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Jennifer Baum-Minkus "Naturkosmetik hat oft noch den 'Öko'-Beigeschmack"

"gitti"-Gründerin Jennifer Baum-Minkus
"gitti"-Gründerin Jennifer Baum-Minkus
© Patrycia Lukas
Nagellack ohne giftige Stoffe und einen fiesen Geruch? Jennifer Baum-Minkus hat die Lösung: Mit ihren "gitti"-Nagellacken will die Gründerin die Beauty-Branche revolutionieren. Wie es dazu kam und welche Visionen sie für die Zukunft hat, verrät die Unternehmerin im GALA-Interview. 

Bei einem Abendessen wurde Jennifer Baum-Minkus gefragt was sie machen würde, wenn sie keine Angst hätte. Ihr erster Gedanke war Glitzernagellack. In dieser Nacht entstand die Idee für ihr eigenes Unternehmen: "gitti".

Jennifer Baum-Minkus: "Wir wollen die ganze Branche revolutionieren!"

2018 gründete die studierte Medienwirtschaftlerin ihr Unternehmen "gitti", benannt nach ihrer Mutter, Brigitte. Ihre Mission: die Beauty-Industrie zu revolutionieren. Eineinhalb Jahre arbeitete sie an ihrem innovativen Nagellack, der ohne Tierversuche, schädliche und teilweise giftige Stoffe hergestellt wird. Und sie sollte Erfolg haben: Spätestens seit ihrem Auftritt in der VOX-Show "Die Höhle der Löwen" kennt jeder die veganen und geruchsfreien Nagellacke von Jennifer Baum-Minkus. Im Interview mit GALA spricht die Gründerin über ihre Leidenschaft, verrät uns ihre Beauty-Rituale und kündigt die Revolution der Beauty-Branche an.

GALA: Wie haben Sie Ihre Faszination für Nagellack entdeckt?
Jennifer Baum-Minkus: Für mich hat es etwas Meditatives, mir selber die Nägel zu lackieren am Sonntagabend als Vorbereitung für die nächste Woche. Besonders die Farbe rot hat mich auf den Nägeln schon immer begeistert, eine Signalfarbe. Ich habe meinen Job gekündigt, das war eine Bauchentscheidung damals. Ich wollte mich umschauen und überlegen wie es weitergeht, dafür hatte ich durch die letzten Jahre ein kleines Polster angespart.

Dann wurde ich bei einem Abendessen gefragt, was ich machen würde, wenn ich keine Angst hätte. Und ich dachte im ersten Moment “Glitzernagellack”.

Gesagt habe ich das in dem Moment nicht, aber in der Nacht habe ich mir die Frage gestellt, was eigentlich Nagellack genau ist und vor allem was drin ist. Ich habe stundenlang recherchiert und war geschockt, wirklich sprachlos wie schädlich herkömmlicher Nagellack für den Mensch und unseren Planeten noch sein kann. Nach all der Recherche war mir bewusst, dass es aktuell kein Produkt gab, was meinen Ansprüchen genügt und da kam die Idee zu gitti.

"Sonntag ist mein Maniküre-Tag"

Welche "gitti"-Farben sind Ihre Favoriten? 
Mein absoluter Favorit ist die 01, die erste Nagelfarbe, die gitti gelauncht hat: ein feuriges Signalrot. Danach liebe ich alle gitti-Farben gleich und probiere sie auch immer wieder aus.

Wie oft lackieren Sie Ihre Fuß- und Fingernägel neu?
Sonntag ist immer noch mein Maniküre-Tag, da nehme ich mir die Zeit das in Ruhe zu zelebrieren.

Sie haben 1 1/2 Jahre an Ihrem "gitti"-Nagellack gearbeitet. Was waren die größten Schwierigkeiten?
Wir wollten ganz klar Probleme lösen und auf giftige Inhaltsstoffe verzichten. So haben wir mit dem natürlichsten aller Stoffe als Basis begonnen: Wasser. 55% Wasser ersetzen üblich eingesetzte petrochemische Lösungsmittel. Das klingt so einfach: ist es aber nicht! Eine Nagellack-Innovation ist eine wahre technische Herausforderung. Eine Innovation ist nicht immer für jede(n) von uns das passende. Eine wasserbasierte Nagelfarbe kann aktuell noch nicht so widerstandsfähig sein, wie ein traditioneller Lack.

