Loni Baur: Von Make-up bis Mode

Auf der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin erklärte uns Starvisagistin Loni Baur ihre Make-up-Looks. Und warum sie vor dem Schauentag einen extra starken Kaffee brauchte, ohne was sie nie das Haus verlässt und was sie jungen Visagisten rät

Capara-Models

Starvisagistin Loni Baur freut sich immer, wenn sie wieder einmal in Berlin zum Arbeiten ist. Die Kosmetikmarke Catrice hatte sie gebeten, die Looks für die Schauen des Berliner Designer Label Kaviar Gauche sowie Capara aus Antwerpen zu kreieren. Nach der Show von Capara gestern (21. Januar) nahm sich Loni im Palazzo Italia in Berlin Mitte Backstage zwischen Pinseln, Make-up und Haarspraywolken Zeit für das Gespräch mit Gala.de, bevor die Models für die Show von Kaviar Gauche geschminkt werden mussten.

Visagistin Loni Baur kreiert den Make-up-Look mit Produkten von Catrice für die Schauen von Capara (links im Bild) und Kaviar Gauche (rechts im Bild) im Palazzo Italia während der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin.

Wie haben Sie Ihren Marathontag in Berlin gestartet?

Ich habe eine kurze Nacht gehabt, weil wir gestern noch einen Look-Change hatten. Das kam recht spontan um 23 Uhr - wir mussten recht kurzfristig und flexibel noch einmal eine Veränderung vom Showlook vornehmen, weil die beiden Designerinnen von Capara die ganze Kollektion noch einmal angesehen hatten, das Casting stand. Dann haben wir den vorgesehenen Make-up-Look noch einmal überdacht und verändert. Wir haben also bis halb Zwei Uhr nachts noch gearbeitet.

Ihr Beauty-Tipp, um nach so einer Nacht in die Gänge zu kommen?

Ich habe heute morgen mit einer Gesichtsmaske und einer Dusche den Tag angefangen, dann noch einen starken Kaffee getrunken und dann ging's los. Und mein wichtigstes Tool ist zudem der Concealer.

Wie lange hat es denn gedauert, diesen Make-up-Look zu kreieren?

Seit gestern Abend um 23 Uhr, der hat sich sehr spontan entwickelt. Es war für mich dann ganz klar, als ich die Sachen auf der Stange hängen sah - die Farbigkeiten, die Silhouetten, die Drucke. Dann ist einem sehr viel klarer, was der Frauentyp braucht, als wenn man "nur" im Vorfelde Stofflichkeiten per E-Mail geschickt bekommt.

Welchen Frauentyp wollten Sie denn visualisieren?

Das große Motto von Capara ist die junge, dynamische, selbstbewusste Frau im Hier und Jetzt. Die Silhouetten muten burschikos, feminin, aber auch verspielt an und auch das Party-Feeling kommt nicht zu kurz.

Die Haare der Models wurden für die Show androgyn im Wet-Look gestylt, von Glamour betont keine Spur. Was sollte Ihr Make-up ausdrücken?

Fashion Week Berlin

Die Make-up-Looks vom Catwalk

Die Models bei Dorothee Schumacher lassen ihre Haare zum minimalistischen Make-up und dezentem Eyeliner ins Gesicht fallen.
Die Stylisten von Glaw setzten auf akzentuierten Silber-Lidschatten und dezentes Lipgloss.
Mit Lockenpracht und dunklen Lippen präsentiert das Label Zukker seine Models.
Retro-Look mit toupierten Hochsteckfrisuren und überlangem Eyeliner ist bei Guido Maria Kretschmer angesagt.

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Ich habe sowohl die Grafik der wunderschönen Drucke sowie auch das Azurblau aus der Farbigkeit von Caparas Kollektion aufgegriffen - daraus habe ich eine blaue, grafische Akzentuierung des Oberlids kreiert.

