Fashion inside: Dabei sein ist alles

Eine eingeschworene Clique entscheidet in der Modewelt über Aufstieg und Fall- und liefert jede Menge Gesprächsstoff. Gala Style stellt die wichtigsten Mitglieder vor

So können Familientreffen also auch aussehen:

Wenn Anfang September die Fashion Week in New York beginnt, trifft sich wieder ein kleiner Kreis zum großen Fest, das einen Monat später mit den Prêt-à-porter-Schauen in Paris endet. Ein eingeweihter Clan aus Designern und Stylisten, jungen Unternehmenserben und angesagten Models, Fotografen und Bloggern. Ihre Verbindung: kreatives Können und ein Talent zu feiern - auch sich selbst. Sie sind enger miteinander verstrickt als die Maschen eines Kaschmirpullovers und bestimmen die Trends der nächsten Saison oder sitzen bei Entscheidungen zumindest in der ersten Reihe. Wie sind sie untereinander vernetzt? Wer sorgt für den besten Gesprächsstoff ? Wo trifft man sich? Gala Style verrät ihre wichtigsten Geheimnisse.

Herzogin Meghan

Über diese fünf Looks sprach man am meisten

Herzogin Meghan in Australien
Herzogin Meghan zeigte sich während ihrer 16-tägigen Australienreise mit Prinz Harry in rund 40 verschiedenen Outfits. Sehen Sie im Video die fünf Looks, die das größte Aufsehen erregten
©Gala

Die Musen
Die Muse ist für den Designer genauso wichtig wie das Schnittmuster fürs Kleid. Sie gibt seinen Entwürfen eine Form. Zum Beispiel Karlie Kloss: Das Model bezauberte einst den Designer Jason Wu so sehr, dass er ihr ein Abendkleid auf den Leib schneiderte - für einen Ball an ihrer Highschool in Missouri. Inzwischen bekommt sie Bestnoten für ihre Auftritte auf dem Laufsteg, in Werbekampagnen und Magazinen. Über ihre freizügige Modestrecke in der italienischen "Vogue" aus dem vergangenen Jahr redet die Branche noch heute ("Diese Beine! Diese Brüste! Dieser Po!"). Kloss ist Jason Wu treu geblieben und trägt weiter am liebsten seine Entwürfe.

Eine ebenso ertragreiche Designer- Model-Partnerschaft pflegen Joseph Altuzarra und Lily Kwong. Sie war das Model für seine erste Kollektion. Als er berühmt wurde, bekam ihre Karriere ebenfalls einen Schub - mittlerweile gehört sie zum Stammpersonal in Hochglanzmagazinen. Auch Hanneli Mustaparta arbeitete früher als Model, allerdings ohne dass ihr der internationale Durchbruch gelang. Dann begann sie, sich regelmäßig als Besucherin auf den Schauen herumzutreiben, und bloggte darüber. Die Folge: Bald wurde die rasend gut gekleidete Norwegerin zum Motiv für Streetstyle-Fotografen. Inzwischen ist sie auch als Model sehr gefragt und neuerdings sogar Markenbotschafterin für Calvin Klein.

Bei den Streetstyle-Fotografen ähnlich begehrt ist Hannelis Bussi-Freundin Natalie Joos, im Tagesjob Casting-Agentin, in der Nebenbeschäftigung Trägerin schillernder Outfits. Ihre große Liebe sind Vintage- Kleider. Sie lässt sich aber auch von aufstrebenden Labels wie Ostwald Helgason ausstatten und verhilft ihnen so zu mehr Aufmerksamkeit: Was Natalie Joos trägt, bleibt im Modegedächtnis. Und was Lana Del Rey trägt, kann bald jeder kaufen. Die Sängerin inspirierte mit ihrem 60er-Jahre-Look die neue Kampagne von H&M, in der sie schmollmundig posiert. Ihrer unschuldigen Art sind längst auch Marc Jacobs und Karl Lagerfeld verfallen. Die Marke Mulberry benannte gar eine Tasche nach ihr. Unter Musen gilt das als Adelstitel.

