Catwalk-Trend: Das Comeback der Jeans

In den 80ern waren Jeans auf dem Laufsteg ein Skandal. Gerade erleben sie dort wieder ein Comeback: Street-Style hat endgültig die Couture erobert

Die Neue scheint einen Knall zu haben. Zeigt sie wirklich auf ihrem ersten Cover ein Model in gechlorter Jeans? Die Modewelt stand 1988 Kopf, als das Premierenheft jener Frau herauskam, die seitdem Chefredakteurin der US-"Vogue" ist: Anna Wintour. Jeans und Luxus waren damals Gegensätze, die sich eben nicht anzogen. Auf dem Laufsteg hatten sie nichts zu suchen. Eine Vermischung von "Anziehsachen" und "Couture" war so erwünscht wie Socken in Sandalen.

Streetstyle erobert die Couture. Gisele Bündchen macht´s vor.

All das muss man wissen, um die Visionen zu verstehen, die neben Anna Wintour auch der US-Designer Calvin Klein hatte. Sein Trick: Durch skandalbehaftete Werbung, etwa mit einer sich lasziv rekelnden Brooke Shields, gelang es ihm, normalem Denim die Catwalk-Weihen zu verleihen. Die Designer-Jeans war geboren. Stolz zeigte man damals den Markennamen am Bund. In Deutschland war die Joop!-Jeans das Statussymbol einer ganzen Generation.

Irgendwann aber ebbte der Hype ab, neue It-Marken eroberten den Markt, klassische Labels feierten ein Comeback. Parallel eroberten Firmen wie Diesel oder Acne Studios, die sich zunächst einen Namen als Jeans-Brand gemacht hatten, mit Denim-freien Kollektionen die Modewochen. Trotzdem war die klassische Designer-Jeans nie wirklich out. Es gab Momente, da musste man einfach eine zerfetzte Jeans von Balmain für bis zu 1000 Euro haben, oder man nahm den Boutiquenbesitzer in sein Abendgebet auf, damit er einem doch noch eine hüftig geschnittene Denim von Chloé besorgt. Alles Indizien, dass das Herz der Trendsetter noch immer und immer wieder für Produkte dieser Art schlägt.

In diesem Herbst zeigt die Pulsfrequenz erneut rasant nach oben – alle großen Modehäuser haben Jeans im Programm. Auch Karl Lagerfeld zeigte bei Chanel seine Denim-Version und erklärte in einem Interview, dass man auch in Jeans und T-Shirt schick aussehen könne. Tom Ford, der Texaner mit Red-Carpet-Glow, erinnerte sich an seine Heimat und schickte Models im Komplett-Jeans-Look auf den Laufsteg. Auch bei Chloé waren ähnliche Outfits die Highlights.

Der Grund für die Denimisierung

ist der Einfluss des Streetstyles. Aktuell haben jene Labels den größten Erfolg, die eine Luxus-Variante von Looks anbieten, die vor wenigen Saisons noch als "Streetwear" durchgegangen wären. Wegbereiter für diesen Trend ist Saint Laurent Paris. Seit Hedi Slimane Models in Skinny Jeans, Streifen-Shirts und Lederjacken über den Catwalk schickt, verdreifachte sich der Umsatz des Labels. Klar, lässig sieht man auch in der günstigen Variante aus. Mode hat aber immer auch mit Abgrenzung von anderen zu tun. Als Designer-Version erfährt das demokratischste aller Kleidungsstücke ein Status-Upgrade. Vor allem auch aus preislicher Sicht. Ein Jeanshemd von Tom Ford ist in diesem Herbst für 890 Euro zu haben …

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