Jennifer Baum-Minkus: Die Visionen für ihr Unternehmen

Wie sehen Ihre Visionen für Ihr Unternehmen aus?
Wir stehen mit gitti noch ganz am Anfang unserer Seite und haben eine klare Mission: Wir wollen die Beauty-Industrie revolutionieren. Und vor allem den Zugang zu Naturkosmetikprodukten vielen Menschen zugänglich machen. Wir arbeiten jeden Tag daran, unsere Produkte weiterzuentwickeln. Das fängt mit den Inhaltsstoffen an, aber wir nehmen uns auch die gesamte Wertschöpfungskette vor: Von der Produktion, der Verpackung bis hin zur Lieferung. Da haben wir noch einiges vor!

Nachhaltige Kosmetik ist noch immer die Ausnahme. Wieso?
Die Beauty-Industrie ist einfach riesengroß und es gibt unzählige Produkte, es wird sehr viel geforscht und die Anforderungen der Menschen sind ganz unterschiedlich. Daher ist aber auch viel Platz für Innovationen.

Naturkosmetik hat oft noch den Beigeschmack von "Öko", aber wir und ganz viele tolle andere Marken arbeiten mit viel Leidenschaft daran, das zu ändern. Es ist eine Bewegung und wir sind ein Teil davon.

Können Sie sich vorstellen, weitere nachhaltige Kosmetik-Produkte zu entwickeln?
Wir haben ganz klar das Ziel, die Beautyindustrie zu revolutionieren, zu verändern: Mit besseren Produkten für unsere Kunden*innen und unsere Umwelt. Die Nagelfarbe ist im Moment unser Produkt, das wir vertreiben. Wir bieten Farben an, die zu 55 % aus Wasser basierend sind und haben im Sommer neue Farben gelauncht, die zu 77% Pflanzen basiert sind. Außerdem gibt es einen 100% natürlichen Entferner (ganz ohne üblen Geruch) und seit neuestem auch Pflegeprodukte für die Nägel. Aber wir wollen ja die ganze Branche revolutionieren, daher sind wir auch dabei, an neuen Produktkategorien zu arbeiten. Also haben wir großes vor!

Die "gitti"-Gründerin über "Die Höhle der Löwen"

Mit Ihrem Auftritt bei "Die Höhle der Löwen" haben Sie Geschichte geschrieben. Können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie sich unmittelbar nach der Aufzeichnung gefühlt haben?
Das war einfach super aufregend und ich habe niemals mit so einer Reaktion gerechnet. Mein Herz hat geklopft, ich war total aufgeregt. Und sehr froh, dass meine Mama mit dabei war. Sie ist ja auch die Namensgeberin von gitti, weil das ihr Spitzname ist. Ich bin total dankbar, dass ich gitti einem so großen Publikum zeigen durfte.

Trotzdem ist Ihre Zusammenarbeit mit Judith Williams (und dementsprechend auch mit Dagmar Wöhrl) gescheitert. Woran lag es?
Nach regem Austausch mit Judith Williams ist dieser Deal mit ihr aus den unterschiedlichsten Gründen leider nicht zustande gekommen. Aus diesem Grund ist dann auch der Gesamtdeal bei dem auch Dagmar Wöhrl beteiligt gewesen wäre, nicht umgesetzt worden. Judith ist eine absolute Expertin und es ist toll, dass ich eine so starke Frauen kennen lernen durfte und wir sind weiterhin im Austausch.

Sie sind eine von wenigen Frauen in der Start-Up-Szene: Was waren – und sind immer noch – die größten Herausforderungen?
Als weibliche Gründerin mit Beauty-Themen wird man schnell in eine bestimmte Ecke gesteckt. Ich bin dankbar, dass es unter den Gründerinnen soviel Support gibt und dass es hier das Netzwerk ehrliche Unterstützung gibt. Seitdem ich gitti gegründet habe, bin ich "on fire" und so motiviert, etwas zu verändern, damit kann ich jeden Skeptiker überzeugen!

Verwendete Quellen: eigenes Interview

Gala

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