Guido Maria Kretschmer Macht er mit der Mode jetzt Schluss?

Guido Maria Kretschmer
Guido Maria Kretschmer
© Getty Images/ OTTO
Guido Maria Kretschmer ist einer DER deutschen Modedesigner. Doch nun geht er fremd und designte für OTTO eine Interior-Kollektion. GALA sprach mit dem Kreativen über seine private Einrichtung, kleine Macken und seine Zukunft in der Modewelt

Höhenangst? Nicht Guido Maria Kretschmer! Im nagelneuen "The Westin Hamburg" in der Elbphilharmonie trafen wir den sympathischen Designer über den Dächern Hamburgs zum Interview. Denn es gab einiges zu bereden! Schließlich geht Guido aktuell fremd - und zwar auf ganz hohem Niveau. Für OTTO hat er eine Interior-Kollektion entworfen.

Doch wie ist der Designer eigentlich privat eingerichtet, welche Macken hat er und wie sieht seine Zukunft in der Modebranche aus? Schließlich zeigt er im Januar nicht auf der Berliner Fashion-Week. Fragen über Fragen - zum Glück stand uns Guido gerne Rede und Antwort.

Wie sind Sie von der Mode zum Möbel-Design gekommen und wie kam es zur Zusammenarbeit mit OTTO?

Die Mode ist die Haut der Seele, die braucht man um sich wohlzufühlen und drum herum braucht man einen Platz, an dem man sich wohlfühlt, der dich träumen lässt, dir was aus dem gestern erzählt, dir was Neues bringt und deinem Lebensgefühl entspricht. Deshalb möchte ich anderen Menschen helfen sich schön einzurichten - denn viele haben kein Gefühl dafür und fühlen sich überfordert.

Zu OTTO bin ich gekommen, weil ich sehr verbunden bin mit dem Unternehmen. Ich bin groß geworden mit dem OTTO-Katalog. Das war für mich eine Welt mit ganz vielen Möglichkeiten. Daraus habe ich zum Beispiel gelernt, wie man Maße ansetzt und wie die internationalen Größen sind.

Das erste Treffen mit der Familie OTTO und dem Team war ein wichtiger Moment. Ich bin ganz begeistert, wie offen und ausgeschlafen die sind. Außerdem haben wir die gleiche Idee von Nachhaltigkeit und Traditionen. In dieser Kooperation bin ich als Designer frei und muss nicht Männchen machen oder winken.

Sie haben den direkten Vergleich. Was braucht mehr Zeit: Eine Mode-Kollektion oder eine Einrichtungs-Kollektion? Wo liegen vor allem auch die Unterschiede?

Die Mode dreht schneller. Bei Einrichtung hat man ein bisschen mehr Strecke. Ein Sofa bleibt länger stehen und ein Teller bleibt auch länger. Die Trends sind nicht in einer so hohen Schlagzahl, wie bei der Mode. Aber trotzdem geht es immer darum, dass der Körper in seiner Vielfältigkeit respektiert sein muss.

Die Arbeit im Interior-Bereich ist einfach ein wenig aufwendiger. Es braucht technische Zeichnungen und mehr Betreuung. Es dauert länger, bis man an ein Muster kommt, denn so ein Sofa muss ja auch erstmal anreisen. Man muss sich also sehr konzentrieren, um die richtigen Materialien zu wählen, denn man kann nicht mehr so schnell und so viel ändern.

Haben Sie dabei auch etwas für sich dazu gelernt?

Für mein Designgefühl habe ich nicht unbedingt etwas dazu gelernt. Ich müsste jetzt Lügen, wenn ich sagen würde, da ist mir eine Welt aufgegangen, von der ich nichts wusste. Aber ich habe gelernt, dass man nicht alles schnell realisieren kann und auch nicht nachhaltig, weil es zu teuer würde. In großer Stückzahl ist dann wieder ganz anderes möglich. Trotzdem ist es nicht einfach für einen angenehmen Kurs, gute Sachen zu machen. Für mich war es vor allem ein Benefit, dass ich die Ideen in meinem Kopf umsetzten durfte.

Muss eine stilvolle Einrichtung immer teuer sein? Oder macht es der Mix?

Nein muss sie nicht immer teuer sein! Eine Einrichtung hat auch immer viele Erinnerungen, die ihr Stil gibt. Vielleicht ein Stück vom Flohmarkt oder der Oma. Das kommt immer auf den Menschen an. An bestimmten Stellen braucht es Qualität, weil unser Leben qualitätsvoll ist. Unser Körper und unsere Seele sind ein Wunderwerk, das irgendwie geschützt sein muss. Deshalb habe ich auch diese wunderschönen Betten gemacht, denn ich wollte, dass die Leute genauso schlafen wie ich. Die Kombination aus Gut und besonders Gut ist auch eine Belohnung. Ich finde es schön, wenn man was hat, auf das man gespart hat und auf das man sich freut.

Wie sind Sie persönlich eingerichtet?

Ich bin schon immer so ein Einrichtungs-Freak gewesen - habe aber natürlich auch Sachen, die mich schon lange begleiten. Artdeco-Kommoden, die ich schon ganz lange habe und so ein paar Sachen, die immer mit mir kommen. Ich habe das große Glück, dass ich ein paar Wohnsitze habe und da kann ich mich auch nach der Umgebung einrichten, sodass es passt. Mein Hauptwohnsitz ist eine Welt in Creme mit vielen Sixties Sachen, denn ich mag das Candy-Design. Ich habe gute Lampen und auch viel Kunst.

Aber ich bin ganz pingelig. Ich kann ja gar nicht entspannen, wenn nicht alles richtig liegt. Wenn Freunde vorbei kommen und ihre Taschen einfach so da hin legen, dann denke ich immer: Ich habe doch eine Garderobe. Aber ich bin so, wie ich bin. Ich kann auch nicht kochen, wenn das alles so unordentlich ist.

Schön zu wohnen war mir schon immer wichtig. Selbst in der kleinsten Bude und in meiner WG damals, habe ich immer drauf geachtet. Man muss sich einfach wohlfühlen mit dem, wie man lebt. Wir haben ja schließlich nur ein Leben.

Sie zeigen im Januar nicht auf der Berliner Fashion Week - wie kommt es dazu?

Ich strukturiere gerade ganz viel um und ich möchte Zeit für Menschen haben, die mir wichtig sind und für die ich immer viel zu wenig Zeit habe. Seit ich denken kann, bin ich immer in diesem Korsett: Winter-Sommer-Winter-Sommer-Kollektion. Ich habe mir zwei Wochen frei genommen im Januar - das hat es noch nie gegeben! Ich möchte einfach ein paar Sachen machen, die ich gerne mache. Das ist der wahre und einzige Grund und immer Sommer bin ich noch viel größer als je zuvor wieder da.


Mehr zum Thema


Gala entdecken