Escada: Von der Kundin zur Chefin

Das deutsche Label Escada steht vor allem für Glamour. Nach finanziellen Turbulenzen ist der neuen Besitzerin Megha Mittal ein Comeback gelungen: elegant wie immer, jung wie nie

Escada - Megha Mittal

Das ehrwürdige Bode-Museum

auf der Berliner Museumsinsel ist von der Lässigen Auguststraße gerade mal fünf Autominuten entfernt. Dennoch liegen Welten zwischen diesen beiden Orten. Im Bode-Museum zeigte das Münchner Luxushaus Escada 2009 die schönsten Roben aus seiner Vergangenheit. Anderthalb Jahre später stellte die jüngere Linie Escada Sport im szenigen Viertel von Mitte die zukünftigen Visionen vor. Ein Quantensprung - mit einer klaren Botschaft: Glamour und Lässigkeit schließen sich ab sofort nicht mehr aus.

Fashion

Doppeltes Lottchen

Kim Kardashian und Lily Aldridge schlendern beide in einem auffälligen Maxikleid von Givenchy durch Los Angeles. Ergänzend dazu tragen die Damen übereinstimmend eine schwarze Lederjacke und hohe Peep Toe-Stiefeletten.
Sowohl Zoe Saldana als auch Gwen Stefani landen mit ihrem Pullover in Schwarz-Weiß-Optik eine Punktlandung.
Kate Winslet zeigte bei einem Besuch in Venedig in dem figurbetonten Kleid von Stella McCartney, wie schön weibliche Rundungen sind. Fiona Erdmann hingegen, die in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz zu Gast gewesen ist, hat mit dem gleichen Kleid eher die Wichtigkeit der richtigen Passform demonstriert.
Prinzessin Mathilde und Prinzessin Maxima

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Zu verdanken ist dieses Bekenntnis jenen Menschen, die bei der Show in der ersten Reihe saßen. Die indische Stahl-Dynastie Mittal sah sich von dort die Kreationen an: Vater Lakshimi, seine Frau Usha, Sohn Aditya und Schwiegertochter Megha verfolgten die Top-Models auf dem Laufsteg.

Der Macher: Vorstandschef Bruno Sälzer mit Topmodel Bar Refaeli.

Die Mittals zählen zu den reichsten Familien der Welt und haben Escada aus finanziellen Nöten gerettet. Megha Mittal ist seit 2009 die neue Besitzerin des Münchner Labels und verantwortet, gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Bruno Sälzer den Richtungswandel der Marke. Schaut man sich Megha an, hat man keinerlei Bedenken, dass dies nicht klappen könnte. Die attraktive Frau, seit vielen Jahren Stammkundin bei Escada, verkörpert genau jenen Typ, der perfekt zur Marke passt - eine moderne, klassische Schönheit. Megha mag es elegant, aber nicht madamig. Sie liebt Glamour, möchte aber nicht verkleidet aussehen.

Bruno Sälzer weiß das. Der ehemalige Vorstand von Hugo Boss hat Erfahrung darin, Unternehmen ein klares Image zu geben: "Escada stand und steht immer für eine sehr weiblich-sinnliche Mode. Unsere Kundinnen verbindet die Liebe zu Farbe, Glamour, Eleganz und ganz besonderer Qualität." Beispiele für den Glanz der Kollektionen gibt es viele: Kim Basinger nahm 1998 ihren Oscar im mintfarbenen Kleid entgegen. Jahre später strahlte Katherine Heigl im roten One-Shoulder-Dress auf dem Red Carpet.

Die Gründerin: Margaretha Ley zeigte 1978 ihre erste Kollektion. Sie starb 1992.

International hatte die Marke ohnehin immer ein positives Image. Nur in Deutschland galt sie irgendwann als altbacken. "Aufgrund des Stils waren wir immer stark in warmen, sonnigen Regionen wie Kalifornien, Südeuropa und Asien", sagt Sälzer. Darauf will man nun wieder aufbauen. "Natürlich entsteht die Mode im Bewusstsein und mit den Erwartungen unserer Kundinnen an die Geschichte des Hauses Escada."

Und die ist so aufregend wie die Folge einer Soap Opera. Firmengründerin Margaretha Ley, ein ehemaliges Model aus Schweden, zeigte 1978 ihre erste Kollektion. Auf Anhieb erwiesen sich die Produkte, die farblich aufeinander abgestimmt waren, als voller Erfolg. Escada-Mode musste man nicht als "total look" kaufen. Jedes Teil stand für sich und konnte über mehrere Saisons getragen werden.

Schauspielerinnen wie Prinzessinnen schätzen den glamourösen und weiblichen Stil der Münchner. Victoria von Schweden gefällt's: Sie trug zu den Hochzeitsfeierlichkeiten von Kate und William eine Robe von Escada.

Die opulenten Designs - etwa Strickpullover mit großzügigen Intarsien - passten hervorragend zu den anstehenden Achtzigerjahren, der Alexis-Carrington-Ära mit Seide und Schulterpolstern. Doch Zeiten ändern sich. Auf Opulenz folgte Minimalismus. Der riesige Escada-Tanker mit mehr als 1000 Verkaufsstellen in über 80 Ländern war nicht in der Lage, sich schnell anzupassen.

Doch die Seenot ist lange vorbei. Die Marke strahlt wieder wie das firmentypische Rot. "In fünf Jahren werden wir im Stil, der Modeaussage und auch in unserer Geschäftsentwicklung weit vorne sein", prophezeit Bruno Sälzer selbstbewusst. Die Gäste der Show hatten daran keinen Zweifel. Escada füllt eine Nische, die derzeit von keinem anderen Modehaus besetzt wird: konsequente glamouröse Tragbarkeit. Gefragt, welches Getränk "seiner" Marke" entspricht, antwortet Sälzer: "Rosé Champagner". Der wurde 2009 bereits im Bode-Museum kredenzt. Und auch in der Auguststraße gab es ihn zu trinken. Santé!

Marcus Luft

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