Die Networker
Raf Simons geht zu Dior! Auf die Nachricht, wer den begehrten Posten des Chefdesigners bei Christian Dior bekommt, musste die Modewelt lange warten.

Eingefädelt hat den Coup Delphine Arnault, die bei LVMH, dem Imperium ihres Vaters, für Marken wie Céline und Louis Vuitton zuständig ist. Wie groß ihr Einfluss ist, konnte man schon bei Simons' erster Couture-Präsentation im Juli erkennen: Majestätisch lächelnd saß sie in der Mitte der ersten Reihe neben Fürstin Charlène von Monaco. Ohne einen Förderer würden wohl die meisten Designer Talente bleiben, statt Modeschöpfer zu werden. Ein Anruf von Floriane de Saint Pierre kann Karrieren machen.

Die Headhunterin agiert im Hintergrund für Luxusfirmen und hat Alber Elbaz zu Lanvin gebracht und Christopher Bailey zu Burberry. Nicht weniger entscheidend für die Laufbahn: kreative Unterstützung. Marc Jacobs verlässt sich auf das Urteil von Katie Grand, die seine Schauen stylt, daneben für Prada arbeitet, mit Stella McCartney befreundet ist und das einflussreiche Modemagazin "Love" herausgibt.

Besser vernetzt als die französische Télécom ist auch Carine Roitfeld. Die frühere Chefredakteurin der "Vogue" Paris, die Tom Ford und den Fotografen Mario Testino zu ihren Vertrauten zählt, hat ein Gespür für neue Talente. Wer in ihren Freundeskreis aufgenommen wird, gilt in der Modewelt automatisch als angesagt. Pünktlich zum Schauenmonat erscheint Roitfelds neues Magazin, das so simpel wie selbstbewusst "CR" heißen wird.

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Fashionistas

Models, Musen, Stil-Ikonen

Leslie Mann und Judd Apatow gewöhnen ihre Töchter schon früh an das Rampenlicht. Mit drei Jahren absolviert Töchterchen Iris (rechts) ihren ersten Red-Carpet-Auftritt. Ihre fünf Jahre ältere Schwester Maude hat das strahlende Lächeln ihrer Mutter geerbt und grinst in die Kamera. 
Heute sind aus den kleinen Mädchen junge Damen geworden. Gekonnt posieren sie gut 10 Jahre später mit ihren Eltern auf dem roten Teppich der "Blockers"-Premiere in Los Angeles, denn mittlerweile sind die Mädels echte Profis... 
Maude Apatow  Völlig neu ist der Hollywood-Trubel für Maude Apatow nicht. In Filmen wie "Immer Ärger mit 40" und "Beim ersten Mal" durfte sie bereits als Teenie neben Mama Leslie vor der Kamera stehen. Aus dem Schatten ihrer Mutter versucht sie seit 2015 zu treten. Mit Erfolg! Noch im gleichen Jahr ergattert sie eine Rolle in Lena Dunhams Serie "Girls" und schreibt für Zooey Deschanels Website "Hello Giggles". Mittlerweile ist sogar die Modebranche auf sie aufmerksam geworden und lädt sie zu besonderen Fashion-Events ein. Bei ihrem It-Girl-Gespür eigentlich gar kein Wunder.
Iris Apatow  Die jüngste Tochter von Leslie Mann könnte bereits als Teenager eine Karriere als Model starten. Anstatt jedoch professionell zu shooten, teilt sie viel lieber private Schnappschüsse auf Instagram. Hier kommt sie extrem gut an: Fast 25.000 User folgen ihr bereits - Tendenz steigend. Welch enormes Potential in ihr schlummert, haben auch schon Hollywood-Regisseure erkannt. Seit Anfang 2016 gehört sie zu den Stars der neuen Serie "Love". Wir sind uns sicher: Von Iris wird man in Zukunft sicherlich noch so einiges hören (und sehen)!

