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Peter Philips Augen auf für den Meister!

Eigentlich wollte Peter Philips Modedesigner werden, doch dann entdeckte er seine Leidenschaft für Eyeliner, Nagellacke und Make-up-Tools. Heute gilt der Belgier als größter Beauty-Pionier und ist nicht nur der Liebling von Karl Lagerfeld

Akribisch genau angeordnet stehen die neu gestalteten Produkte mit dem Dior-Logo auf den weißen Flächen: Mascara, Eyeliner, Lidschattenboxen. Abstand und Ordnung scheinen für Peter Philips Schlüsselbegriffe zu sein. Passenderweise ist das Pariser Loft, in dem der Image & Creative Director seinen ersten Make-up-Relaunch für die Luxusmarke präsentiert, höchst minimalistisch dekoriert.

Minimalistisch wie seine Stimme. Man muss schon ganz genau hinhören, um Peter Philips zu verstehen. Er spricht leise. Ist das etwa ein belgischer Akzent, der da mitschwingt? Hoch konzentriert beantwortet Philips unsere Fragen zu den Produkten, zu seiner Arbeit. Nur über Privates spricht er nicht gern. Sein größtes Hobby sei sein Beruf, Urlaub mache er am liebsten allein, weil er da mit niemandem sprechen müsse, seine Muse sei Sophia Loren, der er auf Twitter folge. Punkt. Umso überraschter sind wir über sein Geständnis, dass er eigentlich ein totaler Chaot sei. "Ich muss mich täglich zum extremen Organisiert sein zwingen, dafür habe ich sogar meine komplette Garderobe auf blaue und weiße Hemden, Jeans und beigefarbene Hosen reduziert. So kann mich nichts ablenken. Die geballte Kreativität fließt in meine Arbeit." Die Rechnung scheint aufzugehen: Fotografen wie Steven Klein, Inez van Lamsweerde, Peter Lindbergh oder Karl Lagerfeld reißen sich um den zurückhaltenden Kreativen. Er wird ständig für Editorials, Modenschauen und Werbeshootings gebucht, denn seine Entwürfe sind legendär und ausdrucksstark. Er war es, der Make-up völlig neu definierte, indem er Ledermasken als Pigment- oder Farbersatz einsetzte oder Eyeliner aus Spiegelfolie und Leder zum Aufkleben entwickelte.

Relaunch mit Verstand: Philips ließ die Felder der "5 Couleurs Designer Palette" verlängern, der Pinsel nimmt mehr Pigmente auf, man kann effektiver arbeiten. Sechs Varianten, je ca. 58 Euro
Relaunch mit Verstand: Philips ließ die Felder der "5 Couleurs Designer Palette" verlängern, der Pinsel nimmt mehr Pigmente auf, man kann effektiver arbeiten. Sechs Varianten, je ca. 58 Euro
© DIOR

Modedesigner wolte er werden. Philips studiert erst Kunst in Brüssel, wechselt dann Stadt und Fach und zieht nach Antwerpen. Dort darf er Anfang der Neunzigerjahre, wie viele Modedesignstudenten damals, als Dresser bei einer Modenschau in Paris mithelfen. Backstage beobachtet er die Make-up-Artists bei ihrer Arbeit. Er ist so fasziniert von deren Verwandlungskünsten, dass er fortan an dem optischen Transformationsprozess teilhaben will. Mit 27 hält er zum ersten Mal einen Make-up-Pinsel in den Händen. Um das Handwerk des Materialauftrags zu verstehen, orientiert sich Philips an den großen Malern. Er analysiert deren Pinselstriche, Texturen und Auftragsweisen. Dieses Fachwissen wird er später als Background in der Produktentwicklung neuer Beauty-Tools erfolgreich einsetzen. Die Hingabe und die Akribie beeindrucken auch Karl Lagerfeld. Er holt Philips 2008 als Creative Director zu Chanel und lässt ihn machen. Dort landet er 2012 einen Mega-Coup: Sein grau-beigefarbener Nagellack "Particulière" ist quasi ausverkauft, bevor er in den Läden steht, und löst einen riesigen Nagellack-Hype aus. Doch trotz seiner großen Erfolge setzt der ruhige Belgier am liebsten auf Understatement: "Ich kann mein Ego auch zurücknehmen und einfach nur einen Nude-Look schminken." Bewiesen hat er es bei der aktuellen Dior-Haute-Couture-Show Anfang Juli: Das Make-up der Models ist anmutig und zart, erst beim genauen Hinsehen erkennt man die Power der Looks. Der subtile Effekt ist eben seine Stärke.

Bettina Hetzenecker Gala

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