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Kim Hnizdo Stärker denn je: Was ihr aus dem mentalen Breakdown geholfen hat

Kim Hnizdo
© PR Lascana
Kim Hnizdo wurde 2016 "Germany's Next Topmodel". Von da an arbeitete das Topmodel tagtäglich an seiner Karriere, eine Auszeit gab es nicht. Ein mentaler Breakdown war die Folge, sie musste sich sogar in Therapie begeben. 

Als wir Kim Hnizdo, 25, am Set der ersten nachhaltigen Kollektion von Lascana treffen, strahlt die Blondine. Sie trägt ein dunkelrotes, bodenlanges Kleid mit Raffungen und Ballonärmeln. Ihr "Lieblingspiece aus der Kollektion", wie sie uns verrät. 

Jetzt kann sie wieder strahlen. Doch für Kim waren die letzten zwölf Monate keine einfache Zeit – nicht unbedingt durch Corona. "Corona hat mir ehrlich gesagt in die Karten gespielt", sagt sie uns. Kim erlitt einen mentalen Breakdown, musste sogar ins Krankenhaus und hat das letzte Jahr genutzt, um einen Gang zurück zu schalten, ihr Leben zu reflektieren. Im Interview mit GALA findet das Model nun ehrliche Worte über seine mentale Gesundheit.

Kim Hnizdo: Im GALA-Interview spricht sie über die letzten zwölf Monaten

GALA: Sind Sie dankbar, wieder am Set stehen zu können und zu arbeiten? Hatten Sie in der Zeit des Lockdowns Existenzängste?
Kim Hnizdo:  Ehrlich gesagt hatte ich keine Existenzängste während der letzten Monate. Entgegen meiner Erwartungen ist es für mich während Corona glücklicherweise gut gelaufen. Aber ich habe viele Kolleginnen, die solche Ängste hatten und das hat mich natürlich auch zum Nachdenken bewegt. Normalerweise ist man ja Tag ein, Tag aus in seinem Hamsterrad gefangen und jetzt endlich konnte ich es durch diese Umstände stoppen. Das hat sehr viel in mir ausgelöst. 

Das klingt nach einem Befreiungsschlag. Hatten Sie denn das Gefühl, die letzten Monate und Jahre haben viel – vielleicht auch zu viel – von Ihnen abverlangt?
Es hat sich alles schleichend und über die Jahre aufgebaut. Ich hatte immer das Gefühl, meine Karriere müsse kontinuierlich weiter voran gehen und dass sie keinen Tag pausieren dürfe. Einen Sonntag gab es bei mir nicht. Mich hat das mental sehr unter Druck gesetzt. Dazu kam dann der körperliche Stress, bedingt durch das viele Reisen. Eine weitere Komponente war auch dieses ständige "auf seine Figur achten“. Zum Glück ändern sich die Anforderungen an das Erscheinungsbild der Models gerade sehr. 

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Kim Hnizdo: "Mein Körper hat nur noch funktioniert"

Was hat dieser Stress mit Ihnen gemacht? 
Vor einem Jahr, Anfang 2020, habe ich acht oder neun Kilogramm weniger gewogen. Auch wurde ich jedes Mal, wenn ich zur Ruhe kam, krank. Mein Körper hat sich in Stresssituationen über Wasser gehalten, hat einfach nur noch funktioniert und sobald ich dann durchatmen konnte, merkte ich, wie schwach ich eigentlich war. 

Wann haben Sie angefangen, auf diese Symptome zu reagieren? 
Irgendwann war es soweit, dass ich beim Fliegen Panikattacken bekommen habe. Und das, obwohl ich gar keine Angst vor dem Fliegen hatte. Das hat mich schließlich dazu bewogen, zum Arzt zu gehen. 

Und was haben Sie für eine Diagnose gestellt bekommen?
Mir wurde gesagt, dass mein Zustand gesundheitsgefährdend sei und die Empfehlung wurde ausgesprochen, mich in eine individuelle ärztliche Behandlung zu begeben. Ich habe somit dann eine Therapie begonnen, die mich noch heute begleitet und sich sehr positiv auf mich ausgewirkt hat.

