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Tom Bachik Herr der Nägel

Tom Bachik und Heidi Klum bei den Golden Globes
Tom Bachik und Heidi Klum bei den Golden Globes
© http://instagram.com/tombachik
Vom Extremsportler zum Beauty-Star: Die Geschichte des kalifornischen Nail Artists Tom Bachik liest sich wie ein Hollywood-Drehbuch

Eigentlich ist sein ältester Sohn Gage an allem schuld. Zum Beispiel daran, dass Tom Bachik regelmäßig am Tag der Oscar-Verleihung riesigen Terminstress hat. Alle Stars wollen dann, dass er sich um ihre Nägel kümmert – und zwar gleichzeitig. Was Gage damit zu tun hat? Er hat das Leben seines Dads mächtig durcheinandergewirbelt. Als Tom Bachik erfährt, dass er zum ersten Mal Vater wird, ist er 23, ein ambitionierter Grafikdesign-Student und Extremsportler mit großen Plänen. "Mein Bruder und ich wollten uns auf unseren Sport konzentrieren. Wir kauften ein paar Jet-Skis, wir hatten einen Sponsor, wir waren bereit durchzustarten. Und dann hieß es plötzlich: Du wirst Vater."

Bachik ist klar: Jetzt heißt es schnell erwachsen werden und für ein regelmäßiges Einkommen sorgen. Seinen Traum von einem Design-Shop mit Skate- und Snowboards, Helmen, aber auch mit selbst gestalteten Autos und Motorrädern muss der Kalifornier begraben. Er braucht sofort Geld. Gar nicht so einfach in den frühen Neunzigerjahren: Die USA stecken in der Rezession. In dem Moment erzählt ihm sein Cousin vom "Lippenstift-Effekt", einer Theorie, die besagt, dass Menschen gerade in wirtschaftlich harten Zeiten in Make-up und ihre Frisur investieren. Der Cousin, der eine Friseurausbildung macht, rät Tom, sich auf Fingernägel zu spezialisieren – der Kurs dauere nur drei Monate.

Bachik macht Nägel mit Köpfen und meldet sich sofort an. Er ist der einzige Mann in seinem Kurs. "Für mich war das alles gar keine so große Umstellung", erzählt er. "Ich hatte schon früher der Maniküristin meiner Mutter gezeigt, wie man Nägel auch mit Airbrush gestalten kann. Statt Hockeymasken und Helmen bemalte ich nun eben Fingernägel." Als Bachik seine Lizenz in der Tasche hat, nimmt er immer öfter an Wettbewerben teil – mit Erfolg. Statt bei Jet-Ski-Rennen räumt er jetzt in Disziplinen wie 3-D-Nail-Art oder Nail-Art-Painting einen Preis nach dem anderen ab. Nach nur einem Jahr im Job ist er bereits Weltmeister, hat bis heute über 300 Titel geholt. Bachik fährt auf der Überholspur: Große Kosmetikmarken werden auf ihn aufmerksam. Schließlich wird er der erste Nail Artist überhaupt, den Chanel unter Vertrag nimmt. 2012 wechselt er zu L'Oréal Paris. Hier ist er auch maßgeblich in die Produktentwicklung involviert, kreiert Trend-Lacke und neue Techniken.

Mit seiner Frau Liz hat Tom Bachik nach Sohn Gage noch den zweiten Sohn Brenden und Tochter Zoie bekommen. Die 14-Jährige ist heute das liebste Versuchskaninchen für den Nagelzauberer – auf ihren Fingern probiert er die neuen Ideen und Looks aus, die man dann in Hollywood auf dem roten Teppich wiederfindet. Seine Agentur führt eine alphabetische Liste der Celebritys, mit denen er schon zusammengearbeitet hat. Von A wie Abbie Cornish bis Z wie Zoë Saldana sind da um die 200 Namen versammelt, vorwiegend die von A-Listern. Auf die Frage, welche berühmte Kundin er sich noch wünschen würde, kommt die Antwort prompt: "Madonna!" Für die Queen of Pop wäre auf Tom Bachiks Liste noch Platz – zwischen Lucy Liu und Maggie Gyllenhaal.

Auf seiner Webseite nennt sich Tom Bachik selbstironisch "Nail Boy to the rich and famous". Den Star-Status, den er heute selbst genießt, zeigt eine Anekdote seiner Stammkundin Zooey Deschanel. Niemand frage mehr, welche Frisur, welches Make-up oder welches Kleid sie auf einem Event tragen werde, erzählte sie kürzlich. "Sie wollen alle nur noch wissen, welchen Look Tom meinen Nägeln verpassen wird." Kann es ein größeres Kompliment geben?

Judith Kriener Gala

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