Familie Vuitton: Der Patriarch und sein Junior

Wie ist es, ein Vuitton zu sein? Gala besuchte Vater Patrick und Sohn Benoit in der Residenz der Luxusdynastie nahe Paris - auf einen Kaffee und ein offenes Gespräch

Schon das Straßenschild verrät, wer hier lebt.

Bausünden aus den Siebzigern säumen die Straßen. In den Boutiquen hängt Polyester. Lastwagen schlängeln sich durchs Verkehrschaos. Asnières-sur-Seine, ein Vorort von Paris: Außer dem Namen wirkt hier erst mal gar nichts idyllisch. Das ändert sich in einer Seitenstraße. Die Wege sind gekehrt, die Häuser hübsch renoviert. In der Rue Louis Vuitton hat die französische Lederwarendynastie seit Gründung Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Stammsitz. Die Ateliers für Maßanfertigungen befinden sich noch immer direkt hinter dem Anwesen. Im Salon sitzt auf einem plüschigen Sessel Patrick-Louis Vuitton, Ururenkel des Firmengründers Louis und Chef der Maßanfertigungen. Der 61-Jährige begrüßt seinen GALA-Gast, den er zum Frühstück eingeladen hat. Doch einer fehlt noch. Patrick Vuitton stopft seine Pfeife und grummelt: "Wo bleibt er denn?"

Zehn Minuten später, das Personal hat gerade Croissants und Espresso gereicht, kommt sein Sohn Benoit-Louis, 35, herein. Er wirft seinen Vespa-Helm auf den Boden, zieht seinen Parka aus und gibt Papa einen Kuss auf die Wange. Benoit entwickelt Armbanduhren bei Louis Vuitton. Auch wenn das Unternehmen heute nicht mehr der Familie, sondern dem Luxuskonzern LVMH gehört - die Namensgeber arbeiten immer noch mit. Vuitton junior ist herzlich, aber etwas schüchtern. Im Gespräch und auch später beim Billardspielen merkt man, dass sein Vater und er eine klassische Vater- Sohn-Beziehung führen. Patriarch Patrick führt das Wort.

Julia Roberts

Der "Pretty Woman"-Look steht ihr immer noch

Julia Roberts
Julia Roberts strahlt in ihrem Pünktchen-Look auf dem Veuve Clicquot Polo Classic in Los Angeles und erinnert damit an ihre Rolle in "Pretty Woman".
©Gala

Ein wertvoller Schrankkoffer mit dem wohl berühmtesten Luxus-Logo der Welt wird als Sideboard genutzt.

Hübsch haben Sie es hier! All die Erinnerungen ...
Patrick Vuitton: Es ist ein ganz normales Haus mit Souvenirs einer üblichen Familie. Hier gab es Geburten, Hochzeiten, Streitigkeiten, Versöhnungen und Tote. So wie überall.

Ganz normal lebt man als Vuitton aber sicher nicht?
Benoit Vuitton: Wir hatten hier früher mehrere Anwesen, in denen die Familie residierte. Ich wohnte als Kind nebenan, spielte aber immer hier auf dem Rasen Fußball.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie einen besonderen Familiennamen tragen?
Benoit: Ach, hier war das nicht ungewöhnlich, ein Vuitton zu sein. (lacht)

Aber irgendwann sind Sie ja mal vor die Tür gegangen ...
Benoit: Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, besuchte ich Freunde außerhalb der Stadt. Da war ich schon überrascht, dass man wusste, wer ich bin.

Rund 350 Einzelstücke werden unter der Verantwortung von Patrick Vuitton in Asnières-sur-Seine jährlich maßgefertigt. Hier ein luxuriöser Picknickkorb.

Spielt die Dynastie eine große Rolle bei Ihnen?
Patrick: Ja und nein. Mir sind meine Kinder wichtig. Und die Enkelkinder. Alle anderen sind gestorben. Ich setze auf die Zukunft - dumm nur, dass man nicht weiß, was sie bringt.

Ist es schwierig, ein Vuitton zu sein?
Benoit: Es wäre vermessen, mit "Ja" zu an antworten .Natürlich hat es seine Vorteile. Vor Kurzem bin ich mit meinem Roller von der Polizei angehalten worden. Ich war zu schnell gefahren. Als der Beamte den Namen auf meinem Führerschein sah, grinste er und ließ mich weiterfahren.
Patrick: Ach, komm! Sobald man sich für ein Grundstück interessiert und die Makler sehen, wer man ist, werden die Preise erhöht.

Aber Sie bekommen im Restaurant den besseren Platz...
Benoit: Ein Vuitton bekommt keinen besseren Tisch, weil er den Kellner kennt, ein Vuitton ist mit dem Chefkoch befreundet. Die Erwartungen an uns sind hoch. Wir müssen das, was unsere Vorfahren geschaffen haben, nicht nur bewahren, sondern übertreffen! Das ist das Schicksal jeder Generation.

Empfinden Sie das als Druck, Benoit?
Benoit: Nein.
Patrick: Natürlich ist es ein Privileg. Und eine Herausforderung. Wir dürfen als Vuittons niemals nachlassen. Wir müssen auf die Vergangenheit aufbauen und unser Know-how ständig weiterentwickeln.

Seit 1859 residieren die Vuittons nahe Paris. Überall in der Villa finden sich prunkvolle Erbstücke, auf Sekretären und Kommoden sind Familienfotos und Intarsienkästen arrangiert.

Es geht also um das Erbe, die Tradition. Muss sich der Einzelne den Werten der Dynastie unterordnen?
Patrick: Natürlich ist die Familie das Wichtigste. Aber jeder Einzelne trägt dazu bei, dass unsere Werte und das Know-how bleiben und sich verändern. Man bleibt nicht stehen. Daher ist natürlich auch jeder Einzelne wichtig. Doch ohne die Erfindungen meiner Vorfahren wären wir ja niemals dort, wo wir heute sind. Und dem muss man sich schon unterordnen.

Das gilt auch für die Vuitton-Designer und wohl vor allem für Artistic Director Marc Jacobs?
Patrick: Selbstverständlich. Wenn wir seine Ideen nicht umsetzen können, bleiben sie eine Skizze auf dem Papier. Et voilà!

Haben Sie Ihrem Sohn diese Erwartungen vermittelt?
Patrick: Ich habe es versucht. Ob es ihm klar wurde, weiß ich nicht. Schließlich entwickelt er kein Gepäck, sondern Uhren. (grinst)

Benoit, hat Ihr Vater etwas falsch gemacht?
Benoit: Nein, sicher nicht. Ich denke, ich arbeite mit denselben Werten, aber eben an einem anderen Produkt.

Sie haben am Anfang Ihrer Karriere in einer Louis-Vuitton- Boutique gearbeitet. Trugen Sie ein Namensschild?
Benoit: Ja. Und ich hatte auch Firmenvisitenkarten. Es war immer sehr amüsant, die Reaktionen der Kunden zu beobachten, wenn sie den Namen lasen.

Mussten Sie auch die Einkäufe verpacken?
Benoit: Natürlich. Ich stand auch an der Kasse, und ich sortierte die Ware im Lager. Abends schloss ich die Ladentür ab.

War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie ins Unternehmen einsteigen würden?
Benoit: Ich hatte die freie Wahl. Mein Vater hat immer gesagt, dass es das Wichtigste ist, dass man morgens glücklich aufwacht.

Und? Tun Sie es?
Benoit: Ja. Oft müde - aber glücklich.

Spielführer: Patrick Vuitton mit Sohn Benoit beim Billard im Salon.

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