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Verschmutzung durch Kunststoffe aus der Kosmetik Hier kommen Alternativen ohne Plastik

Die Ozeane verschlucken sich an Schadstoffen aus der Kosmetik
Die Ozeane verschlucken sich an Schadstoffen aus der Kosmetik
© Getty Images
Die Ozeane verschlucken sich an Schadstoffen aus der Kosmetik. Zum Internationalen Tag der Meere am 8. Juni präsentiert GALA ein ungeschminktes Bild der Lage– und Alternativen ganz ohne Plastik

Der Blick reicht bis zum Horizont, wo sich das Blau des Wassers mit dem des Himmels trifft. Wir atmen die salzige Luft ein, genießen das Rauschen der Wellen – und entspannen uns sofort. 

Dr. Sylvia Earle: "Alle Weltmeere versinken im Müll"

Die Ozeane sind ein Sehnsuchtsort. Doch sie schweben in größter Gefahr. Niemand sieht das so klar wie die Meeresforscherin Dr. Sylvia Earle, die gerade für ihr Lebenswerk mit dem Gala Spa Award ausgezeichnet wurde. Die Wissenschaftlerin, deren Lieblingsoutfit ein Taucheranzug ist, hat mehr als 60 Expeditionen geleitet und über 290 Tage unter Wasser verbracht. "Alle Weltmeere versinken im Müll, vor allem in Plastik. Selbst in 3700 Meter Tiefe liegen Kanister und Flaschen auf dem Grund." Sie sind unzerstörbar – im Gegensatz zu ihrer Umgebung. "Die ersten Tüten, die in den Fünfzigerjahren produziert wurden und ins Meer gelangten, schwimmen heute noch darin. Plastik wird im Laufe von Jahrhunderten zwar zerrieben und scheinbar unsichtbar. Doch als Kleinstpartikel existiert der Kunststoff weiter, vergiftet die Meeresbewohner und damit auch uns", sagt die 82-Jährige. 

Kunststoffe verstecken sich überall

Was hat eine Parfümerie mit dem Meer zu tun? Eine Menge! So mancher Inhaltsstoff aus der Kosmetik landet genau dort. Kunststoffe verstecken sich überall: Sie verleihen Lippenstiften Glanz und Cremes eine geschmeidige Textur. In Peelings geben sie der Haut den letzten Schliff. Auch über Duschgels, Deos und Puder gelangt Plastik durch den Ausguss in den Ozean. Die Filter der Kläranlagen können Mikroplastik nicht herausfiltern. Walen oder Muscheln gelingt das ebenso wenig. 

Leonardo DiCaprio unterstützt den Schutz der Ozeane

Fazit: Das Meer braucht Freunde, die es schützen. Einer der spendabelsten ist Hollywood-Star Leonardo DiCaprio, der gerade mit einem Millionenbetrag auf den Seychellen die Einrichtung eines Schutzgebiets ermöglicht hat. Er surft auf der gleichen Welle wie der aus Freiburg stammende Deutsche Cyrill Gutsch. "Plastik ist ein Designfehler. Einmal produziert, lässt es sich aus der Umwelt nicht mehr entfernen", sagt der in New York lebende Designer und Gründer von "Parley for the Oceans". Er prägte den Begriff "ocean plastic", das seine Organisation mit 1800 Partnern weltweit einsammelt und zum Beispiel in die Kunstfaser Bionic Yarn verwandelt. G-Star hat daraus eine Kollektion von Oberteilen und Jeans gewebt, Adidas produziert aus dem Meeresplastik Turnschuhe, die Musiker Pharell Williams international zum Laufen gebracht hat. Seit der Kooperation mit "Parley" verwendet Adidas in Kosmetikprodukten keine Nanopartikel mehr. 

"Ich wünsche mir, dass die Korallen wieder bunt und lebendig werden" Schauspieler Leo DiCaprio engagiert sich für die Rettung der Ozeane. Er wollte früher Meeresbiologe werden 
"Ich wünsche mir, dass die Korallen wieder bunt und lebendig werden" Schauspieler Leo DiCaprio engagiert sich für die Rettung der Ozeane. Er wollte früher Meeresbiologe werden 
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Abbaubarer Sonnenschutz

Ein weiterer LichtblickDie Firma Biotherm hat mit "Waterlovers" einen komplett abbaubaren Sonnenschutz entwickelt, der dem Meer nicht schadet. So verschwinden langsam einige chemische Zusatzstoffe und Mikroplastik von den Inhaltsstoff-Listen großer Kosmetikhersteller – bei voller Wirkung und ohne den luxuriösen Appeal zu verlieren. Ganz im Gegenteil: Die "Free of"-Formeln sind auch ein Hoffnungsschimmer für schöne, gesunde Haut. 

