Elena Perminova: Vom Gefängnis in die Frontrow

Sie ist das moderne, russische Aschenputtel: Elena Perminova hat einen weiten Weg hinter sich. Die Stilsicherheit der Russin wird heute allseits bewundert - doch ihr Lebensweg schien zunächst auf eine ganz andere Zukunft hinzudeuten

Sechs Jahre Haft - das Urteil, das 2007 über Elena Perminova verhängt wurde, hätte für sie ein Leben in Schande und Armut bedeutet. Von der Polizei aufgegriffen und des Drogenhandels für schuldig befunden, stand die damals 21-Jährige vor dem Nichts. Letztlich sollte sie ihr heutiger Ehemann vor dem Gefängnis bewahren - und ihr die Türen zur Welt der Schönen, Reichen und Privilegierten eröffnen.

Als Kind einer armen Familie in Sibirien geboren, zeichnete sich Perminova schon früh durch eine ganz eigene Vorstellung von Mode und Verwandlung aus. "Als zu einer Weihnachtsaufführung alle Kinder als Schneeflocken oder Prinzessinen kamen, ich jedoch verkleidet war wie ein Küken, wurde mir bewusst, dass es wichtig ist, eine eigene Persönlichkeit zu haben", erzählt die Russin heute. Ihr verspielter Look, gepaart mit umwerfenden Modelmaßen, ebneten den Weg für eine Karriere als Model und Stilikone.

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©Gala

Nicht immer jedoch schien die Welt der hochgewachsenen Blondine so rosig. Als 16-Jährige wird sie von ihrem damaligen Freund, einem deutlich älteren Drogenhändler, zum Dealen in umliegenden Diskotheken gezwungen. Perminova wird von der Polizei festgenommen, in Untersuchungshaft gesperrt - und zu sechs Jahren Haft verurteilt. "Es gab eine stinkende Toilette und keine Seife...und das eiserne Bett war an die Wand geklappt", beschrieb sie ihre winzige Zelle gegenüber "Harper's Bazaar". Der Retter in der Not: Alexander Lebedev. 2007 wenden sich Perminovas verzweifelte Eltern an den Politiker und Geschäftsmann, bitten ihm um Unterstützung. Der heute 53-Jährige erkämpft die Freilassung der jungen Frau - und das ungleiche Paar verliebt sich.

Das Aschenputtel-Märchen von Elena Perminova scheint noch lange nicht an seinem Höhepunkt angelangt zu sein. 2008 katapultiert sie ein umwerfender Mantel von Rodarte bei den CFDA Awards von einem Tag auf den anderen ins Bewusstsein der Modeszene. Giambattista Valli ist einer der ersten, der Elena als Model und Frontrow-Gast für sich entdeckt. Heute ist die Schöne neben Miroslava Duma, Ulyana Sergeenko und Vika Gazinskaya das Gesicht des neuen, stylischen Russland. Die amerikanische "Harper's Bazaar" lud sie für die prestigeträchtige Septemberausgabe zu einem Shooting ein - und veröffentlichte einen mehrseitigen Bericht über Elenas bewegtes Leben.

Ob ganz in Chanel (links) oder an der Seite von Freundin Miroslava Duma in der Frontrow: Elena Perminova ist im Fashion-Olymp angekommen.

"Ich war neun Jahre alt, als mir bewusst wurde, dass mein Stil anders ist. Blaue Haare, ein Fuchsschwanz an der Handtasche, Jeans mit eigenhändig aufgenähten Sternen - am Anfang waren die Leute überrascht, aber letztendlich fragten sie 'Wo hast du das her?'", erzählte die 26-Jährige "fashion.telegraph.co.uk".

Über ihren Ehemann und Vater ihrer beiden Söhne Nikita, 4, und Egor, 1, sagt sie: "Er war mein Engel. Es gibt kein anderes Wort dafür." Die Chanel-Botschafterin liebt Federn und Hüte, mixt gekonnt Luxusmarken und günstige Ketten wie Zara und H&M. "Es ist aufregend, wenn Leute aus der ganzen Welt für eine Woche zusammenkommen, um sich über ihre Kleidung einander vorzustellen", so Perminova über die Modewochen, die sie inzwischen regelmäßig besucht.

Vom Shooting für die amerikanische "Harper's Bazaar" veröffentliche Elena stolz einige Making-of-Bilder.

Als zweifache Mutter blickt Elena Perminova inzwischen voller Reue auf ihre jugendliche Leichtsinnigkeit zurück. "Ich habe eine so furchtbare Sünde begangen. Erst jetzt, wo ich Mutter bin, sehe ich es deutlich", gibt sie zu. Die große Furcht vor politisch motivierter, juristischer Willkür lässt die Familie jedoch auch heute nicht los. Als Miteigentümer der Zeitung "Novaya Gazeta", die sich kritisch über das Putin-Regime äußert, wurde Lebedev im vergangenen Jahr für eine handgreifliche Attacke im TV angeklagt. Das offizielle Verbrechen "Gewalt aus politischem Hass" war nach Überzeugung der Familie jedoch reine Schikane - in Wahrheit habe Putin seinen mächtigen Gegner mundtot machen wollen. Der milliardenschwere Geschäftsmann wurde nach langen Monaten des Bangens zu 150 Sozialstunden verurteilt - die Angst vor der Politik ihres Heimatlandes aber bleibt.

Von ihrem ersten Besuch in New York, als ihr Mann sie zu einem Einkaufsbummel animieren wollte, erzählt Elena Perminova noch heute mit einem Lachen: "Alexander sagte zu mir 'Bitte geh zu Bergdorf und kauf dir etwas', aber ich war so beeindruckt von den Kleidern, dass ich mich nicht entscheiden konnte. Also habe ich Jeans gekauft und sie mit seinem Kapuzen-Sweatshirt und einer riesigen Kreuzkette getragen. Die Leute sahen mich an und ich fing an zu verstehen, was genau ich wollte und das dies das perfekte Outfit für New York war".

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