Nicolas Degennes für Givenchy: Wofür brauchen Frauen überhaupt Make-up?

Nicolas Degennes ist seit zwanzig Jahren Art Director für Make-up und Farben bei der Luxusmarke Givenchy. GALA hat den Experten gefragt, warum Frauen die Selbstoptimierung durch Make-up in der heutigen Zeit noch brauchen. Seine Antwort ist überraschend.

Nicolas Degennes, Art Director für Make-up und Farben bei Givenchy. 

Die einen sehen Make-up als Kriegsbemalung, die anderen folgen der Ideologie, damit etwas für sich selbst zu tun. Wieder andere behaupten sogar, dass Schminke Sexismus fördert. Nicolas Degennes ist Experte, wenn es um verführerische Lippen und den perfekten Wimpernschwung geht. Seit zwanzig Jahren arbeitet er als Art Director für Make-up und Farben bei Givenchy und das obwohl er die Anfangszeit in diesem Job gehasst hat. Im Gespräch mit GALA erklärt er, warum er trotzdem für zwei Jahrzehnte geblieben ist und welchen Nutzen Make-up tatsächlich hat. 

Kann Make-up ein Gefühl sein?

Im ersten Moment ist es kurios, dass sowohl in der Mode als auch im Beauty-Bereich viele ikonische Produkte für Frauen von Männern entwickelt wurden. So hat zum Beispiel auch Nicolas Degennes "Le Rouge" kreiert: Der Lippenstift sorgt für präzise Farbgebung, versorgt mit Feuchtigkeit und ist in einem eleganten Leder-Etui gekleidet. Frauen weltweit lieben das Beauty-Produkt von Givenchy, aber woher weiß Nicolas Degennes eigentlich, was Frauen lieben und gebrauchen könnten? 
"Als kleiner Junge habe ich beobachtet, wie sich meine Großmutter mit voller Hingabe geschminkt hat. Sie hat diesen Puder benutzt, der leicht nach Rose geduftet hat", erinnert er sich. Er sei davon fasziniert gewesen, was Make-up mit Menschen macht. "Wenn ich ein neues Produkt entwickle, überlege ich nicht, was eine Frau gebrauchen könnte. Ich frage mich eher, nach was für einem Lebensgefühl sie sich sehnen könnte, wenn sie das Produkt aufträgt", erklärt er. Dabei sei es letztendlich auch egal, ob eine Frau oder ein Mann das Produkt benutzt. 

Jessica Paszka

Hautkrise nach Beauty-Behandlung

Jessica Paszka
Nach einer Gesichtsbehandlung hat Jessica Paszka kurzfristig ihr Strahlen verloren.
©Gala

Wofür tragen Frauen Make-up?

"Die Hauptidee von Make-up ist doch, sich selbst etwas Gutes zu tun und sich selbst zu lieben", sagt er. Aber wieso brauchen viele Frauen überhaupt kosmetische Optimierung, um sich selbst zu lieben? Das erklärt der Experte wie folgt: "Wenn eine Frau Make-up trägt, sieht alles ideal aus und das Licht wird auf ihrer Haut perfekt inszeniert." Dabei fühle sie sich gut. "Eine tolle, gesunde Haut strahlt aber für sich. Wenn jemand kein Make-up braucht, um sich wohl zu fühlen, hat er einen unglaublichen Job gemacht", bringt der Experte es auf den Punkt. Im Umkehrschluss bedeute es nämlich, dass sich die Frau um ihre Haut kümmert und gegen Luftverschmutzung und Sonneneinstrahlung schützt. "Wenn sich eine Frau nicht gut fühlt, dann rate ich ihr zu nicht zu viel Produkt. Im Gegenteil: Schichten von Make-up tun nicht gut. Eine schöne Farbe auf den Lippen, wird sie zum Strahlen bringen und gleichzeitig nicht überdecken", erklärt er. 

Ungeschminkt

Stars ohne Make-up

So schön natürlich zeigt sich Wolke Hegenbarth mit Baby auf Instagram.
Die schwangere Jenna Dewan zeigt sich ohne Make-Up – braucht die Naturschönheit auch gar nicht, wie wir finden.
Auf Instagram schreibt Tänzerin und "Let's Dance"-Jurorin Motsi Mabuse: "Wenn ich ungeschminkt bin, halten mich die meisten Menschen für eine Schwester von Motsi Mabuse" und setzt dahinter ein Lachsmiley. Unter der Woche sei Motsi am liebsten ungeschminkt, um mit ihrer Tochter zu kuscheln, postet sie unter das hübsche No-Make-up-Bild. 
Auf Instagram postet Nazan Eckes dieses Selfie nach dem Sport. Die Moderatorin zeigt sich nicht nur ungeschminkt. sondern auch mit leichten Rötungen im Gesicht - so wie Frau eben nach dem Workout aussieht. Von ihren Fans wird Nazan mit Komplimenten überschüttet und das zurecht!

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Und wieso tragen Männer kein Make-up?

Nicolas Degennes erklärt außerdem, dass diese Haltung keine reine Frauensache mehr sei. Männer würden sich auch mehr Gedanken um ihre Hautpflege machen. "In Asien tragen schon viele Männer ein leichtes Make-up, betonen ihre Lippen oder Wimpern", beschreibt er. Das würden sie allerdings so subtil machen, dass es eigentlich nur ihnen auffällt und eine andere Haltung gibt. 

Givenchy steht für mich für Recherche, Respekt und Freiheit... Mit sich selbst ehrlich zu sein.

Nicolas Degennes für Givenchy 

Nicolas Degennes beschäftigt sich für Givenchy seit zwanzig Jahren mit dem Thema Schönheit und wird es vermutlich auch die nächsten Jahrzehnte tun. Wenn er allerdings an seinen ersten Tag bei der Luxusmarke zurückdenkt, ist er heute noch überrascht, dass er so lange geblieben ist. "Sie haben damals die 'Mirror-Line' rausgebracht, aber mir hat weder die Textur noch das Marketing gefallen", erinnert er sich. Er habe diese Kollektion gehasst, weil sie nicht der DNA der Marke entsprach. "Givenchy steht für mich für Recherche, Respekt und Freiheit... Mit sich selbst ehrlich zu sein", sagt er. Ob Frau oder Mann das mit einem kunstvollen Augen-Make-up, einem schlichten Lippenstift oder auch nur wenig Mascara schafft, sei letztlich egal.
Nach zwanzig Jahren sei er dankbar, dass er die Fahrtrichtung der Luxusmarke im Beauty-Bereich bestimmen durfte und Frauen bis heute beim Strahlen helfen kann. "Wenn man mir das nicht erlaubt hätte, wäre ich Mönch in Japan geworden", sagt er. 

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