Ökogestete SPF-Filter "Waterlover Sun Milk LSF 50" von Biotherm, 200 ml, ca. 30 Euro 
Ökogestete SPF-Filter "Waterlover Sun Milk LSF 50" von Biotherm, 200 ml, ca. 30 Euro 
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Weitere Lösungsversuche:

Mikroplastik 

Erster Erfolg: Zahnpasta gibt es ab sofort nur noch ohne Mikroplastik. Peelings, Dusch-und Waschgele mit winzigen Kunststoff-Kügelchen stehen immer seltener im Regal – und sollen, wie in Schweden und in den USA, auch bei uns verboten werden. Das Umweltbundesamt hat festgestellt, dass allein 500 Tonnen dieser Mikropartikel jährlich in Deutschland in Kosmetika verwendet werden. Tauchen Inhaltsstoffe wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Nylon-12, Acrylate Crosspolymer oder Copolymer auf, steckt Plastik im Produkt. Als Bindemittel sind die Plastikzusätze auch in Cremes, Lotionen, Foundations, Lippenstiften, Pudern, Concealern, Rouge, Lidschatten, Mascara und Eyelinern aktiv. Da sich die Partikel nicht vollständig aus dem Abwasser filtern lassen, gelangen sie ins Meer – und durch Verdunstung und Regen auf die Felder, in die Seen, in Bäche und Flüsse. Nachgewiesen wurde Mikroplastik in Trinkwasser, Milch, einigen Honigsorten und sogar in Bier und Wein. Zum Glück gehören die Begriffe "neues Grün" und "free of" in der Skincare inzwischen zum guten Ton. 

Mit Ginkgo und Jojoba "Klärendes Peeling" von Lavera, 50 ml, ca. 5 Euro 
Mit Ginkgo und Jojoba "Klärendes Peeling" von Lavera, 50 ml, ca. 5 Euro 
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Freundliche Filter

Allein 6000 Tonnen chemischer Filter aus Sonnenschutzmitteln landen jedes Jahr über unsere eingecremten Körper im Meer. Besonders heikel ist der synthetische Stoff Octocrylen. Er ist in vier von fünf Sonnencremes enthalten, schwer abbaubar, reichert sich in Fischen und Korallen an und lagert sich auf Riffen ab. In der Adria erreichte er vergangenes Jahr Spitzenwerte auf dem Meeresboden. Wasserfeste Lotionen sind auch nicht die Lösung: Sie dürfen sich selbst dann so nennen, wenn sie nach zweimal 20 Minuten zur Hälfte im Wasser treiben. Besser sind Produkte mit den mineralischen Filtern Titandioxid und Zinkoxid. Idealerweise sind sie in eine abbaubare Formel eingebettet wie zum Beispiel in "Waterlovers" von Biotherm. 

Verpackungskünstler 

Schön sollen sie aussehen. Und sich nicht im Dampf des Badezimmers auflösen. Genau das war bisher das Problem bei der Entwicklung nachhaltiger Tiegel und Spender. Nun scheint sich das Problem langsam aufzulösen. Die Vorreiter kommen aus Österreich: "Tree in the Bottle"-Shampoos von Oright fließen aus kompostierfähigen PLA-Flaschen aus Frucht-, Gemüse- und Pflanzenfasern. Der Clou: Im Material eingeschlossen sind Pflanzensamen, die beim Kompostieren der Flasche freigesetzt werden. Die Weinkosmetik Vinoble aus der Steiermark tauscht ab sofort Plastik gegen Glas und Holz aus der Region. Die Frischekosmetik-Marke Ringana nimmt alle Verpackungen zurück und belohnt Sammler mit Gratis-Goodies. Neu in L’Oréal-Professionnel-Salons: Nachfüllstationen für die Bio-Shampoo-Linie "Source Essentielle."

Wenn kompostiert, wächst daraus ein Baum "Tree in the bottle Green Tea Shampoo" von O’Right, 250 ml, ca. 9 Euro, www.oright.at 
Wenn kompostiert, wächst daraus ein Baum "Tree in the bottle Green Tea Shampoo" von O’Right, 250 ml, ca. 9 Euro, www.oright.at 
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Schaumschläger 

Der Verzicht auf Sulfate (Sodium Laureth) tut Haut und Haar besonders gut. Die aggressiven, schäumenden Tenside, die auch in vielen Haushaltsreinigern stecken, trocknen die Haut aus, entfetten die Haare, machen sie brüchiger. "Dabei ist es kein Problem mehr, umweltschonende Produkte mit exzellenter Wirkung herzustellen", sagt Matthias Stafsing, Entwickler von Haarprodukten aus Schweden. "Sulfate sind ganz einfach durch Coco-Glucoside zu ersetzen. Die milden Tenside auf Zuckerbasis schäumen weniger, reinigen aber genauso gut und sorgen für bessere Kämmbarkeit." Andere Firmen nutzen Tenside aus Aminosäuren oder die Reinigungskraft von Mizellen, die Fett und Rückstände binden.

Refill-Modus "Firm & Lift Active Day Cream" von Rituals, 50 ml, ca. 37 Euro 
Refill-Modus "Firm & Lift Active Day Cream" von Rituals, 50 ml, ca. 37 Euro 
© PR

Guter Film

Silikone sind Blender. Sie täuschen auf der Haut Geschmeidigkeit vor, wo keine ist, und kaschieren am Haar Schäden, anstatt sie zu reparieren. In Verruf geraten ist der synthetische Stoff (Dimethicone) auch, weil er biologisch nicht abbaubar ist. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, setzt auf Naturkosmetik, für die der Silikon-Einsatz nicht zugelassen ist. Immer häufiger übernehmen pflanzliche Öle wie Brokkolisamenöl den Job in Cremes, Shampoos und Co. Das schützt die Haut vor Umweltschäden und hinterlässt keinen lästigen Film.

Gala

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