Nazan Eckes im Interview: "Meine Rollenbilder haben sich verändert"

Nazan Eckes, die beliebte deutsche Fernsehmoderatorin mit türkischen Wurzeln, will mit ihrer eigenen Erfolgsgeschichte auch anderen Frauen Mut machen, an sich zu glauben und Dinge zu verändern. GALA traf sie zum Interview

ist nicht nur eine der beliebtesten deutschen Fernsehmoderatorinnen, sondern jetzt auch eine der sechs Botschafterinnen weltweit für Cliniques Kampagne "Difference Maker". Am Dienstag (19. Juli) stellte sie in München wieder unter Beweis, wie sie durch ihr Engagement und ihre Beharrlichkeit, Dinge verändern zu wollen, andere anstecken möchte.

TV-Moderatorin mit türkischen Wurzeln

Ihre Eltern kamen als türkische Einwanderer nach Deutschland, konnten die Sprache weder lesen noch schreiben. Nazan Eckes erkannte als Kind, wie hart es ist, auf diese Weise keinen Zugang zu haben. Aus diesem Grund engagiert sie sich seit Jahren unter anderem in der "Stiftung Lesen" für Bildung, Lese- und Schreibkompetenz. Denn Bücher waren für sie die Brücke zum Erfolg, halfen ihr Freunde zu finden, erfolgreich zu sein, das Abitur zu bestehen, Selbstvertrauen zu entwickeln.

Nazan Eckes sowie Victoria Pendleton sprechen über ihren persönlichen Weg, wie sie für ihre Anliegen in der Welt kämpfen #differencemaker.

Schönheit und eine tolle Ausstrahlung bringt die 40-Jährige Kölnerin, die im Herbst ihr zweites Kind bekommen wird, natürlich ebenfalls mit und hat damit inzwischen ihre Erfolgsgeschichte geschrieben. Ihr knapp zweijähriger Sohn Lounis wächst bereits deutsch-türkisch, also zweisprachig, auf und sie möchte noch viel mehr Menschen unterstützen, sich mit einer guten Basis in Form von Sprache und Bildung, selbst zu verwirklichen. Im GALA-Interview erzählt sie, wie sie das verwirklichen möchte.

Wer sind Ihre eigenen Vorbilder?

Zum Beispiel eine supermoderne Englischlehrerin, die von ihren Reisen berichtet hat und diese Dinge in den Unterricht eingebaut hat, die mich als Person beeindruckt hat. Das hat meine Rollenbilder verändert, weil ich ursprünglich ein ganz anderes Frauenbild aus der türkischen Gesellschaft kannte: Es war eher so, dass autoritäre Zustände zu Hause waren, die Frau nicht gearbeitet hat und eher für die Kinder zuständig war und es total selbstverständlich war, dass das Essen auf dem Tisch steht, wenn der Mann von der Arbeit nach Hause kommt.

Und auf der anderen Seite ist auch meine Mutter mein Vorbild durch ihre Stärke, die sie bewiesen hat, obwohl sie nie gearbeitet hat in Deutschland, nie einen Deutschkurs besucht hat, irgendwie aber trotzdem ihr Leben hier gemeistert hat. Das sind Menschen, die mich sehr prägen.

Bücher waren ihre Brücke zum Erfolg, welche werden Sie mit Ihren Kindern lesen?

Ich erinnere mich an die klassischen Kinderbücher und es waren auch viele türkische Bücher dabei. Das erste Buch, das ich so richtig bewusst in der Schule gelesen habe und wo ich gemerkt habe, wie stark mir Lesen überhaupt Spaß macht und wie bewusstseinverändernd es sein kann, wenn man in Geschichten abtaucht, hieß "Juli von den Wölfen". Mich hat die Geschichte vom Eskimomädchen so fasziniert, was sich alleine durchgeschlagen hat und so viel Stärke hatte, nachdem es schon einige Rückschläge erlebt hat. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis: Ein Buch ist nicht nur Irgendetwas, was man runterliest und abhakt, weil die Lehrerin das so haben möchte, sondern das beinhaltet Geschichten, aus denen ich für mein eigenes Leben lernen kann. Da ging es los, dass ich nicht nur Pflichtlektüre gelesen habe, sondern immer mehr Lust hatte, mir selber Bücher zu kaufen. Das ist bis heute geblieben: Ich lese für mein Leben gerne.

Nazan Eckes im Gespräch mit GALA-Redakteurin Stefanie Behrens über Lebenswege, die einen Unterschied machen. Die Moderatorin, die eigentlich Kunst studieren wollte, ist seit 2012 mit dem bildenden Künstler Julian Khol verheiratet.

Papierbücher oder eBooks?

Immer noch Papierbücher, ich bin da total "old school". Es ist natürlich anstrengend, immer so einen Riesenwälzer in der Handtasche mitzuschleppen, auch wenn ich fliege, habe ich immer ein Buch dabei, aber irgendwie brauche ich Papier in der Hand. Ich sammele Bücher auch und finde Bücher ästhetisch. Später werde ich sie mit meinen Kindern lesen.

Wie kann man auch Jugendliche zwischen dem Videokonsum für das Lesen begeistern?

Das Vorlesen ist dabei ein ganz wichtiger Schritt. Es ging damit los, dass ich mit meinem Buch ("Guten Morgen, Abendland", 2010, Anmerkung der Redaktion) auf Lesetour gegangen bin. Es ist ja eine Geschichte, die viele junge Leute mit Einwanderungshintergrund interessiert, und ich habe gestartet, auch an Schulen vorzulesen. Es war erstaunlich, wie schnell ich einen Zugang zu den Schülern gefunden habe. Das gemeinsame Lesen hat zu Diskussionen geführt. Persönliche Erlebnisse sind die Dinge, die uns prägen.

Wollten Sie schon als Jugendliche Moderatorin werden?

Ich wollte niemals einen 0815-Job machen, ich war immer auf kreative Berufe aus und wollte wahnsinnig gerne Kunst studieren. Ich habe mich an allen möglichen Schulen beworben. Deswegen bin ich überhaupt beim Fernsehen gelandet, weil die Voraussetzung für ein Kunststudium ein Praktikum im Medienbereich war. Ich hatte mich beim Sender "Viva" beworben und dann kam beim Fernsehen eins zum anderen. Das war eigentlich Plan B und lief nebenher, aber dann habe ich festgestellt, dass mir das viel Spaß macht!

"Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag", findet Nazan Eckes, hier beim Shooting für ihre Rolle als Botschafterin, Storyteller und "Differenz Maker" für die Kosmetikmarke Clinique.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Ich habe einen Weg, den ich mir vorgenommen habe, und den gehe ich einfach. Ich setze mir immer Ziele, ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, aber nicht verbissen. Wenn ich etwas nicht schaffe, dann bin ich nicht unglücklich, sondern mir macht es einfach Spaß, mir Ziele zu setzen und dann zu sehen, wie ich sie erreiche. Der Glaube an sich selbst ist wahnsinnig wichtig im Leben! Wenn man den nicht hat, gelingt vieles nicht.

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