Fashion-Trend 2018: Ugly? Chic!

Hässlich ist jetzt schön. Aber wieso eigentlich? GALA erklärt die Luxus-Hintergründe

Schrille Kombis bei Gucci

Schrille Kombis bei Gucci

Neue Ästhetik

Der Hype wird in gerade mal fünf Sekunden geboren Als Demna Gvasalia, kreativer Kopf des französischen Modehauses Balenciaga, am 1. Oktober 2017 seine Kollektion für die kommende Frühjahr/Sommer-Saison vorstellt, posten Stylisten und Influencer sofort ihr Objekt der Begierde: eine mit Stickern geschmückte Plateau-Version des klassischen Plastikschuhs Croc. Die Instagram-Fotos rasen um die Welt, Millionen Fashionvictims liken und reposten sie umgehend. Der Hype um die aktuell heißeste Zeitgeist-Erscheinung ist geboren.

Ist das cool oder kann das weg?

Die Kriterien haben sich da völlig verschoben. Was beim Ugly-Chic von Trendsettern als schön empfunden wird, hat mit klassischen Schönheitsidealen so viel zu tun wie High Heels mit Bequemlichkeit. Vorreiter dieser Bewegung sind Luxusmarken wie eben Balenciaga oder Gucci. Deren Designer Demna Gvasalia und sind noch relativ neu auf ihren Posten und stellen bisherige Ideale konsequent infrage. Gucci-Kollektionen wirken jetzt wie Ausflüge ins Reich der Fantasie. Retro trifft Glitzer. Männer werden in gehäkelten Catsuits auf den Catwalk geschickt oder in Windbreaker-Jacken à la St. Peter-Ording. Frauen tragen Mireille-Mathieu-Frisuren, Holzfällerhemden und, so wie die Männer, XLSonnenbrillen, die an die ersten Silicon-Valley-Nerds der Seventies erinnern.

Sieht aus wie ein Retro-Bügeleisen mit Stickern, gilt aber bereits als Schuh des Jahres 2018: Das pinke Plateau-Modell stammt aus einer Koop von Balenciaga mit Crocs. Verkaufsstart ist vermutlich im Februar, Preis ca. 800 Euro. Die Wartelisten sind voll

Sieht aus wie ein Retro-Bügeleisen mit Stickern, gilt aber bereits als Schuh des Jahres 2018: Das pinke Plateau-Modell stammt aus einer Koop von Balenciaga mit Crocs. Verkaufsstart ist vermutlich im Februar, Preis ca. 800 Euro. Die Wartelisten sind voll

Die Strategie geht auf

Die Normalität des Alltags und eine Art Plattenbau-Charme inspirieren den in Georgien geborenen Demna Gvasalia sowohl bei Balenciaga als auch bei seinem eigenen Label Vetements. "Hässlich ist schön, oder?", fragt Alessandro Michele rhetorisch in einem Interview. Und Gvasalia bestätigt: "Es ist hässlich, deshalb gefällt es uns!" Die Strategie geht auf. Das florentinische Unternehmen Gucci vermeldet fürs letzte Quartal ein Umsatz-Plus von rund 50 Prozent. Und Balenciaga wurde von Analysten gerade zur heißesten Marke der Welt gekürt. Beide gehören zum Luxuskonzern Kering, dessen Besitzer ist, verheiratet mit Hollywood-Schönheit . Er wird dafür gelobt, mutig einen extremen Weg zu gehen. Zweifellos hätten nüchterne Marktanalysen davon abgeraten. Doch Pinault und seine Kering-Manager ließen den Kreativen freie Hand. Denn die Kaufleute verstehen die wahren Regeln der Mode. Jedem Trend folgt ein Gegentrend.

Gucci

Gucci

Diese Rolle spielt Instagram

Nach einer eleganten Phase musste das modische Pendel also in die andere Richtung schwingen. Dazu kommt die "Instagramisierung der Mode". Auch die Luxusmarken wissen inzwischen, dass ihre Inszenierungen überraschen, noch besser: schockieren müssen. Nur dann fallen sie auf. Nur dann werden sie gepostet und beim schnellen Scrollen von den Followern wahrgenommen. Demna Gvasalias Croc-Koop ist ein gelungenes Beispiel. Unter den Trendsettern bei der Pariser Modewoche war sie das Thema. Längst gibt es Wartelisten in den Boutiquen. Bei Gucci gehen problemlos Tennissocken für 90 Euro über den Ladentisch, Vetements ist ebenfalls dabei, und Balenciaga verkauft ein Dreier-Pack Feinripp-Slips mit Logo-Gummiband für knapp 140 Euro. Selbst Ledertaschen, die aussehen wie Einkaufstüten, waren dort innerhalb weniger Stunden ausverkauft.

Ganz neu ist das Ugly-Chic-Konzept nicht. Miuccia Prada baute den Erfolg ihres Imperiums darauf auf, gegen die Konventionen femininer Mode anzukämpfen. "Als ich angefangen habe, ging es nur um diese aggressive Hochglanz-Schönheit", erläuterte sie einmal. "Und dann kam ich mit meinen nach damaligen Kriterien hässlichen Models. Ich wurde dafür über Jahre immer und immer wieder kritisiert." Sie erklärte das alles in einem Gespräch, in dem jemand auffällig interessiert zuhörte. Es war Alessandro Michele.

Streetstyle-Looks

Style-Zoom

Auch mit 72 weiß Helen Mirren, wie man Streetstyle perfekt rocken kann. Mit halbtransparentem Rock, Biker-Jacke im Lack-Look zum pinkfarbenen Top und derben Boots zieht sie in London alle Blicke auf sich.
Ähnlich lässig im schwarzen Lack- und Leder-Outfit zeigt sich Jaime King in bei einem Lunch in Hollywood.
Nur Gwen Stefani schafft es so lässig mit dem süßen Apollo auf dem Arm, einen eleganten schwarzen Blazer mit derber Camouflage-Hose und Stiletto-Boots zu kombinieren.
Partner-Look im Matrix-Style: Auch Zayn Malik und Gigi Haddi wissen um die Wirkung von schwarzen Jacken und Mänteln, und zeigen in New York, wie man die sogar noch verdoppeln kann.

185

Mehr zum Thema

Star-News der Woche