Neue Kampagne mit PETA: Aber Botox wird doch an Mäusen getestet, Herr Glööckler?

"Wir sind alle Tiere", lautet die Parole der neuen PETA-Kampagne, die in Zusammenarbeit mit Harald Glööckler entstanden ist. GALA hat im Interview nachgefragt, wie Tierschutz, Botox und ein pompöser Lifestyle zusammenpassen. Ein Interview über fehlende Transparenz.

"Wir sind alle Tiere", lautet das Motto der neuen PETA-Kampagne, die in Zusammenarbeit mit Harald Glööckler entstanden ist. Auf dem Foto zieren den Star-Designer die Flecken einer Kuh. "Ich bin viel naturverbundener, als sich viele zunächst vorstellen", sagt er gegenüber GALA. Mit der Tierschutzorganisation möchte er darauf aufmerksam machen, dass sich der Mensch nicht über alles und jeden stellen darf. Jedes Leben sei gleich viel wert – egal, ob Nutz- oder Haustier. 

Harald Glööckler und PETA haben eine neue Kampagne ins Leben gerufen. "Wir sind alle Tiere", lautet diese und zeigt den Modemacher mit Kuhfell. Ihn erinnern die Nutztiere an den Bauernhof seiner Tante. "Damals hatten die Kühe noch Namen, waren Familienmitglieder und wurden nur geschlachtet, wenn sie schon sehr alt waren", erklärt er. Heute würde das Fleisch ohne jeglichen Bezug aus dem Tiefkühlfach gekauft werden. 
Seit über 15 Jahren arbeitet er mit der Tierschutzorganisation zusammen und möchte sich für eine nachhaltigere und tierfreundlichere Welt einsetzen. GALA hat an dieser Stelle nachfragt. 

Harald Glööckler beim Bio-Bauern

GALA: Sie pflegen bekanntlich einen sehr pompösen Lifestyle. Ist das mit Nachhaltigkeit vereinbar? 

Harald Glööckler: Ich lebe für die Außenwelt einen sehr pompösen Lifestyle, aber zu Hause lebe ich sehr bürgerlich. Mein Mann und ich kaufen unser Gemüse direkt beim Bauern, auf Fleisch verzichte ich. Ich achte schon seit vielen Jahren darauf, dass wir uns gesund und lokal ernähren. Es ist wichtig, dass wir beim Konsumieren den Bezug zum Essen nicht verlieren. 

Tierschutz

Ein neues Gesetz soll Tiere vor Misshandlungen schützen

Tierschutz: Ein neues Gesetz soll Tiere vor Misshandlungen schützen
In dem Gesetz wird unter anderem festgelegt, dass man mit nur drei Hunden auf einmal spazieren gehen darf. Auch Vernachlässigung wird in diesem Gesetz berücksichtigt.
©Gala

In der neuen Kampagne sehen wir Sie als Kuh. Warum? 

Es wird oft zwischen Nutztieren und Haustieren unterschieden. Dabei ist jedes Leben gleich viel wert. 

Er steht zu seinem Botox-Rückfall

Das ist richtig. Dabei fällt mir ein, dass PETA auch über Botox informiert. In einem Artikel der Organisation wird beschrieben, wie das Nervengift an Labormäusen getestet wird, und diese über drei Tage langsam an Atemnot sterben lässt...

Um es abzukürzen: Es gibt auch Hersteller, die das nicht machen.  

Ach wirklich? In dem Artikel*, der von März 2019 ist, heißt es, dass es bisher noch keinen Hersteller gibt, der in der Forschung vollständig ohne die Nutzung von Tieren auskommt.

Doch gibt es. Der Großteil macht es leider. Ich finde es sehr billig, jemandem, der kein Fleisch isst, vorzuwerfen, dass er zum Beispiel Schuhe aus Leder trägt. Es ist leicht über andere zu richten und es ist sehr billig und einfach das Thema Botox anzusprechen.

Im Prinzip ist es nur ein Zeichen dafür, dass in der Kosmetikindustrie die Transparenz fehlt. Ist es denn richtig, dass Sie seit 2015 auf Botox verzichten? Das habe ich zumindest bei meiner Recherche gelesen. 

