Cordula Reyer "Jeder ist schön"

Cordula Reyer
Cordula Reyer
© Günter Parth
Ein Top-Model packt aus: Cordula Reyer über Selbstzweifel, Ungerechtigkeit im Mode-Business und wahre Attraktivität

Die Österreicherin Cordula Reyer

gehörte in den Achtzigerjahren zur Riege der Top-Models. Ihr markantes Gesicht machte sie zum Symbol eines neuen Schönheitsideals. Heute arbeitet die 46-Jährige als Modejournalistin und Autorin. Gerade ist ihr Buch "Glücklichsein für Fortgeschrittene" erschienen. Gala traf sie in Wien.

Das Buch von Cordula Reyer ist im Brandstätter Verlag erschienen; 192 S., 22,50 Euro
Das Buch von Cordula Reyer ist im Brandstätter Verlag erschienen; 192 S., 22,50 Euro
© PR

Frau Reyer, erst wurden Sie wegen Ihrer Augenringe verspottet, doch Starfotografen wie Steven Meisel und Peter Lindbergh erklärten diesen Makel als "schön". Sagt das nicht alles aus über die Willkür in der Modebranche?

Absolut. Einer bestimmt, was angesagt ist. Und dann gilt das. Ich habe in meiner Zeit als Model oft gedacht: Irgendwann werden sie schon merken, dass ich gar nicht schön bin. Irgendwann kommen sie drauf! Es basiert sehr viel auf Zufall und Subjektivität.

War die Branche damals besser als heute?

Sie war langsamer. Früher musste ein Fotograf zwei Bilder pro Woche produzieren. Heute werden sieben Bilder an einem Tag verlangt. Das ist schon etwas ganz anderes.

Sie wurden zur Muse von Helmut Lang, der bis zu seinem Rückzug aus der Branche die Mode mit seinem minimalistischen Stil mitgeprägt hat...

Helmut fehlt heute. Ich habe von ihm gelernt, dass es darum geht, kompromisslos den eigenen Visionen zu folgen. Nur dann ist man stark und mit sich im Reinen. Nichts darf man unreflektiert machen. Man muss sich eine Meinung bilden. Helmut hat Herzensbildung. Ja, ich glaube, das ist es, was ihn ausmacht.

Mit diesen Werten beschäftigen Sie sich auch in Ihrem Buch.

Ich habe festgestellt, dass sich Frauen wahnsinnig unter Druck gesetzt fühlen durch das Schönheitsbild. Sie stehen nicht zu ihrem Alter und unterziehen sich Schönheitsoperationen. Ich möchte zeigen, dass jeder schön ist. Man muss mit sich selbst zufrieden sein.

Älter werden spielt keine Rolle?

Es wäre gelogen, dies zu bestätigen. Natürlich ist jung schöner. Niemand wird gerne alt. Das ist so. Aber man kann es nicht ändern. Älter zu werden hat eine andere Art von Attraktivität. Junge, schönere Menschen werden zwar im Job bevorzugt und bekommen mehr Zuwendung, das ist schon alles richtig. Aber deshalb unglücklich zu sein ist der falsche Weg.

Als ehemaliges Top-Model kann man das leicht sagen...

Ich bin heute viel zufriedener als mit 20 oder 30. Man muss realistisch bleiben und sich selbst manchmal aus der Vogelperspektive beobachten. Mein Ego habe ich genug befriedigt. Probleme und Selbstzweifel hatte ich eher, als ich jünger war. Heute hat es sich bei mir ausgehadert.

gala.de

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