VG-Wort Pixel

Dolce & Gabbana Das steckt hinter dem China-Skandal

Domenico Dolce (l.) + Stefano Gabbana 
Domenico Dolce (l.) + Stefano Gabbana 
© Getty Images
Dolce & Gabbana zogen sich den Hass der Chinesen zu. GALA erklärt den Skandal

Rund sechs Monate dauert die Planung für die Dolce & Gabbana-Schau, die vorigen Mittwoch in Shanghai stattfinden sollte, innerhalb weniger Minuten zerstörte ein Shitstorm die ganze Arbeit des Multi- Millionen-Euro-Events.

Rassismus-Vorwürfe gegen Domenico Dolce & Stefano Gabbana

Was als "The Great Show" geplant war, endete für das italienische Luxushaus im größten PR-Desaster aller Zeiten. Der Auslöser: Drei kurze Videos hatte Dolce & Gabbana ins Internet gestellt. Darin versucht eine Chinesin, mit Stäbchen erst eine wagenradgroße Pizza, dann Cannelloni und schließlich eine Riesenportion Spaghetti zu essen. "Heute zeigen wir dir, wie man unsere große traditionelle Pizza Margherita mit diesen stockähnlichen Dingen essen kann", raunt ein Sprecher aus dem Off. Die Frau stochert in der Pizza rum. "Nein, nein, nicht so. Ja, trenn ein Stück ab und steck es dir direkt in den Mund. Und lass den Käse nicht fallen! Bravissimo!" Prompt wurde den Designern Domenico Dolce, 60, und Stefano Gabbana, 56, Rassismus vorgeworfen.

Dolce & Gabbana: Öffentliche Entschuldigung

Stefano, der als impulsiv gilt und sich bereits in der Vergangenheit mehrfach in seiner Wortwahl vergriff, tat die Vorwürfe als "dumm" ab. Die ganze Welt wisse schließlich, dass man in China mit Stäbchen esse, während Europäer Messer und Gabel benutzen. Sichtlich verärgert setzte er noch eins drauf: "Ich werde künftig in jedem Interview sagen, dass China das Land von (hier setzte er Hundehaufen-Emojis, Anm. d. Red.) ist und wir sehr gut ohne euch leben.“ Krass! Dann die Kehrtwende: Domenico Dolce behauptet, der D&G-Account sei gehackt worden und sagt: "Ich liebe China und die chinesische Kultur!" Doch der Shitstorm hat bereits Orkanstärke erreicht, Agenturen ziehen ihre Models noch während des Fittings, also kurz vor der Show, ab. Chinesische Prominente sagen ihre Teilnahme ab. Schauspielerin Li Bingbing, 45, schreibt ihren 42 Millionen Followern beim Kurznachrichtendienst Weibo. "Ich liebe mein Mutterland."

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Die Show in Shanghai wurde abgesagt

Am Ende sagt Dolce & Gabbana die Show ab. Der Hashtag #DGTheGreatShowCancelled wird 540 Millonen mal bei Weibo gelesen. Bei Instagram häufen sich die Kommentare wie "Schäm dich DG" oder "Ich werde die Marke boykottieren". Das chinesische Victoria’s-Secret-Model Ellen Chen schreibt: "Schön zu sehen, wie viele Talente, die die Show hätten laufen sollen, für ihr Land aufgestanden sind." Und an die Designer gerichtet: "Ihr liebt nicht China, ihr liebt das Geld!" China gilt als der größte und wichtigste Importeur von Luxusmode weltweit. Alle großen Designer investieren Millionen in spektakuläre Läden und atemberaubende Events. Fast jede große Marke zeigt seine Kollektionen regelmäßig im Reich der Mitte. Einige passen den Stil extra dem asiatischen Markt an. In den großen Shopping-Malls ist die Ladendichte von Luxusmarken wie Louis Vuitton so hoch wie bei uns von Zara oder H&M. Und genau hier, vor den Geschäften von Dolce & Gabbana, müssen Polizisten jetzt für die Sicherheit des Personals sorgen. Chinesen zeigen Videos, wie sie D&G-Klamotten verbrennen oder zum Kloputzen benutzen.

Die italienische Kollektionen werden aus dem Handel genommen

Aufgeschreckt durch die ganze Aufregung nehmen Luxus-Kaufhäuser wie Lane Crawford in China und Hongkong die D&G-Ware aus dem Handel. "Wir haben viele Kunden, die die Kollektionen zurückbringen", sagt Andrea Keith, Präsident der Lane Crawford Joyce Gruppe. "Wir werden die künftige Partnerschaft mit der Marke überdenken." Auch die chinesischen Ableger von net-a-porter.com, mrporter.com oder yoox.com, verkaufen ebenfalls keine Kollektionen der Italiener mehr. Der absolute Gau! Die beiden Designer entschuldigten sich mittlerweile über Instagram – mit vernichtender Resonanz. "Zu spät" oder "Ich dachte, ihr seid gehackt worden. Für was entschuldigt ihr euch?", so die Kommentare. Die Lust auf Mode bleibt in China derweil groß. Einen Tag nach der abgesetzten Show zeigte Miuccia Prada in Shanghai planmäßig ihre Miu-Miu-Pre-Fall-Linie. Sie wurde ein großer Erfolg.

Gala

Mehr zum Thema


Gala entdecken