Ich lasse mir Hyaluron spritzen und ich muss ehrlich sein, dass ich mich in der Zwischenzeit nochmal einer Botox-Behandlung unterzogen habe. Dabei habe ich mir versichern lassen, dass keine Tiere dafür leiden mussten. Aber natürlich bin auch ich nicht in der Lage, den Forschungsweg komplett zurückzuverfolgen. 

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Das "Kunstfell" war mal lebendig

Neben der Kosmetikindustrie fehlt es auch in der Mode an Transparenz. In der Vergangenheit haben Sie sich gemeinsam mit PETA mit Pelz beschäftigt. Haben Sie als Designer Tipps, wie Käufer Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden können?

Ich würde grundsätzlich immer nachhaken. Man kann leider nicht das Feuerzeug nehmen und den Parka anzünden, obwohl eine Feuerprobe bei Textilen meist der beste Test ist. Eigentlich müsste ganz deutlich ausgeschrieben sein, woher der Pelz bezogen wird und ob er echt ist. So ist es aber nicht, also muss man nachhaken.

Aber wie haken Sie nach?

Ja, ich frage die Verkäuferin und verlange Auskunft.

Die Stiftung Warentest hat vor drei Jahren Stichproben in 20 Berliner Geschäften durchgeführt und in fünf vermeintlichen Kunstfellprodukten Pelz-Anteile entdeckt. Die Einzelhändler sind oft ahnungslos.  

Und genau in dieser Ahnungslosigkeit liegt die Gefahr. Solange keiner fragt, besteht auch kein Bedarf an Aufklärung. Je mehr Leute fragen, umso größer wird der Druck auf die Textilindustrie und umso transparenter muss sie werden. Wenn die Verkäuferin es nicht weiß, würde ich einen Brief an die Geschäftsführung schreiben. Ich wünsche mir, dass Produkte klarer deklariert werden. 

Ist eine klarere Deklarierung etwas, das von der Politik geregelt werden muss?

Politik ist leider kein Wunschkonzert. Die wenigsten Politiker wollen sich mit Lobbyarbeit und den wirtschaftlichen Aspekten auseinandersetzen, die zum Beispiel der Fleischkonsum mit sich bringt. 

Peta-Kampagne

Posen für Peta

"Wir sind alle Tiere", lautet das Motto der neuen PETA-Kampagne, die in Zusammenarbeit mit Harald Glööckler entstanden ist. Auf dem Foto zieren den Star-Designer die Flecken einer Kuh. "Ich bin viel naturverbundener, als sich viele zunächst vorstellen", sagt er gegenüber GALA. Mit der Tierschutzorganisation möchte er darauf aufmerksam machen, dass sich der Mensch nicht über alles und jeden stellen darf. Jedes Leben sei gleich viel wert – egal, ob Nutz- oder Haustier. 
Sexy Hingucker für die gute Sache: Kolumnistin und Autorin Ariane Sommer zeigt sich in provokanter Pose und macht sich so dafür stark, Eier gänzlich aus Lebensmitteln zu verbannen. Das Motiv ist Teil der PETA-Kampagne „Mach dich eifrei“ und wurde vom österreichischen Starfotografen Manfred Baumann in Szene gesetzt, der ebenfalls fleischfrei lebt. 
Jorge Gonzalez lässt die Hüllen fallen und posiert mit seinem Hund Willie für das neue PETA-Motiv der Kampagne „So trägt man Pelz“. 
Die Serbin stellt sich gegen das Tragen von Fell: Popsängerin Jelena Karleuša posiert für die bekannte "I'd Rather Go Naked Than Wear Fur!"-Kampagne.

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Meine letzte Frage, Herr Glöckler: Kritiker stellen häufig die Frage, warum man sich überhaupt mit dem Leid der Tiere beschäftigt. Schließlich ertrinken in dieser Sekunde gerade Menschen im Mittelmeer. Haben die nicht Priorität?

Nein, haben sie nicht. Wir Menschen sind nicht mehr wert als ein Tier und es ist infam sich über andere Lebewesen zu stellen.

* auf Anfrage erklärt PETA gegenüber GALA: "Mehrere Hersteller haben erfolgreich tierversuchsfreie Verfahren entwickelt und somit tausende Tiere vor einem qualvollen Tod bewahren können. Dass Tierversuche vollkommen ausgeschlossen sind, scheitert nur noch an behördlichen Regelungen."

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