Trend-Kolumne: Fashion-Friday: Das Comeback der Neunziger-Mode

Logo-Sweater, Mom-Jeans & Co. – was jahrelang als krasses No-go galt, ist jetzt in der High-Fashion angekommen. Wir erklären, warum man sich von alten Vorurteilen gegenüber der 90er-Mode verabschieden sollte


V-E-T-E-M-E-N-T-S prangt in Tribal-Lettern fett auf dem Kapuzenpullis eines guten Freundes. "Megacool, oder?" fragt er und grinst verklärt.

Wir sind ungefähr ein Alter. Auch er wurde in den Neunzigern groß, besuchte ein Kleinstadt-Gymnasium und weiß noch, was FILA uns damals mit genau solchen Label-Sweatern angetan hat. Wie blöd die eigentlich aussahen zu Baggy-Hosen und schiffstankergroßen Vans. Auch er weiß noch wie hoch der Druck schlagartig wurde, mithalten zu müssen, wenn man beim Flaschendrehen nicht gerade die Flasche sein wollte. Tribals gab es damals auch schon, auf Sweatshirts natürlich, im schlimmsten Fall aber sogar als "Arschgeweih". Damals hätte kein Mensch mit auch nur einem Funken modischen Sachverstand so etwas als "megacool" bezeichnet.

Premiere für Herzogin Catherine

Zum ersten Mal mit blauer Schärpe beim Staatsbankett

Herzogin Catherine +  Steven Mnuchin
Für Anlässe, wie z.B. ein Staatsbankett, gelten besondere Regeln - vor allem was die Farbe des Kleides, den Kopfschmuck und auch die Schärpe betrifft.
©Gala

Rihanna

Labels bedienen sich der 90er-Mode

Zwanzig Jahre danach ist alles anders und die Nineties gelten nicht länger als schlimmste Fashion-Periode aller Zeiten. Labels wie Vetement, Kenzo, oder Dior haben nicht nur das Comeback des Logo-Sweaters eingeläutet, sondern dem ganzen gleich auch noch einen Hauch große weite Fashion-Welt verpasst. Kapuzen-Couture direkt vom Laufsteg.

Hochgeschnittene Karottenjeans sind zurück, heißen allerdings jetzt Mom-Jeans und man darf sie sogar wieder zu gelabelten Sportsocken tragen. Dr. Martens praktiziert wieder. Geskatet wird sowieso – natürlich auch im blumenbedruckten Skaterdress. So eins trug Gwen Stefani damals schon als sie im dazugehörigen Video "Don’t speak", ins Mikro motzte.

Streetstyle-Looks

Style-Zoom

Olivia Culpo geht komplett mit dem Trend: Sie schlüpft in einen Bodycon-Jumpsuit und betont ihre Taille mit einem feinen Gürtel. Für den letzten Schliff sorgt sie mit der angesagten Bauchtasche von Chanel.
Mila Kunis rät mit ihrem Shirt allen: "Follow your path". Also "Folgt eurem Weg". Zu dem Statement-Oberteil wählt sie eine Mom-Jeans mit zerrissenen Knien.
Lena Perminova beweist extrem viel Trendgespür: Über ihr romantisches Mini-Dress zieht sie einen weiten Blazer, der ihren Look etwas mehr nach Girlboss aussehen lässt. Die Cowboy-Boots und die Sattel-Tasche von Dior (wie passend!) geben dem Ganzen das gewisse Etwas.
Warum zieht Emily Ratajkowski bloß so eine Schnute? An ihrem Look kann es ja wohl kaum liegen! Ihr hübsches Kleid mit leichtem Wasserfallausschnitt und Spaghettiträgern kombiniert sie zu klassischen Sneakern von Adidas und einer orangeroten Boxy-Bag, die eigentlich gute Sommerlaune versprüht.

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It-Pieces der 90er

Also eigentlich alles wie in den Neunzigerjahren. Mit einem Unterschied: Der Druck ist weg. Und plötzlich macht es auch Spaß mit solchen It-Pieces herumzuexperimentieren, wild drauflos zu stylen und unterschiedlichste Stilrichtungen miteinander zu kombinieren. Schließlich sind wir alle nicht mehr der Gnadenlosigkeit unserer Mitschüler ausgesetzt. Gnadenlos sind jetzt nur noch die Kollektionen wie die des Design-Kollektivs Vetements. Gnadenlos normal! Banalität wird hier zum Fashion-Statement und zwar zu einem, das Spaß macht, weil es auf einmal um Mode vom Runway geht, die man wirklich im echten Leben tragen kann ohne schräg angeschaut zu werden – beim Shoppen in der City, beim Ausgehen, zur Lieblingsjeans, zum Couture-Teil, oder einfach nur, weil man gerade Lust darauf hat.

Bei aller Versöhnung mit der Gymnasialmode und heutiger Styling-Euphorie hoffe ich aber, dass uns zumindest ein Comeback erspart bleibt: das des tätowierten Steißbein. Auch wenn das heute fast auch schon als Couture durchgehen würde …


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