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Man kann ein glamouröses Bilderbuch ihrer Clique erwarten, und vermutlich ist auch Dascha Zhukowa dabei. Die Freundin des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch wechselt ihre Jobs öfter als andere ihre Jeans - Designerin, Kunstförderin, Verlegerin, Filmemacherin. Und überall bringt sie ihre Mädels unter, zu denen die Künstlerin Olympia Scarry und Charlotte Casiraghi gehören, die Tochter von Caroline von Monaco. Ein überaus erfolgreiches Ergebnis der Netzwerkerei ist der Onlineshop Net-a-porter. Gründerin Natalie Massenet bietet in ihrem Internet-Treff eine anziehende Mischung aus etablierten Designern und Neuentdeckungen. Auf der schlichten Idee, dass Frauen auch gern im Internet shoppen, hat sie ein ganzes Imperium aufgebaut.

Die Designer
Zu Natalie Massenets Lieblingen gehören Charlotte Dellal und Gaia Repossi. Dellal, Erbin eines Immobilienvermögens, entwirft Schuhe, die für Kenner bereits angesagter sind als Louboutins. Repossi hat als Kreativchefin das angestaubte Image des Schmuckhauses ihrer Familie aufgebrezelt. Beide haben Stammplätze in der ersten Reihe bei den Schauen ihrer Kollegen.

So trug Gaia Repossi bereits Entwürfe von Joseph Altuzarra, bevor der auf dem Radar von Stars wie Kate Bosworth auftauchte. Ihre Einladungen für die erste Show von Hedi Slimane für Yves Saint Laurent wurden sicher schon verschickt - nach der Christian-Dior-Präsentation das heißeste Ticket der Saison. Slimane, der früher die Herrenkollektion für Dior entwarf, sorgt schon vorab für Getuschel: Er würde gar nicht in Paris, sondern in Kalifornien arbeiten. Außerdem hat er den Namen der Prêt-à-porter-Kollektion von YSL zu Saint Laurent Paris ändern lassen. Und er könnte sich vorstellen, für das Haus wieder Haute Couture zu entwerfen. Aufregung perfekt!

Die Chronisten
Und? Wie war ich? Wie war die Schau? Das sicher beurteilen zu können ist das Talent von Nicole Phelps.

Sie schreibt für das Portal style.com, ihre Kritiken werden in der Branche intensiver studiert als die Aktienkurse von Börsenhändlern. Den besten Klatsch aber weiß Reporter Derek Blasberg. Seine Aufgabe wurde von der "New York Times" einmal als "Teil der Szene sein" beschrieben. Für Auftraggeber wie "Harper's Bazaar" und seinen eigenen Blog reist er unermüdlich um die Welt - von Margherita Missonis Hochzeit in Italien zu einer Benefizveranstaltung in New York und weiter nach Peru zur Feier von Mario Testino in Lima. Sein Motto: "Wenn ich nicht da war, ist es auch nicht passiert!" Seinen Ratgeber "Classy", einen unterhaltsamen Knigge für den perfekten Auftritt, hat er vermutlich auf unzähligen Langstreckenflügen geschrieben.

Genauso viele Meilen sammelt Bloggerin Garance Doré, die zusammen mit ihrem Partner Scott Schuman ("The Sartorialist") den Stil der Mode-Insider dokumentiert. "Garance ist unser täglich Brot", sagte einmal eine französische Modejournalistin, die lieber unerkannt bleiben wollte. Ein heimliches Vergnügen sind auch die Blogs von Magazinmacher Olivier Zahm und Fotograf Terry Richardson mit ihren privaten Schnappschüssen von Kate Moss im Jamaika-Urlaub, Lindsay Lohan im Hotelbett oder Jennifer Aniston und Justin Theroux beim Küssen. Ständiger Begleiter der zwei Knipser ist André Saraiva, der die Edel-Clubs dieser Welt einmal als sein zweites Zuhause bezeichnet hat. Was sich gut trifft, da er selbst einige betreibt, darunter das "Le Baron" in Paris und das "Le Bain" in New York. Sie sind beliebte Treffs der Modefamilie auch außerhalb der Zeit der Schauen. So muss die Party niemals enden...

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