Parfüm: Duftmarke? Erotisch!

In der High Society betört man mit maßgeschneiderten Düften. "Gala" erklärt die verschwiegene Welt höchster Parfümeurskunst

Kim Kardashian

Du riechst aber gut – was für ein schönes Kompliment! Und wenn der andere auch noch begehrlich ein Stück näher rückt, ist die Verführung gelungen. Designer Tom Ford, der als Sex-Style-Guru gilt, sagt: "Für mich muss Parfüm so sein, dass man die Person, die es trägt, am liebsten beißen möchte. Einem guten Parfüm möchte man näher und näher kommen." Der bewusste Griff zum Flakon ist also immer auch ein diskretes unmoralisches Angebot.

Wie funktioniert das feine Näschen?
Der Geruchssinn ist der primitivste unserer fünf Sinne und im Gehirn eng mit dem Geschlechtstrieb verbunden. Sobald die Nase ins Spiel kommt, setzt der Verstand aus und die Magie der Anziehung ein. Dazu wirkt jedes Parfüm auch auf psychologischer Ebene: Der ultimative Duft schafft Wohlbefinden beim Träger und damit die Grundlage für eine erotische Ausstrahlung. Er ist wie das perfekte Outfit, das einen selbstbewusst und sexy aussehen lässt. Und weil solche Kreationen für die oberen Zehntausend selten von der Stange kommen, bietet die Luxusindustrie Maßanfertigungen im Flakon an.

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Cara Delevingne
©Gala

Nur Insider erkennen bei diesen Flakons, dass es sich um individuelle Kreationen für viele Tausend Euro handelt. Bei Urban Scents bekommt der Kunde ein blaues Fläschchen, Francis Kurkdjian liefert im Apothekerglas. Cartier gibt immerhin mit seiner berühmten Raubkatze/Schlange einen Herkunftshinweis, beim Zerstäuber von Guerlain weisen die Initialen von Parfümeurin Sylvaine Delacourte auf seine Exklusivität hin.

Wie Hoch ist der Preis der Verführung?
Für 15.000 Euro kann man etwa in Paris Top-Parfümeur Francis Kurkdjian anheuern. In der Branche ist der 45-Jährige eine Legende, er hat bereits über 40 Düfte kreiert, unter anderem für Dior, Gaultier, Armani. Für etwa 60.000 Euro darf man bei Cartier vorstellig werden. Dort sorgt seit zehn Jahren Hausparfümeurin Mathilde Laurent, verantwortlich für alle Erfolgsdüfte des Hauses, für den persönlichen Service. Eine weitere Anlaufstelle ist das Dufthaus Guerlain. Schon vor 150 Jahren kleidete man hier gekrönte Häupter in Aromen. "Zu den Kunden gehören bis heute Königshäuser und Prominente", so Guerlain-Sprecherin Claudia Hermanns. "Alles andere ist streng geheim." Heute steht Sylvaine Delacourte, Direktorin der Parfüm-Entwicklung, ab 35.000 Euro individuell zur Verfügung.

Was macht On-Demand-Düfte aus?
Wie in der Haute Couture verfügt die Welt der Haute Parfumerie über eine größere Auswahl an Materialien. "Es gibt Ingredienzen, die so teuer sind, dass Firmen sie von vornherein ihren Kreateuren nicht zur Verfügung stellen. Für Maßanfertigungen, bei denen der Preis keine Rolle spielt, hat man Zugang zu exklusiveren Rohmaterialien", erklärt Parfümeurin Marie Le Febvre aus Berlin. "Ich kann für ein ganz bestimmtes Oud nach Dubai fliegen, das für die industrialisierte Duftherstellung nicht infrage kommt, weil es pro Kilogramm 25.000 Euro kostet." Die Französin hat lange für große Parfümfirmen in Paris gearbeitet und bietet heute unter dem Label Urban Scents ab 8.000 Euro personalisierte Düfte für Liebhaber an.

Welche Ingredienzen wirken besonders verführerisch?
Es gibt Zutaten mit einem legendären sexy Ruf, sie sind die Entsprechung zu Strümpfen und Strapsen. Sandelholz, im Orient ein traditionelles Aphrodisiakum, entpuppte sich im Labor sogar als Duft-a-like von Androstenol, einem männlichen Geschlechtshormon. "Sehr sexy sind dazu sogenannte animalische Noten wie Amber und Moschus, die heute synthetisch hergestellt werden", so Marie Le Febvre. "Cumarin aus der Tonkabohne und holzige Noten geben einen warmen, sinnlichen Touch. Genauso wie das immer populärer werdende Oud." Beliebt ist auch alles, was menschliche Gerüche imitiert: Vanille-Aromen erinnern an Haut, bei Kreuzkümmel denken zwar viele an Schweiß – aber auch an Sex.

Wo sprüht man den duft am Besten auf?
Stellen, an denen sich Parfüm besonders gut entfaltet, sind die Schläfen (nicht bei empfindlicher Haut!), die Ellenbeugen, der Spalt zwischen den Brüsten, links und rechts vom Schambein, die Kniekehlen und die Knöchel. Auch Nacken und Hals sind perfekt für Parfüm. Forscher haben vermessen: Neben der Kehle, etwa acht Zentimeter unter den Ohren, können sich Düfte optimal entfalten. Ansonsten gilt die alte Coco-Chanel-Regel: "Tragen Sie Parfum überall da auf, wo sie geküsst werden möchten."

Ein fesselnder Duft muss sitzen wie eine zweite Haut. Er soll uns noch schöner machen, wenn wir nackt sind – und im Dunkeln

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