Fashion: Traumjob Model?

Viele Reisen, viel Champagner, viel Geld: Bei manchen klappt das. Für viele Newcomerinnen sieht die Realität anders aus. "Gala" klärt auf

Die Lübeckerin Esther Heesch wurde beim Shopping mit ihrer Mutter entdeckt.

Für alle Eltern hat "Germanys next Topmodel" eine harte Lektion parat: Junge Mädchen träumen heute nicht mehr von einer Laufbahn als Ärztin oder Anwältin. Top-Model wollen sie werden! Zumindest lassen das die Zigtausende Kandidatinnen vermuten, die dem Casting-Ruf folgen ...

Es klingt aber auch zu verlockend, was Miranda Kerr und andere Stars der Branche vorleben: Reisen in ferne Länder, Geld bis zum Abwinken, wahlweise ein Gläschen Champagner hier, eine Cola light mit Karl Lagerfeld da. Und irgendwann (Daumen drücken!) ein prominenter Gatte, an dessen Seite man sich zur Ruhe setzen kann. Aus Hollywoods A-List selbstverständlich.

Heidi Klum

Sie präsentiert uns stolz ihren Ehering

Heidi Klum
Knapp zwei Wochen nach der Hochzeit von Heidi Klum und Tom Kaulitz auf Capri dürfen wir endlich einen ersten Blick auf ihre Eheringe werfen, die überraschend schlicht ausfallen.
©Gala

Die Realität sieht für Newcomerinnen anders aus - stressig, unbequem und wenig glamourös. Während der Modewochen in New York, Mailand, Paris und Berlin ist an Partys und Luxus nicht zu denken. Keine Zeit. Die Agenturen takten die Castings straff, ein Termin jagt den nächsten. Die Aussicht, vielleicht für Louis Vuitton, Prada und andere Größen zu laufen, zieht alle in ihren Bann. Der Durchbruch ist in diesen vier Wochen zum Greifen nah.

Beim Casting dann die Ernüchterung. Statt des ersten Jobs und anerkennender Blicke ist Warten angesagt. Unzählige Models sammeln sich in den Showrooms. Und alle wollen laufen. Das Prozedere gleicht einer Massenabfertigung: "Kann ich dein Buch sehen? Wie heißt du? Wo kommst du her?" Anschließend der obligatorische Probe-Walk, abgescannt vom Casting- Director. Wer gefällt, wird schnell fotografiert, die zugehörige Sed-Card eingesteckt. Mit etwas Glück folgt eine Einladung zur Anprobe. Wer nicht überzeugt hat, muss sich mit einem simplen "Thank you!" begnügen. Auf zum nächsten Versuch. Die Nächste, bitte …

Marcus zu Solms, Booker bei der Hamburger Agentur Modelwerk, sagt: "Eine Newcomerin geht durchschnittlich zu 20 bis 30 Castings, bevor sie das erste Mal gebucht wird." Eine Garantie gibt es nicht. Es passiert durchaus, dass ein Model während der Saison keinen einzigen Laufstegjob ergattert. Das Risiko nehmen die Agenturen in Kauf. "Sechs Monate später gibt es ein neues Spiel. Unser Model Andreea Diaconu hat sechs oder sieben Anläufe gebraucht, bis sie endlich an der Spitze lief. Heute arbeitet sie für Chanel und Co."

Bei anderen geht es schneller. Der Hamburger Kim-Fabian von Dall'Armi wurde von Miuccia Prada 2010 ohne Casting direkt als "Look One" gebucht - die größte Auszeichnung für ein Model. Für Kim- Fabian der Durchbruch, Annehmlichkeiten inklusive: Der Newcomer wurde exklusiv für die Prada-Show eingeflogen, residierte in einem schicken Hotel (nicht in der üblichen WG), musste sich noch nicht einmal das Catering mit seinen Kollegen teilen. Alles für den schönen Show-Opener.

Das Eröffnen einer Show ist mega-wichtig: Die Agenturen schachern mit den Casting- Direktoren um die vorderen Positionen. Manchmal kann ein vielversprechendes Model nur gebucht werden, wenn es einen der ersten Looks präsentieren darf. Für brasilianische Models ist es fast schon Ehrensache, dass sie eröffnen.

Die 16-Jährige Esther Heesch ist nicht nur als Covermodel gefragt. Momentan ist sie das Kampagnengesicht des Hamburger Modelabels Closed.

Auch die 16-jährige Esther Heesch hat eine steile Karriere hingelegt. Im Dezember 2011 wurde sie in der Hamburger Innenstadt von einem Modelwerk-Scout entdeckt. Das Gesamtbild stimmte: blond, 1,79 m groß, bildhübsch. Ins kalte Wasser geschmissen wird so ein "Rohdiamant" natürlich nicht. "Wir haben eine sehr gute New-Face-Abteilung. Dort kümmern sich fünf Leute ausschließlich um die Ausbildung der Models mit Laufstegtraining, Imageberatung, Testshoots, Diätplan und Sportberatung", verrät zu Solms. Und wer Ehrgeiz und die nötige Disziplin mitbringt, präsentiert vielleicht schon in der nächsten Saison eine Tweedjacke von King Karl. Bei Esther Heesch hat es funktioniert, sie arbeitet inzwischen für Bottega Veneta und Marc Jacobs. Die Karriere läuft.

Und was mag Esther an ihrem Job? "Am meisten gefällt mir das Reisen - man trifft so viele kreative Menschen und sieht Orte, an die man sonst nicht so ohne Weiteres kommen würde." Irgendwie scheint am Ende doch etwas dran zu sein am Mädchentraum ...

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