Trend-Kolumne: Fashion-Friday: Das Comeback der Neunziger-Mode

Logo-Sweater, Mom-Jeans & Co. – was jahrelang als krasses No-go galt, ist jetzt in der High-Fashion angekommen. Wir erklären, warum man sich von alten Vorurteilen gegenüber der 90er-Mode verabschieden sollte


V-E-T-E-M-E-N-T-S prangt in Tribal-Lettern fett auf dem Kapuzenpullis eines guten Freundes. "Megacool, oder?" fragt er und grinst verklärt.

Wir sind ungefähr ein Alter. Auch er wurde in den Neunzigern groß, besuchte ein Kleinstadt-Gymnasium und weiß noch, was FILA uns damals mit genau solchen Label-Sweatern angetan hat. Wie blöd die eigentlich aussahen zu Baggy-Hosen und schiffstankergroßen Vans. Auch er weiß noch wie hoch der Druck schlagartig wurde, mithalten zu müssen, wenn man beim Flaschendrehen nicht gerade die Flasche sein wollte. Tribals gab es damals auch schon, auf Sweatshirts natürlich, im schlimmsten Fall aber sogar als "Arschgeweih". Damals hätte kein Mensch mit auch nur einem Funken modischen Sachverstand so etwas als "megacool" bezeichnet.

Keira Knightley

Die frisch gebackene Mutter erobert sich den Red-Carpet zurück

Keira Knightley
Keira Knightley ist bekannt dafür, ihr Privatleben eher geheim zu halten. Tatsächlich ist sie vor kurzer Zeit still und heimlich ein zweites Mal Mutter geworden. Wie ihr erster großer Auftritt nach der Geburt aussieht, sehen Sie im Video.
©Gala

Rihanna

Labels bedienen sich der 90er-Mode

Zwanzig Jahre danach ist alles anders und die Nineties gelten nicht länger als schlimmste Fashion-Periode aller Zeiten. Labels wie Vetement, Kenzo, oder Dior haben nicht nur das Comeback des Logo-Sweaters eingeläutet, sondern dem ganzen gleich auch noch einen Hauch große weite Fashion-Welt verpasst. Kapuzen-Couture direkt vom Laufsteg.

Hochgeschnittene Karottenjeans sind zurück, heißen allerdings jetzt Mom-Jeans und man darf sie sogar wieder zu gelabelten Sportsocken tragen. Dr. Martens praktiziert wieder. Geskatet wird sowieso – natürlich auch im blumenbedruckten Skaterdress. So eins trug Gwen Stefani damals schon als sie im dazugehörigen Video "Don’t speak", ins Mikro motzte.

Streetstyle-Looks

Style-Zoom

Weg mit dem Grau, Margot Robbie setzt ein farbenfrohes Statement im Herbst. Der zitrusgelbe Einteiler im klassischen Schnitt ist nicht nur elegant,  sondern strahlt durch seine laute Farbgebung Selbstbewusstsein aus. Der perfekte Look für einen Tag, an dem man seine eigene Frau stehen muss. 
Ein absoluter Hingucker ist Gigi Hadid in ihrem leicht taillierten Karo-Blazer. Anstelle des klassischen Brit-Looks entscheidet sich das Model für den androgynen Stil. Die umgedrehte Cap und die leicht getönte Brille nehmen dem Outfit die Ernsthaftigkeit und versehen es mit einem gewollt humoristischen Augenzwinkern. 
Schnell zwischen den Schauen etwas übergeworfen, Kaia Gerber greift zum XXL-Blazer und liegt damit voll im Herbst-Winter-Trend. Der Used-Look und große Blockstreifen unterstreichen die Coolness des überdimensionalen Schnitts der Jacke. 
Cherry Lady – Katie Holmes zeigt mit dem kirschenverzierten Blazer ihre kindlich verspielte Seite. In Kombination mit dem robusten Denim wird daraus nicht nur ein runder Look, das Material schützt ebenfalls vor ersten Windböen im Herbst.

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It-Pieces der 90er

Also eigentlich alles wie in den Neunzigerjahren. Mit einem Unterschied: Der Druck ist weg. Und plötzlich macht es auch Spaß mit solchen It-Pieces herumzuexperimentieren, wild drauflos zu stylen und unterschiedlichste Stilrichtungen miteinander zu kombinieren. Schließlich sind wir alle nicht mehr der Gnadenlosigkeit unserer Mitschüler ausgesetzt. Gnadenlos sind jetzt nur noch die Kollektionen wie die des Design-Kollektivs Vetements. Gnadenlos normal! Banalität wird hier zum Fashion-Statement und zwar zu einem, das Spaß macht, weil es auf einmal um Mode vom Runway geht, die man wirklich im echten Leben tragen kann ohne schräg angeschaut zu werden – beim Shoppen in der City, beim Ausgehen, zur Lieblingsjeans, zum Couture-Teil, oder einfach nur, weil man gerade Lust darauf hat.

Bei aller Versöhnung mit der Gymnasialmode und heutiger Styling-Euphorie hoffe ich aber, dass uns zumindest ein Comeback erspart bleibt: das des tätowierten Steißbein. Auch wenn das heute fast auch schon als Couture durchgehen würde …


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