Kolumne: Fashion Friday : Hip, hip, hooray!

Eighties überall: Nach Schulterpolstern, Karottenjeans & Co. feiert nun auch die Gürteltasche endgültig ihr Comeback. 

Marc Jacobs Fashion Show

Als Kind der Achtzigerjahre wurde mir modisch einiges zugemutet. Ich habe die Hoch-Zeiten von Schulterpolstern live miterleben dürfen, riesige Kassengestellbrillen, bis zum Bauchnabel geschnittene Karottenjeans und weiße Pumps… Wirklich schön war nichts davon, aber entfliehen konnte dem Style-Elend keiner. Ich selbst hatte zumindest den kleinen Vorteil, dass ich noch viel zu jung war, um irgendeinen schlimmen Trends – auch Männer hatten es nicht leicht – mitmachen zu müssen. Stattdessen verbrachte ich meine Kindheit glücklich in Jeanslatzhosen.

Jetzt, Jahre später, sitze ich im GALA-Office und merke, dass ich mein Trauma offensichtlich irgendwann unbemerkt verarbeitet haben muss. Beim Blick auf aktuelle Kollektionen stelle ich immer nämlich wieder fest, dass zwar jeder einzelne, damals noch so gruselige Trend, wiederkehrt, sich das aber plötzlich gar nicht mehr schlimm anfühlt, sondern hin und wieder ziemlich cool. 

Da werden Schulterpolster plötzlich beim It-Label Vetements unverzichtbar, XXL-Retrobrillen sind der heißeste Scheiß auf dem Gucci-Laufsteg, hochgeschnittene Karotten heißen jetzt Mom-Jeans und machen nicht nur eine gute Figur, sondern sind wohl auch noch megabequem. Und erst gestern kam mir auf dem Flur meine Chefin in weißen, spitz zulaufenden Stiefeletten entgegen und sah damit aus wie ein Rockstar. Der alte Achtzigerjahre-Mief samt Popper-Attitüde? Wie weggeblasen. 

Herzogin Catherine holprig unterwegs

Sie versinkt mit ihren High Heels im Gras

Herzogin Catherine + Prinz William
Nass, kalt und tief - der englische Rasen auf dem Gelände des Kensington Palastes erweist sich für Herzogin Catherine als echte Herausforderung.
©Gala

Das Comeback, über das ich mich allerdings gerade am allermeisten freue, ist das der Hüfttasche. Wimmerl nannte man die in Bayern wenig schmeichelhaft, denn die sind nebenbei auch noch der Schrecken jedes frisch verliebte Jugendlichen: Pickel. Praktisch war die Bauchtasche trotzdem, vor allem im Urlaub. Da konnte man potenziellen Langfingern gleich bequem frontal eine mitgeben, wenn sie sich wieder an den Urlaubslire oder der Kompaktkamera vergreifen wollten. Üblicherweise waren die praktischen Taschen aus Nylon. So hielten sie auch den mediterranen Regenfällen stand. Ich selbst hatte eine in Neonfarben und trug darin einen Walkman spazieren. Mit dem Eintritt in die Pubertät war das Wimmerl dann aber urplötzlich strengstens verboten. Wer sich nicht daran hielt, wurde verhauen oder gleich in den Papierkorb gesteckt. 

Gucci Fashion Show

30 Jahre später ist die Bauchtasche aber zurück, nennt sich jetzt ganz lässig Hip-Bag, und schaut auch gleich noch hipstermäßig aus. Es gibt sie von Louis Vuitton, von Gucci, aus Leder, aus Samt, gesteppt, mit Nieten und Stickerei. Man trägt sie zum edlen Pencil-Skirt, aber auch zur Jeans, zu sportlichen Looks und zum sexy Ausgehoutfit. Mein Favorit ist aber der Belting-Look, also bewusst als Gürtel über einer Jacke getragen. Das schummelt jeder Frau nicht nur mehr Kurven, sondern nimmt dickeren Herbstjacken auch gleich noch ihre Monströsität. Und wem der Gürtellook zu speziell ist, hängt die "Hip"-Bag einfach über die "Shoulder". Also jede Menge Möglichkeiten.

Und ich bin jetzt erst einmal gespannt, welcher Trend als nächstes zurückkehrt. Vielleicht ja sogar knallbunte Sakkos für Männer? Dann werde aber auch ich wieder auf die Barrikaden gehen. Natürlich wieder ganz stilecht: in Latzhosen.

Streetstyle-Looks

Style-Zoom

Olivia Culpo geht komplett mit dem Trend: Sie schlüpft in einen Bodycon-Jumpsuit und betont ihre Taille mit einem feinen Gürtel. Für den letzten Schliff sorgt sie mit der angesagten Bauchtasche von Chanel.
Mila Kunis rät mit ihrem Shirt allen: "Follow your path". Also "Folgt eurem Weg". Zu dem Statement-Oberteil wählt sie eine Mom-Jeans mit zerrissenen Knien.
Lena Perminova beweist extrem viel Trendgespür: Über ihr romantisches Mini-Dress zieht sie einen weiten Blazer, der ihren Look etwas mehr nach Girlboss aussehen lässt. Die Cowboy-Boots und die Sattel-Tasche von Dior (wie passend!) geben dem Ganzen das gewisse Etwas.
Warum zieht Emily Ratajkowski bloß so eine Schnute? An ihrem Look kann es ja wohl kaum liegen! Ihr hübsches Kleid mit leichtem Wasserfallausschnitt und Spaghettiträgern kombiniert sie zu klassischen Sneakern von Adidas und einer orangeroten Boxy-Bag, die eigentlich gute Sommerlaune versprüht.

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