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Hochstaplerin Anna Delvey Warum ihr Auftritt in Designer-Mode nun das Gerichtsurteil mindern soll


Anna Delvey hat die New Yorker High Society um ein Vermögen gebracht. Jetzt steht sie als Angeklagte vor Gericht und ihre Taktik ist sowohl raffiniert als auch modisch

Der Skandal um Anna Delvey könnte auch zu dem Drehbuch von "Gossip Girl" gehören. Die deutsch-russische Frau schleuste sich mit einer sagenhaften Masche in die A-Liga der amerikanischen Gesellschaft ein. Mit falscher Großzügigkeit erschlich sich die 28-Jährige das Vertrauen der Reichen und Schönen, machte hier und da mal kleine Geschenke in Form von Designer-Mode und lieh sich anschließend einen viel größeren Geldbetrag von ihren Opfern. Jemand, der mit so viel Bargeld in der Chanel-Clutch herumläuft, wird die Summe von 10.000 US-Dollar ja sicher schnell zurückzahlen, oder? Nein, Anna Delvey, die in Wahrheit Anna Sorokin heißt, war pleite. Eine halbe Millionen US-Dollar konnte sie Privatpersonen, Hotels und Banken auf diese Weise dennoch aus der Tasche ziehen. Ihr Lügengerüst aus ungedeckten Schecks und erfundenen Geschichten hielt lange, bis sie im Juni vergangenen Jahres verhaftet wurde. Nun will sie vor Gericht ihre Unschuld beweisen und kämpft dabei mit modischen Mitteln. 

Den kompletten Skandal um Anna Delvey können Sie hier nachlesen: 

Anna Delvey Verteidigungsstrategie ist genau durchdacht

Anna Delvey wird dem Richter nicht im gestreiften Häftlingslook vorgeführt. Stattdessen trägt die rothaarige Frau eine Hose von Designerin Victoria Beckham in Kombination mit einer leichten Bluse von Saint Laurent. Auf der Nasenspitze sitzt eine Brille von Céline. Hat sie den Gerichtstermin zwischen Business-Lunch und einer Vernissage gelegt? Nein, die Angeklagte befindet sich schon seit einigen Monaten hinter Gittern und somit fernab von Designer-Boutiquen. Der Luxus-Auftritt gehört zu ihrer Verteidigungsstrategie, wofür ihre Anwälte extra eine Stylistin engagiert haben. 

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Stylistin Anastasia Walker reicht ihr die Luxus-Mode an

Weil sie sich selber nicht mehr auf der Mercer Street herumtreiben kann, hat Anna nun Personal Shopper und Styling-Expertin Anastasia Walker an ihrer Seite. Diese rundet sonst die Red Carpet Looks von Stars wie G-Easy und Courtney Love Cobain ab. Jetzt plant Anastasia die Gericht-Outfits der mittlerweile berühmten Angeklagten. Im Internet sorgt das für Gesprächsstoff. Anna hält die Rolle der reichen Frau von der Upper East Side weiterhin aufrecht, anstatt die Maske fallen zu lassen und zu zeigen, wer Anna Sorokin wirklich ist. Auf Instagram gibt es längst einen Account, der die Outfits der Beschuldigten dokumentiert. "Ein genialer Plan", heißt es auch auf Twitter.

Lindsay Lohan, Naomi Campbell, Rihanna und Co. machten es vor

Die Strategie ihrer Verteidiger kommt nicht von ungefähr. Sie hat schon zahlreichen Prominenten vor Gericht geholfen, denn einer Person mit einem so ordentlichen und modischen Auftreten, kann man doch kein Verbrechen nachsagen. Das ist zumindest der Gedanke, den die Anwälte von Anna in die Köpfe der Verteidiger pflanzen wollen. 
Bei Naomi Campbell ist dieser Plan schon aufgegangen. 2006 saß das weltweit berühmte Topmodel vor Gericht. Campbell ist für ihre aufbrausende Art bekannt und so war sie angeklagt, ein Telefon nach ihrer Haushälterin geworfen zu haben. Für den Gerichtstermin lieh sie sich die akkurate Bob-Frisur von Vogue-Chefin Anna Wintour und wählte einen dunklen, hochgeschlossenen Look mit Sonnenbrille. Ihr Sprecher sagte damals: "Wir glauben dass es sich hier um einen Vergeltungsakt handelt, weil Naomi ihre Haushälterin zuvor gefeuert hat. Wir sind zuversichtlich, dass die Gerichte dies genauso sehen." Und in der Tat musste der Weltstar am Ende lediglich fünf Tage gemeinnützige Arbeit leisten und 350 US-Dollar für die ärztliche Behandlung des Opfers zahlen. Für ein millionenschweres Topmodel ist diese Summe Kleingeld. 

Naomi Campbell mit geneigtem Kopf und Designer-Brille. 
Naomi Campbell mit geneigtem Kopf und Designer-Brille. 
© Getty Images

Kleider machen Leute – unschuldig

Lindsay Lohan zeigte sich 2012 bei ihrer Anhörung im Hosenanzug.
Lindsay Lohan zeigte sich 2012 bei ihrer Anhörung im Hosenanzug.
© Getty Images

Schauspielerin Lindsay Lohan wählte bei einer Gerichtsverhandlung im Jahr 2007 einen moderen Hosenanzug. Der hochgeschlossene Look wirkte extrem seriös und stand in keinerlei Verbindung zu einer Straftat. Dabei wurden ihr mehrere Drogendelikte, Wutausbrüche und kleinere Diebstähle vorgeworfen. Am Ende kam der einstige Kinder-Star mit 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon. Die Investition in das schicke Outfit hat sich also gelohnt. 

Rihanna erscheint mit Perlenkette und dezentem Make-up vor Gericht. 
Rihanna erscheint mit Perlenkette und dezentem Make-up vor Gericht. 
© Getty Images


 Ähnlich verhielt sich Sängerin Rihanna. Während sie auf dem roten Teppich meist in farbenfrohen Kleidchen viel Haut zeigt, wirkte sie 2009 im Gerichtssaal schon fast prüde. Das hatte einen guten Grund: Im Prozess warf sie ihrem Ex-Freund Chris Brown vor, sie während einer Autofahrt verprügelt zu haben. Die Bilder ihres blauen Gesichts gingen damals um die Welt. Der Sänger Chris Brown wurde dafür unter anderem zu 1400 Sozialstunden verurteilt worden. Die Richterin hatte aber auf eine Haftstrafe verzichtet, weil der Rapper gestanden und sich öffentlich entschuldigt hatte – auch er zeigte sich gestriegelt im Anzug im Gerichtssaal. 
Ob der modische Plan auch für Betrügerin Anna Delvey aufgeht, wird sich noch zeigen. 

reb Gala


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