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Geburtstag Das neue Ford-Modell ist da!


Rechtzeitig zu seinem 50. Geburtstag hat Designer Tom Ford erkannt, was ihm wirklich wichtig ist - und sein Leben komplett neu aufgestellt

Vielleicht muss man alles ausprobieren

und genossen haben, um zu verstehen, um was es wirklich geht im Leben. Welche Werte wichtig sind. Auf wen man sich verlassen kann. Und was man vermissen würde, wenn plötzlich alles zu Ende wäre. Mit solchen Gedanken beschäftigt sich derzeit der amerikanische Designer Tom Ford, der am 27. August 50 Jahre alt wird.

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Die meisten kennen den Texaner nur als eine der schillerndsten Figuren der Modewelt. Tatsächlich aber lebt Ford inzwischen sehr zurückgezogen auf der Familienranch in New Mexico. Was früher für den Jetsetter nur ein kurzer Ort des Verweilens war, ist heute Lebensmittelpunkt. Hier genießt er die Zeit mit seinem Partner Richard Buckley, mit dem er seit 23 Jahren zusammen ist, hier reitet er stundenlang auf seinen Pferden durch die Natur. War Tom Ford früher stolz darauf, dass sogar sein Hund eine Vielflieger-Karte besaß, verlässt er sein Zuhause heute nur noch, wenn es unbedingt notwendig ist. Auch die Geschicke seines Unternehmens führt er weitgehend aus New Mexico.

Die Neuordnung seines Lebens begann 2003, nach seinem Ausstieg bei Gucci. Mit seiner Millionen- Abfindung ging Ford ins Entertainment-Geschäft und drehte das schwelgerische Schwulen-Drama "A Single Man". Parallel begann er mit dem Aufbau einer Luxusmarke unter seinem Namen. Wichtig ist ihm dabei bis heute vor allem die Unabhängigkeit. Ein Multi-Millionen-Angebot eines Modekonzerns lehnte er kürzlich dankend ab. Vor sechs Jahren mit einer Beauty- und Brillen-Linie gestartet, gibt es heute eine komplette Fashion-Kollektion aus den allerfeinsten und teuersten Materialien. Auch hier geht Ford neue Wege: Er möchte keine Must-have-Looks wie einst bei Gucci oder Yves Saint Laurent entwerfen, die nur eine Saison überdauern, sondern Lieblingsstücke für die Ewigkeit. Erst vor einem Jahr wagte er sich mit einer Linie für Frauen an die Öffentlichkeit; er hatte Angst, mit dem Druck nicht klarzukommen.

"Ich bin ein Einzelgänger, der sehr schüchtern und introvertiert ist", gestand er kürzlich in einem Interview mit dem Online-Magazin "The Talk". Solche Sätze überraschten viele in der Branche. Tom Ford, der Freund so vieler Hollywood-Größen, ist in Wahrheit so ganz anders, als er sich in der Öffentlichkeit gibt? Ausgerechnet jener Mann, der das Lebensgefühl einer Generation einst auf den Punkt brachte mit dem Satz: "Wir wollen alle sexy aussehen, Männer und Frauen - nur das ist das Ziel." Ford und seine Kreationen waren in den Neunzigern der Inbegriff einer dekadenten Mischung aus Sex, Drinks und Glamour.

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"Gucci verlassen zu müssen war zerstörerisch für mich", erklärt Ford heute. "Ich habe 15 Jahre alles gegeben, und plötzlich hatte ich keine Identität mehr. Ich hatte mein Forum verloren, um mit anderen meine Visionen teilen zu können." Mehr noch: Der Designer litt unter Depressionen. Er suchte Zuflucht im Alkohol. Fast kein Treffen oder Interview fand damals, egal zu welcher Uhrzeit, ohne ein Glas Wodka auf Eis statt. Freunde berichten sogar, dass Ford vor wichtigen Veranstaltungen "auffallend oft" auf der Toilette verschwunden sei, um "neue Energie" zu tanken.

Doch inzwischen hat Ford erkannt, was ihn wirklich glücklich macht. Regelmäßig sucht er das Gespräch mit Gott, um sich selbst zu erden. Unterstützt wird er dabei von seinem Partner Richard Buckley, der Tom schon früher immer vorm Abheben bewahrte. So sorgte der Journalist beispielsweise dafür, dass sein Freund als Kreativdirektor bei Gucci nicht, wie üblich, mit einem Chauffeur durch Paris fuhr, sondern die Metro benutzte. "Richard ist die größte Liebe und meine Vorstellung von einem guten Leben," gesteht Ford. "Doch da gehören ganz sicher auch meine Hunde dazu. Kürzlich fragte ich mich, was ich am meisten vermissen würde, wenn ich heute sterben müsste. Und ich merkte, dass es die Momente wären, wenn ich mit ihnen spiele und sie mich mit ihrer Schnauze anstupsen." Nicht nur in Stil-Fragen ist das neue, leisere Ford-Modell ein Vorbild.

gala.de


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