VG-Wort Pixel

So Sue Ich detoxe, also bin ich

So Sue - Ich detoxe, also bin ich
So Sue - Ich detoxe, also bin ich
© Sue Giers/GALA
Detox ist ein Kinderspiel und man verliert im Handumdrehen zahlreiche Kilo? Alles Märchen, weiß GALA-Kolumnistin Sue. Sie hat ein wirklich wahres Detox-Tagebuch verfasst

Ostern ist vorbei und der Lammbraten noch nicht wirklich verdaut, da habe ich schon das Gefühl, meinen Geschmacksnerven und meinen doch eher unterentwickelten Kochkünsten eine Pause zu verschaffen. Ich detoxe. Mit Säften. Das soll ja sehr gesund sein.

Ich bestellte mir ein Rundum-Sorglos-Paket an Smoothies bei Detox Delight in München. Alle zwei Tage bekam ich nun meine frischgepressten Säfte frei Haus geliefert. Fünf Tage ohne kauen und ohne feste Nahrung – ich war ebenso aufgeregt wie ein Erstklässler bei der Einschulung. Zum Glück ist Saft durch einen Strohhalm trinken viel einfacher als das 1x1! Nach dem dritten Saft am ersten Tag ereilten mich plötzlich so affenartige Kopfschmerzen, dass ich alles stehen und liegen lassen musste und ich bei den Leseübungen meiner Kleinen zu "Rumpelstielzchen" glatt 12 Stunden geschlafen habe.

Hätte ich doch gleich mal genauer gelesen, dass Hydro Colon kein neues Cologne ist, sondern eine homöophatische Form, seinen Körper auf eine Kur vorzubereiten. Fortan beschloss ich, mich sklavisch an den Trinkplan zu halten und auch nicht zu schummeln. Sechs Säfte und zur Nacht eine Mandelmilch, zwischendurch noch zwei Liter Wasser oder Tee. Eigentlich sah man mich nur noch an einer "Saft"-Flasche hängen! Zurückversetzt in die Säuglingsphase: Fläschchen, Spielen (bzw. Arbeiten), Fläschchen...Nur Schlafen, das ging nicht mehr richtig gut.

Grünzeug, soweit das Auge reicht.
Grünzeug, soweit das Auge reicht.
© Sue Giers/GALA

Flirt-Faktor Mandelmilch

Lag es an den vielen frischen Energiezellen oder daran, dass ich nachts nun ständig auf die Toilette musste? Egal, allein die Vorstellung, dass nun Sellerie, Spinat und etliche Fenchelknollen meinen Körper durchströmten, zauberte mir ein Dauergrinsen und den erhofften Glow ins Gesicht. Am dritten Tag habe ich Bergfest mit meiner Mandelmilch gefeiert: Ich begleitete eine Freundin ins Restaurant. Den herrlichen Duft von getrüffelten Pommes konnte ich sogar noch genießen, bei Roastbeef am Nachbartisch drehte sich mir aber schon der Magen um. Am auffälligsten aber waren Avancen an diesem Abend: Ich glaube, ich bin noch nie so oft angesprochen worden, wie mit meiner Milchflasche in der Hand. Aus fünf Tagen wurden acht – langsam kam ich auf den ultimativen (Saft-)Trip.

Nachts träumte ich, dass ich mich in Shrek (das grüne Kuschelmonster meiner Tochter) verwandle und hatte auch sonst recht kafkaeske Anwandlungen. Ich genoss die Tage und war gezwungen, einfach mal einen Gang runter zu schalten. Auch mein heißgeliebtes Joggen war kaum mehr möglich, eine imaginäre Kraft hielt mich an unsichtbaren Gummibändern gekettet zurück. Die Uhren drehten sich einfach langsamer.. Ein Mixer musste her und schon bald sah die verheerend Küche aus! Überall klebten Fruchtschalen und süße Saftlachen am Boden.

Es darf gemixt werden: Selbstgemachte Smoothies sauen zwar die Küche ein, schmecken aber hervorragend.
Es darf gemixt werden: Selbstgemachte Smoothies sauen zwar die Küche ein, schmecken aber hervorragend.
© Sue Giers/GALA

Leben am Gefrierpunkt

Aber meine neue, weiche Saftgespültheit verlieh mir "Gute-Laune-Flügel" und meine Kinder konnten mir buchstäblich auf der Nase herumtanzen. Es ging mir also rundum gut. Fast jedenfalls. Mein Stoffwechsel näherte sich leider dem Gefrierpunkt. Mir wurde täglich kälter und selbst bei frühlingshafter Sonne trug ich dicke Wollmützen und Zopfpullis. Als ich dann nachts anfing, mit siedend heißer Wärmflasche schlafen zu gehen und am nächsten Morgen mit roten Brandmalen aufwachte, beschloß ich: Es ist Zeit, aufzuhören.

Diesmal las ich auch das Kleingedruckte und stürzte mich nicht gleich auf ein 5-Gänge Menü. Aber danach stand mir eh nicht der Sinn. Und erst eine geschlagene Woche später folgte der morgendliche Kaffeegenuss! Würde ich es wieder machen? Na klar, aber das nächste Mal im Hochsommer bei 40 Grad im Schatten!

Stay tuned,

eure Sue

Eine Woche Detox und schon träumt man von "Shrek", dem grünen Kinderheld.
Eine Woche Detox und schon träumt man von "Shrek", dem grünen Kinderheld.
© Sue Giers/GALA
Detox-Drinks sehen zum Teil nicht sehr appetitlich aus, sollen aber wahre Wunder wirken.
Detox-Drinks sehen zum Teil nicht sehr appetitlich aus, sollen aber wahre Wunder wirken.
© Sue Giers/GALA
Gala

So Sue: Unsere Mode-Expertin über Styles und Stars


Mehr zum Thema


Gala entdecken