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Karoline Herfurth Wandelbare Elfe


Mit ihrer Schönheit hat Karoline Herfurth nicht nur Tom Tykwer verzaubert, der sie für "Das Parfüm" als Mirabellen-Mädchen castete. Die Berlinerin ist tough, vielseitig und zeitlos schön - weshalb Jil Sander sie als Testimonial für "Eve" engagierte

Karoline Herfurth hatte mal ein Laster: das Rauchen. Aber: "Ich vertrage den Qualm einfach nicht so gut, mir geht es immer schlecht danach. So habe ich mir gedacht: Lass es sein." Und seitdem lebt das Fräulein Herfurth frei jeder Untugend, sittsam und rein. Clubs, Partys, Discos? Nein. "Ich muss nicht von Bar zu Bar rennen", sagt sie. "So bin ich nicht gepolt." Exzesse, Räusche, Drogen? Niemals! "Einmal kiffen hat mir gereicht." Hochgefühle verschafft sie sich höchstens mit einem Chai Latte. "Sauteuer, aber lecker", so die brave Karoline. Still und heimlich soll sie im vergangenen Jahr Mutter geworden sein - auf eine Stellungnahme wartet die Öffentlichkeit jedoch vergeblich. Die private Karoline schützt ihre Lieben, statt sie für einen spannenden Artikel in die Medien zu zerren.

Wer nun aber denkt, die 24-Jährige sei langweilig, der irrt gewaltig. Nur weil sie nicht wie Kollegen aus Übersee mit Ausschweifungen und Skandälchen privater Natur Aufsehen erregt, ist sie als exzellente Schauspielerin dennoch stets im Bewusstsein. Als "Deutschlands sagenumwobenste Schauspielerin" feierte sie "Der Spiegel" in Folge des wortlosen, aber betörenden Auftritts als Mirabellenmädchen in Tom Tykwers "Das Parfum". Nach dem TV-Film "Das Wunder von Berlin" mit Heino Ferch und Veronica Ferres schrieb die "FAZ" ihr gar das Vermögen zu, "den deutschen Film zu retten". Für die tragische Rolle der Lilli im Kinofilm "Im Winter ein Jahr" bekam Karoline Herfurth den "Bayerischen Filmpreis" – und bergeweise Lob.

Das Wichtigste stammte wohl von der Regisseurin des Film selbst, der "Oscar"-prämierten Caroline Link: "Meine liebe Karoline, du bist eine junge Frau mit Herz und Verstand. Mit einer unglaublichen Reife und sensibler Intelligenz."

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Und dann kam die Filmemacherin auf das zu sprechen, was Karoline Herfurth so aufregend macht: ihre vielen Gesichter. "Wir haben einen Moment gebraucht, um uns anzunähern, aber dann habe ich sie kennengelernt, die verschiedenen Karolinen." Da gäbe es eine kleine Karoline, die zum Einschlafen Bibi-Blocksberg-Kassetten hört, so Link, und eine Große, Tapfere, die voller Ehrgeiz und eiserner Disziplin an ihren Filmen arbeitet.

Vielen Reportern, die Karoline Herfurth begegnen, geht es ähnlich: Erst sehen sie nur die zarte, die zerbrechliche, kleine Elfe. 1,64 Meter, Porzellan-Teint und so zierlich! Manche fangen schon an, sich in der Beschreibung ihrer süßen Sommersprossen zu ergehen - doch da setzt die Elfe sich aufrecht hin und beginnt mit lauter Stimme selbstbewusst und überlegt von ihrer Arbeit zu sprechen. Wer eben noch die Lolita vor sich meinte, entdeckt plötzlich das Fräuleinwunder.

Und dann gibt es da die private Karoline: Die hat eigentlich gar keine roten Haare, sondern ist "Berliner straßenköterblond", ging auf eine Waldorfschule, ist viel umgezogen, hat aber doch Zeit ihres Lebens in Berlin gelebt und will auch dort bleiben. Sie versucht, mindestens einmal pro Woche ihr Pferd auszureiten, das in einem Stall am Stadtrand steht. "Sonst habe ich echt ein krass schlechtes Gewissen". Diese Karoline ist seit mehr als sieben Jahren mit Simon Schreiner, einem angehenden Mediziner, liiert und kocht gern für ihre Freunde Pasta in Salbeibutter. "Ich bin definitiv kein Star", sagt diese Karoline.

Manchmal scheint es ihr schwer, diese private Karoline nicht zu verlieren. "Einen Film zu drehen ist so intensiv, dass ich immer Angst habe, nicht in die Normalität zurück zu finden", so Herfurth. Nicht nur, aber auch deshalb hat sie sich 2007 entschieden, an der Humboldt-Universität in Berlin Politikwissenschaft, Russisch und Soziologie zu studieren - obwohl sie längst ein Diplom von der renommierten "Ernst Busch"-Schauspielschule in der Tasche hat. "Ich will was Bodenständig lernen, Zusammenhänge kapieren. Und ich brauche einen Ausgleich zu meinem Job als Schauspielerin," sagte sie damals.

Es ist wichtig, dass es diese vielen Karolinen gibt, findet Herfurth. Denn wenn man will, kann man sich hinter diesen unterschiedlichen Facetten auch verstecken: "Man kann einfach nicht permanent mit einer blank liegenden Seele herumlaufen." Verletzlich, stark, betörend und elegant - ihre Wandlungsfähigkeit und zeitlose Schönheit bescherte Karoline einen Werbevertrag mit dem deutschen Luxuslabel Jil Sander. Wie auch dessen Gründerin setzt die 29-Jährige auf Understatement. Denn manchmal sind es die leisen Töne, die am längsten widerhallen.

Nina Anika Klotz


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