"Bis heute hat man gute und schlechte Tage"

Wie ging es dann für Sie weiter? Was haben Sie gemacht, um Ihren Zustand zu ändern?
Durch Corona wurde für die meisten von uns der "Pause“-Button gedrückt – und auch ich hatte auf jeden Fall mehr Zeit, um mich mit der Thematik und auch mit meinem Körper, meinen Bedürfnissen auseinander zu setzen. Aber natürlich gibt es da kein Geheimrezept oder eine Anleitung, die man befolgen muss. Bis heute hat man gute und auch schlechte Tage. Wichtig ist, in sich hinein zu hören, Gefühle zu zulassen und zu hinterfragen, warum ich gerade so fühle. Akzeptanz spielt hier auch eine große Rolle. Was mir auch sehr geholfen hat: Ich habe einen Hund aus Spanien adoptiert, das war für mich schon die halbe Miete. Außerdem mache ich gerade meinen Yoga-Trainerschein. 

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Gab es denn auch warnende Stimmen aus Ihrem Familien- oder Freundeskreis?
Die haben schon gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Schließlich war ich ja auch wirklich häufig krank. Meinen sehr schlanken Körper konnte ich auch immer damit rechtfertigen, dass man als Model mit dieser Statue im Ausland gut ankommt und erfolgreich ist.

Ich war aber auch immer gut im "Weglächeln“. Das ist ja auch irgendwie mein Job. 

Können Sie rückblickend einschätzen, woher dieser Druck kam, dem Sie ausgesetzt waren? 
Das ist eine gute Frage. Ich weiß es selbst nicht so genau. Keine Modelagentur hat mir gesagt, ich müsse abnehmen. Ganz im Gegenteil: Die haben mich immer unterstützt. Aber trotzdem hat man im Modelbusiness einen generellen Druck. Man vergleicht sich ganz automatisch und muss permanent präsent sein. Ich komme auch nicht aus der Welt, ich bin häufig einfach mitgeschwommen. Außerdem startet man mit dem Modeln in den meisten Fällen mit 18 oder 19 Jahren, wenn nicht sogar noch früher. Ein Alter, in dem andere gerade dabei sind, erwachsen zu werden. 

Würden Sie sagen, es geht Ihnen mittlerweile wieder gut? Wie beschreiben Sie Ihren Weg der Genesung?
Ich würde sagen am Anfang oder kurz nach der Diagnose ging es eher um eine Art "Rettung“. Ich musste erst wieder auf die Beine kommen. Meine körperlichen und mentalen Laster habe ich mittlerweile geheilt. Darauf baue ich jetzt weiter auf, aber ich kann wirklich sagen, dass es mir mittlerweile wieder richtig gut. Wenn nicht sogar, besser als je zuvor. Auch hatte ich das Glück, dass mich meine Familie und vor allem auch mein Vater unterstützt hat. Er lebt auf Sylt und ich habe viel Zeit an der Nordsee verbracht. 

Was ist das größte Learning der letzten zwölf Monate für Sie?
Meine größte Erkenntnis aus dem letzten Jahr ist, dass, wenn man Karriere macht und erfolgreich ist, auch in seiner Mitte und mit sich im Reinen sein kann. Man muss nicht im Extremen leben, um seine Ziele zu erreichen. Das schafft man auch in der normalen, und vor allem gesunden Mitte. 

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Hatten Sie bedenken, der Öffentlichkeit von Ihrem mentalen "Breakdown“ zu erzählen?
Ich hatte zum Glück nie Angst davor, öffentlich über diesen Breakdown zu sprechen. Denn jedes Mal, wenn ich mich mit Kolleginnen ausgetauscht habe, habe ich gemerkt, dass das ein Thema ist, was viele kennen, wenn nicht gerade selbst auch durchmachen.

Auch außerhalb der Branche treffe ich auf sehr viel Verständnis und Interesse, wenn ich mit Menschen über mentale Gesundheit spreche. 

Welchen Bezug haben Sie zum Thema Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit war schon immer ein Thema für mich. Ich bin sehr naturverbunden mit Pferden und auf dem Land großgeworden und hatte daher schon immer eine gute Einordnung und das Wissen darüber, wo was herkommt. In der Branche war das allerdings zu Beginn meiner Karriere noch nicht so anerkannt. Das kam jetzt erst in den letzten Jahre und da wusste ich: Hier will mitwirken und mit Menschen oder Labels, wie zum Beispiel Lascana, zusammenarbeiten, die das unterstützen. 

Wie würden Sie die Veränderungen der Mode-Welt beschreiben?
Ich bin so froh, dass man als Model die Möglichkeit hat, seine Persönlichkeit miteinfließen zu lassen. Es geht schon lange nicht mehr darum, die Dünnste zu sein – zumindest in Deutschland. Du kannst als Model gesund schlank sein und hast trotzdem Erfolg. Das ist eine tolle Entwicklung, die das Berufsbild eines Models so positiv verändert hat. 

Verwendete Quellen: Eigenes Interview

Gala


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