Burberry: Christopher Bailey im Interview

Designer Christopher Bailey ist zum Chef von Burberry aufgestiegen und damit mächtigster Kreativer der Modebranche. Sein Erfolgsrezept: Visionen haben, bodenständig bleiben

Christopher Bailey

Ein junger Mann mit verwuschelten Haaren sitzt in Jeans und T-Shirt an einem Schreibtisch und isst Schokolinsen. Irgendwann sagt er nebenbei: "Unser typisches Karomuster werde ich erst dann wieder zeigen, wenn ich mir sicher bin, dass meine Visionen von einer modernen Marke Realität geworden sind." Elf Jahre ist das her. Es war eines der ersten Interviews, die Christopher Bailey als Kreativdirektor von Burberry gegeben hat. Die Aufgabe des ehemaligen Assistenten von Tom Ford war es, beim eingestaubten Burberry-Konzern mal ordentlich durchzulüften.

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London im Februar dieses Jahres. Christopher Bailey, 42, zeigt seine Männerkollektion. In der ersten Reihe sitzen die heißesten Jung-Promis. Die Show wird im Internet übertragen, noch während des Livestreams können Kunden online die Laufsteg-Looks bestellen. Beim Finale haben alle Models Tücher übergeworfen. Mit Burberry-Karo!

Seine Mission als Designer hat Bailey, glaubt man seinen Worten von einst, offenbar erfüllt. Burberry steht für sexy Brit Chic. Nun kommt eine neue, viel größere Aufgabe auf ihn zu. Der in Yorkshire aufgewachsene Bailey wird CEO des Milliarden-Unternehmens Burberry. Er folgt auf Angela Ahrendts, die zu Apple geht. Somit ist Bailey nicht nur für alle Linien des Hauses verantwortlich. Er ist auch Chef von mehr als 8000 Angestellten und verantwortet eine der wichtigsten Aktiengesellschaften Englands. Bailey ist der mächtigste Kreative in der Modebranche.

Dass er zu den talentiertesten Köpfen zählt, wurde einem in den vergangenen Jahren immer wieder klar, wenn man ihn zum Interview traf. "Wäre es nicht großartig, Musik nicht auf CDs kaufen zu müssen, sondern einfach irgendwo herunterzuladen?", fragte er sich schon, als iTunes noch nicht erfunden war. "Sollte es nicht eine Plattform geben, auf der wir mit Kunden kommunizieren?", fantasierte er lange vor dem kollektiven Social Networking. Heute hat Burberry mehr als 16 Millionen Facebook-Fans.

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Bailey gehört einer neuen Generation von Designern an. Er will sich nicht selbst verwirklichen. "Es geht hier nie um mich. Es geht immer um Burberry!" Und er entwirft tragbare, moderne Kollektionen. "In allem, was ich tue, denke ich daran, welche Kunden wir haben – und welche wir gerne hätten!" Heißt: Er will die Queen nicht vergraulen und gleichzeitig Prinz Harry einkleiden. Dabei verliert Bailey eines nie aus dem Blick: dass in der Mode immer Emotionen im Spiel sind. "Ein Trench ist nicht einfach nur ein Mantel. Er hat eine Geschichte", erklärt er. "Unsere Kunden machen ihn zu einem Teil ihres Lebens."

Diese Mischung aus Kreativität und Bodenständigkeit macht seinen Erfolg aus. Trifft man ihn backstage nach einer Show, nimmt er sich Zeit für einen Plausch. "Wir wollen nicht exklusiv sein", sagt er. "Wir wollen, dass die Menschen in unsere Läden kommen und sich wohlfühlen."

Bailey, Sohn einer Schaufensterdekorateurin und eines Schreiners, verbringt die Wochenenden am liebsten mit seinem Ehemann, dem Schauspieler Simon Woods, auf dem Land. Nach dem Tod seines damaligen Lebenspartners Geert Cloet sagte Bailey vor Jahren mit Tränen in den Augen: "Ich weiß nun wie schön, aber auch wie unwichtig all das ist, was wir hier tun!"

Doch allein mit Nettigkeit wird man nicht CEO. Seine Förderin Angela Ahrendts hat ihm beigebracht, wie man sich durchsetzt und auch in harten Zeiten führt. Bailey hat längst auch wirtschaftlich eine Vision. "Natürlich gibt es einen Dreijahresplan. Aber man muss genauso ehrlich sein und sagen: Leute, die Zeiten haben sich geändert. Lasst uns die Prioritäten ändern und auf diesem oder jenen Feld stärker agieren als wir das geplant haben. Businesspläne sind nicht in Stein gemeißelt. Sie sind Leitfäden."

Dass er auch in seiner neuen Position erfolgreich sein wird, daran braucht man kaum zweifeln. Bailey geht naturgemäß entspannt an die Aufgabe heran. "Es ist doch so: Man muss sich immer wieder selbst anspornen und aus der Komfortzone herausholen. Dann klappt das schon!" Mit Sicherheit.

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