Fashion Week Berlin

Es liegt Mode in der Luft

Heike Makatsch will sich die neusten Brautkleid-Kreationen von Kaviar Gauche anschauen.
Kaviar Gauche Bridal Collection 2015
Kaviar Gauche Bridal Collection 2015
VIPs wie Emilia Schuele, Oskar Roehler, Heike Makatsch und Lavinia Wilson sitzen bei Kaviar Gauche ganz vorne.

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Kann nur teures Make-up auch eine luxuriöse Wirkung haben?

Nun, ich glaube fest daran, dass Make-up sehr viel mit der richtigen Technik zu tun hat, mit einem Gespür für Farbe, mit dem Mut zur Zurückhaltung, aber auch dem Mut, experimentell zu sein.

Sollte man also nur sparsam mit Make-up umgehen?

Man muss wissen, wie die Basis gemacht wird: Man braucht nicht viel Make-up, um wirklich die Haut schön und "glowing" aussehen zu lassen. Bei unseren Capara-Mädchen hatte man ja auch das Gefühl vom ungeschminkten Hautbild. Wir haben mit dem "Allround-Concealer" von Catrice die Haut korrigiert, perfektioniert, vorher wunderschön eingecremt, aber wir haben kein Rouge gesetzt. Es wurde nur mit einer Lippenpflege-Konsistenz ein Highlighter gesetzt, denn alles sollte sehr "raw" sein vom Hautbild her. Von daher passte es dann super, dass wir diesen grafischen blauen Strich am Auge hatten. Ich habe dann noch eine dynamische Augenbraue dazu kreiert: Die Augenbrauen wurden sehr stark nach oben gebürstet und dann sowohl mit Augenbrauengel als auch mit ein bisschen "Mastix" fixiert, was Glanz und Haltbarkeit brachte.

Die Kaviar-Gauche-Designerinnen Alexandra Roehler-Fischer und Johanna Kühl haben ja mit Catrice eine limitierte Make-up-Kollektion entworfen (ab Mai erhältlich). Was haben Sie als Look zur Bridal-Show heute Abend kreiert?

Die Designerinnen stehen nicht auf laute Farben, sie lieben dieses Feminine, dieses Fragile, aber trotzdem Starke. Wir spielen da beim Look eher mit matten und glänzenden Texturen, mit Weiß, mit Cremetönen, mit Sparkle.

Make-up-Artist Loni Baur nimmt sich trotz größter Hektik zwischen den Schauen die Zeit für ein Gespräch mit Gala.de-Redakteurin Stefanie Behrens über die Ausdrucksmöglichkeiten in ihrem Beruf (www.lonibaur.com).

Sie sind seit 20 Jahren im Geschäft - was beeindruckt Sie noch? Wo finden Sie Inspiration?

Bei den Showteams in Paris, bei denen ich selber aktiv mitarbeite. Die Teams von super High-Class-Visagisten wie Peter Philips, Diane Kendal und Lisa Butler sind Weltspitze und dadurch habe ich die Möglichkeit, bei Shows wie Chloé und Balenciaga mitzuarbeiten, was sonst als deutsche Visagistin schwierig wäre. Da bekomme ich Inspiration: Welche Mädchen sind hip, was haben die Kollegen in den Koffern, welche Produkte sind gerade hip? Alle tauschen sich aus, was es gerade Neues auf dem Markt gibt.

Was raten Sie jungen Make-up-Artists, um sich zu profilieren?

Seid einfach ganz natürlich! Wenn man etwas ganz doll liebt und eine ganz große Leidenschaft dafür hat, dann ist man einfach engagiert. Ich finde immer, Hochmut kommt vor dem Fall. Ich bin kein Fan von der ganzen Selbstvermarktung auf Facebook und Instagram, wo selbst kleine Jobs ausgeschlachtet werden als wäre es für die französische "Vogue". Ich bin eher dafür, lieber etwas länger zu brauchen und authentisch dadurch zu sein, dass man einen tollen Job macht und nicht dadurch, dass man sich toll vermarktet. Das ist mein Weg gewesen und ich finde das charmanter.

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