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Kolumne: Fashion Friday Trench-Kost

Koche Frühjahr/Sommer 2018
Koche Frühjahr/Sommer 2018
© Getty Images
Dieser Style schmeckt uns gerade im Frühjahr richtig gut: Im Trench machen wir jetzt eine bombenmäßige Figur

Übergangsjacke – ein Begriff der für mich gerade mal genauso viel Sexappeal hat, wie die Wursttheke eines Supermarkts. Man denkt doch insgeheim sofort an wetterfeste Funktionskleidung, dröge Daune und farbliche Tristesse, oder?

Ich habe da zum Glück schon vor einigen Jahren für mich eine gute Lösung gefunden: einen schwarzen Nylon-Trenchcoat. Der ist zwar auch nicht unbedingt ein (farblicher) Knaller, begleitet mich aber elegant auf Jobreisen und durch das gesamte Frühjahr. Warum liegt ja auf der Hand. Nieselregen perlt darauf ab, genauso wie die neidischen Blicke, weil er wirklich so was von schön geschnitten ist und einfach nur chic ausschaut. Und irgendwie fühle ich mich darin immer wie einem Agentenfilm aus den Sechzigern entsprungen. Kragen aufgestellt und Sonnenbrille dazu – schon klappt es mit der Zweitkarriere beim Geheimdienst. Und selbst zu sportlicheren Styles wirkt der Trench nicht wie ein Fremdkörper. Ich hatte ihn sogar schon einige Male zum After-Gym-Outfit an, sprich zu Sweater, Jogginghose und Sneakers und wagte mich so am Wochenende auf Hamburgs Edelmeile, den neuen Wall. Irritierte Blicke Fehlanzeige. Ganz im Gegenteil. Der Trench bleibt für mich ein unverzichtbarer Allrounder.Ursprünglich erfunden worden war der Mantel ja eigentlich fürs Militär, um genau zu sein für die britische Armee. Ende des 19. Jahrhunderts hatte Thomas Burberry die Idee, aus wasserabweisendem Gabardine, übrigens auch seine eigene Erfindung, Regenmäntel für die Soldaten im Schützengraben zu fertigen. Daher auch der Name (engl. trench – dt. Graben). Von dort traten nicht nur die Briten ihren Siegeszug an, sondern natürlich auch der praktische Mantel, der schon bald die Laufstege eroberte. Heute hängt er praktisch in fast jedem Kleiderschrank.

Celine, Frühjahr/Sommer 2018
Celine, Frühjahr/Sommer 2018
© Jason Lloyd Evans

So auch in dieser Saison. Denn wenn man den internationalen Designern glauben schenken kann, dann ist kein Fashion-Piece angesagter als der Trench. Und das nicht nur als Mantel selbst, sondern auch als Inspiration für weitere, lässige Pieces. Phoebe Philo gab dem Ganzen in einer ihrer letzten Céline-Kollektionen – ab April übernimmt Hedi Slimane – einen ganz neuen Twist. Sie schickte den beigen Mantel als in sich verdrehtes Oversize-Cape über den Laufsteg. Im Maison Margiela hingegen dürfen sich Fashionistas über sexy schulterfreie Trenchkleider freuen. Bei Victoria Beckham über fließende Rüschen und bei Baleciaga kombinierte Designer Demna Gvasalia das Ganze gleich mit einem zweiten Klassiker – der Jeansjacke.

Trench Coats überall also, mal ganz abgesehen von der klassischen Variante von Burberry & Co. Beim Styling selbst stehen ihnen natürlich bei so einer Vielfalt alle Schranktüren offen. Ich persönlich bevorzuge aber die lässige Variante zu weiter geschnittenen Hosen in Schwarz oder Weiß oder zum unifarbenen Knallfarben-Outift. Aber das nur nebenbei bemerkt. Denn ich tauche jetzt auch schon wieder ab, stelle meinen Kragen auf, greife zur Sonnenbrille und gehe heimlich die Laufstege beschatten. Nicht im Auftrag ihrer Majestät, sondern im Dienst der Mode und auf der Suche nach weiteren heißen Trendpieces.

Maison Margiela, Frühjahr/Sommer 2018
Maison Margiela, Frühjahr/Sommer 2018
© Jason Lloyd Evans
Gala

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