten Jahren hat sich aus dem traditionellen Volksfest ein riesiger Industriezweig entwickelt. London, Las Vegas und sogar in Indien - einen Ableger des Oktoberfestes gibt es mittlerweile überall. Unglaublich aber wahr, sogar in meinem Heimatdorf in Nordrhein-Westfalen. Aber es ist natürlich schön, dass so viele Menschen Freude daran haben.

Fan-Meile an der Herrentoilette

Mir selbst ist auf den Münchner Wiesn einmal etwas ganz Verrücktes passiert. Auf der Toilette bemerkte ich, dass neben mir drei Spieler aus der Fußballnationalmannschaft am Pinkelbecken stehen. Und plötzlich dachte ich: Huch, was ist denn hier los? Hinter uns hatte sich eine Fan-Meile von 80 oder sogar 100 Leuten versammelt. Da musste ich wirklich herzlich lachen. So etwas passiert einem nun wirklich nicht überall.

Guido als Lebensretter

Und Naddel Abd el Farrag habe ich an diesem Tag sogar das Leben gerettet. Wir saßen zusammen mit den Mädels aus der Band "No Angels", die damals ihre erste Bierzelt-Erfahrung hatten, an einem Tisch. Naddel saß an der Wand, dann kam ich und schließlich Sandy, Lucy und Co. Natürlich haben wir alle fröhlich geschunkelt, aber plötzlich haben es die Mädels ein bisschen übertrieben. Kurzerhand musste ich als Lebensretter einspringen, sonst wäre Naddel garantiert platt gewesen.

Verkaufsschlager Dirndl

Vom alteingesessenen Münchner bis hin zum Berliner Paradiesvogel - auf der Theresienwiese sind sie alle unterwegs. Man sieht viel Elend, aber auch tolle Looks. Das Dirndl kommt auf der weltweiten Bekanntheitsskala mittlerweile gefühlt gleich nach der Blue Jeans. Als "Shopping-Queen"-Juror sehe ich es Woche für Woche selbst: Ob es nun die Hausfrau aus Thüringen ist oder die Sekretärin aus Dinslaken, alle haben Minimum zwei Dirndl im Kleiderschrank.

Modische Patzer

Für die Münchner muss es vermutlich eher brav und traditionell sein - das gehört einfach dazu. Aber für alle wilden Sternchen, die das ganze Jahr auf ihren großen Auftritt warten, gibt es keinen Halt. Zu ordinär sollte es allerdings trotzdem nicht werden.

Der Style eines Dirndls sollte immer noch rufen: Hallo, ich komme vom Land. Zu viel Glitzer und zu viele knallige Farben bitte vermeiden. Vor kurzem habe ich ein "SM-Dirndl" gesehen, komplett aus schwarzem Lack und dachte: Jetzt übertreiben sie es aber!

Figur-Schmeichler

Alle Frauen, die gerne mal zu Weißwurst und Brezeln greifen, schreien beim Dirndl juhu! Endlich mal ein Kleid, in dem Holz vor den Hütten und weibliche Hüften gut aufgehoben sind - ein absoluter Figur-Schmeichler! In Size Zero sieht die Kult-Tracht allerdings nicht automatisch so gut aus. Für die armen dünnen Frauen tut das Dirndl leider nicht viel, da muss ordentlich gepusht werden.

Die wichtigste Style-Regel ist allerdings: Niemals so viel trinken, dass man nicht mehr gerade stehen kann.

In diesem Sinne: O'stylt is!

Euer Guido

Das Interview führte Steffen Fischer Gala


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