Claudia Schiffer: "Ich lebe heute viel intensiver"

Vor elf Jahren beendete Claudia Schiffer ihre Laufstegkarriere, doch noch immer gehört sie zur Superstar-Liga der Modewelt

Claudia Schiffer wird immer irgendwie jung wirken. Das liegt vor allem an ihrem Lächeln: eine faszinierende Mischung aus frech, lustig und unbekümmert. Selbst mit 43 wirkt sie noch mädchenhaft. Dazu hat sie diese unprätentiöse Art. "Claudia. Hallo", sagt sie zur Begrüßung beim Interviewtermin mit "Gala Look" in München. Unterschätzen sollte man sie aber keinesfalls: Claudia Schiffer hat ihre Karriere Von Anfang an mit großer Disziplin und kaufmännischem Kalkül betrieben. Heute ist sie eine Mode- und Werbe-Ikone, gerade hat sie in Kooperation mit dem Unternehmen Rodenstock eine eigene Brillenkollektion auf den Markt gebracht.

Claudia Schiffer hat für Rodenstock eine Eyewear-Kollektion entworfen: acht Sonnenbrillen und neun Korrekturmodelle. Alles im lässigen Vintage-Look.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?

Auf jeden Fall. Das größte Glück für mich ist, dass ich eine tolle Familie habe, meinen Mann, meine Kinder. Dass wir alle gesund sind. Deswegen … (Sie klopft dreimal auf den Holztisch.) Das ist so eine Angewohnheit von mir. Also zur Sicherheit … (Sie klopft erneut, lacht.) Ein allzu abergläubischer Mensch bin ich allerdings nicht. Freitag der 13. ist für mich ein Tag wie jeder andere auch.

Würden Sie sagen, dass Sie bisher viel Glück im Leben hatten?

Absolut! Es passiert ja nicht jeden Tag, dass man in einer Disco von einem Model-Agenten aus Paris entdeckt wird, wie das bei mir mit 17 der Fall war. Zudem hatte ich das Glück, dass ich eben aussehe, wie ich aussehe, und damit Model werden konnte. Obwohl ich damals sehr schüchtern war und erst mal damit zurechtkommen musste, dass ich im Mittelpunkt stehe. Und schließlich hat es sich ergeben, dass ich zur richtigen Zeit mit den richtigen Leuten arbeiten durfte. Alles in allem eine ordentliche Portion Glück, würde ich sagen.

Sie haben zwei Brüder und eine Schwester. Wie gehen Ihre Geschwister mit dem Weltstar Claudia Schiffer um?

Wir sind in der Familie nach wie vor sehr eng miteinander. Wir sehen uns regelmäßig, meine Mutter ist oft bei uns in London. Am Anfang meiner Karriere war es komisch, weil ich eben schon mit 17 Jahren von heute auf morgen nach Paris gezogen bin.

1995 Ganz oben angekommen: Chanel-Haute-Couture-Show in Paris

Sie leben jetzt schon seit vielen Jahren mit Ihrer Familie in London. Ihre jüngste Tochter Cosima wird im Mai vier – hat sie denn ein deutsches Lieblingswort?

Lieblingswörter hat sie nicht. Sie wächst zweisprachig auf, spricht Deutsch und Englisch.

2002 haben Sie Ihre Laufstegkarriere beendet. Ist es für Models schwerer, älter zu werden, als für andere Menschen?

Würde ich nicht sagen. Ich zumindest habe kein Problem damit. Ganz im Gegenteil: Ich lebe heute viel intensiver als in meinen Zwanzigern.

Sie waren eine Supermodel-Ikone. Was fühlen Sie, wenn Sie sich die Bilder von einst anschauen?

(lacht) Das ist so, als würde man alte Familienfotos im Album betrachten, Fotos von Mallorca vor 20 Jahren. Da denkt jeder: Oh, mit 19 sah ich noch ganz anders aus! Und was habe ich damals nur getragen! Was mich betrifft: Dass ich älter werde, hat mir noch nie Probleme bereitet, und das wird es auch in Zukunft nicht. Ich bin ein sehr realistischer Mensch. Älter zu werden gehört zum Leben eben einfach dazu.

Gibt es auch bei Ihnen schon diese kleinen nervigen Alterserscheinungen?

Ich bin seit ein paar Jahren kurzsichtig und trage im Kino oder beim Fernsehen eine Brille.

Dazu passt, dass Sie gerade für Rodenstock eine Brillenkollektion entworfen haben. Mit der Marke Claudia Schiffer gehen Sie seit ein paar Jahren ausgesuchte Beauty- und Modekooperationen ein – welche Kriterien sind für eine Zusammenarbeit wichtig?

Ich hatte schon immer den Wunsch, etwas Eigenes zu kreieren, das für Qualität steht. Nach 25 Jahren in der Mode- und Beautybranche bekommt man ein Gespür dafür, was gut ist und gut aussieht. Mir ist bei einer Kooperation wichtig, dass ich mit jemandem zusammenarbeite, der zu mir passt, dem ich hundert Prozent vertraue und der für hochwertige Produkte steht.

Wie sieht Ihr tägliches Styling aus? Können Sie sich morgens schnell dafür entscheiden, was Sie anziehen wollen?

Super schnell. Geht mit drei Kindern gar nicht anders.

Obwohl Sie einen ganzen Helikopterhangar voll mit Kleidung haben sollen, wie mal zu lesen war ...

Das stimmt. Das sind aber nicht die Kleider für jeden Tag. Ich bewahre einiges an Kleidung aus meiner Kindheit bis zur heutigen Zeit auf. Außerdem Klamotten, die ich in 25 Jahren Fashionbusiness gesammelt habe und die jetzt Vintage sind. Für die täglichen Outfits habe ich so meine Basics: Skinny Jeans, T-Shirt oder einen Kaschmirpulli. Die kombiniere ich dann mit einem langen Schal, einer Sonnenbrille, Handtasche oder anderen Accessoires.

Sonnenbrillen sind für viele Stars eine Art Schutzschild, sobald sie vor die Tür treten. Wie ist das bei Ihnen?

Ich gehe nie ohne Sonnenbrille aus dem Haus, aber nicht nur deshalb. Sie gehört für mich dazu wie eine Handtasche oder Schmuck. Und ein weiterer, nicht unwichtiger Grund: Eine Sonnenbrille ist sehr praktisch, wenn man morgens noch etwas verschlafen und ungeschminkt die Kinder zur Schule bringt. (lacht) Da muss man sich dann keine Gedanken machen, ob man noch ungünstig müde aussieht.

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