Giusy Versace: "Jetzt schaffe ich fast alles alleine"

Giusy Versace verlor bei einem Unfall beide Beine. Jetzt begeistert die Nichte von Donatella Versace als Model auf dem Catwalk. Sie spricht in GALA über ihre Erfahrungen.

Giusy Versace

Was für eine Frau! Giusy Versace, 42, Nichte von Gianni und Donatella Versace, mussten nach einem Auto­unfall 2005 beide Beine amputiert wer­den. Dank zweier Prothesen kämpfte sie sich zurück ins Leben, lernte in der Reha ihren heutigen Lebensgefährten Antonio Magra kennen (auch er verlor ein Bein), wurde Paralympics-­Athletin, Buchautorin und gewann 2014 die italienische Version von "Let’s Dance".

Seit einem Jahr sitzt Giusy sogar als Abgeordnete für die konservative Forza Italia von Silvio Berlusconi im italienischen Parlament. Vorige Woche eröffnete sie in Berlin die Sportalm­ Show als Model.

Berlin Fashion Week 2020

Stars und Styles aus der Hauptstadt

In der Front Row der Fashion Show von Marina Hoermanseder in Berlin treffen nicht nur Stars aus unterschiedlichen Branchen aufeinander, sondern auch die verschiedensten Styles ...
Während sich Johanna Klum in einem hautengen Schnallen-Rock der Designerin mit einer farblich dazu passenden Crossbody-Bag und einem weißen XL-Wollpulli zeigt ...
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... trägt Sängerin Blümchen einen bequemen Look in Trainingsanzug-Optik. Der sportliche Zweiteiler schimmert im Rampenlicht und zieht die Blicke der übrigen Fashion-Show-Gäste auf sich. Eine schwarze Käppi und eine XL-Bauchtasche runden Blümchens 90er-Jahre-Gedächtnis-Look ab.

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Giusy Versace: "Was mir passiert ist, könnte jedem passieren"

GALA: Wie kam es zu Ihrem Model-Auftritt?
Giusy Versace: Normalerweise gebe ich meinen Namen nicht für eine Modenschau her, aber ich habe Sportalm­-Chefin Ulli Ehrlich im vorigen Jahr beim „Women of Excellence“­Award in Wien getroffen, und wir haben uns sofort verstanden. Sie ist eine sehr coole Frau. Mir war vor allem die Botschaft an alle Frauen wichtig, die denken, dass sie nicht stark genug sind zu kämpfen: Ich bin das beste Beispiel dafür, dass es geht und man sich nicht unterkriegen lassen sollte.

Giusy Versace bei der Fashion Week 

Hadern Sie manchmal mit Ihrem Schicksal?
Nein. Was mir passiert ist, könnte jedem passieren. Jeden Moment, jeden Tag. Ich will andere Frauen ermutigen, sich wegen ihrer Behinderung nicht zu schämen. Sie sollen ihr Herz zeigen und ihr schönstes Lachen.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie nach dem Unfall wieder eigenständig laufen konnten?
Knapp zwei Jahre. Ich habe mich sehr gestresst, weil ich Perfektionistin bin und alles hundertprozentig machen will. Nach sechs Monaten habe ich mit dem Training angefangen.

Sie ist eine Kämpfernatur

Waren Sie schon immer so stark?
Ich habe alleine gewohnt, seitdem ich ein Teenager war. Die wirklich harte Arbeit aber war zu lernen, alles wieder komplett alleine zu machen. Alleine Auto zu fahren, alleine Wäsche zu waschen, sich alleine anzuziehen. Am Anfang brauchte ich immer die Hilfe meiner Mutter, jetzt schaffe ich fast alles alleine.

Ist Ihr Nachname Versace mehr Fluch oder Segen?
Ein wichtiger Name und manchmal ein schwerer Name. Ich weiß sehr wohl, dass ich nur so eine starke Stimme habe, weil ich diesen Namen trage. Und er die Leute anzieht. Ich nutze ihn, um Spenden zu sammeln, für Leute, die spezielle Prothesen brauchen, die nicht vom Staat bezahlt werden.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Geduld und Mut. Von beidem benötige ich etwas mehr als andere Menschen. Vor allem, seit ich jetzt auch in der Politik bin. Das ist komplizierter, als Sie sich vorstellen können. Daher wünsche ich mir für die Zukunft, stark, geduldig, mutig und vor allem gesund zu bleiben! (lacht)

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