Inès de la Fressange: "Ich wollte nie perfekt sein"

Karl Lagerfelds Muse der Achtziger, Ex-Model Inès de la Fressange, über Schönheit, Karriere und ihr Leben als alleinerziehende Mutter

Sie empfängt uns mit einem strahlenden Lächeln:

Inès de la Fressange, Topmodel der Achtziger- und Neunzigerjahre und Muse von Karl Lagerfeld. Sofort beginnt sie zu parlieren: "Meine Güte, Sie haben ja überhaupt keinen Akzent... Wissen Sie, ich spreche kaum Spanisch, dabei ist meine Mutter Argentinierin ... Ach? Die deutsche Gala gab es also schon vor der französischen?..." Fast hat man das Gefühl, als wäre man bei einer Freundin zum Kaffeeklatsch eingeladen. Dabei befindet sich die L'Oréal-Botschafterin mitten im Job: Der Beauty-Konzern feiert das 40-jährige Jubiläum der Kampagne "Weil ich es mir wert bin".

Courteney Cox

Eine "Baywatch" Performance zu ihrem Geburtstag

Courteney Cox
Courteney Cox hält sich extrem fit, wie ihr neustes Video beweist.
©Gala

Sie haben zwei Töchter. Welches Frauenbild versuchen Sie ihnen zu vermitteln?

Mir ist und war es immer wichtig, ihnen zu zeigen, dass ich nicht nur arbeite, um Geld zu verdienen, sondern dass mir meine Arbeit wirklich viel Spaß macht. Ich habe meine Kinder zwar immer spüren lassen, dass sie an erster Stelle stehen - aber mein Leben dreht sich auch nicht nur um sie. Es gibt da noch meinen Beruf, mein Liebesleben, meine Freundinnen.

Sie sind also keine Übermutter?

Die perfekte Mutter gibt es eh nicht, also versuche ich gar nicht erst, eine zu sein. Manchmal komme ich nach Hause und habe keine Lust zu kochen, sondern will lieber auf dem Bett liegen und Zeitschriften lesen. Dann machen wir einfach Zimmerpicknick und essen auf dem Boden in meinem Schlafzimmer.

So eine Mutter wünschen sich bestimmt viele Kinder...

Natürlich brauchen Kinder Regeln und einen normalen Alltag. Aber es muss auch verrückte Momente geben. Eine Zeit lang habe ich zum Beispiel die Disko-Minute eingeführt. Wir machten das Licht aus, drehten Elvis Presley auf volle Lautstärke und tanzten wie wild durch die Gegend.

Ihr Leben war nicht immer so unbeschwert und glücklich. Sie verloren Ihre Modefirma, und 2006 erlag Ihr Mann einem Herzinfarkt...

Das war eine schwere Zeit für mich. Ich fühlte mich für alles verantwortlich, musste Autoritätsperson sein und gleichzeitig für Lebensfreude sorgen. Es ist schwer, sich eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren, wenn man allein ist. Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man sein Leben als Tragödie weiterleben möchte oder eben nicht.

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Wie gingen Ihre Kinder mit dem Verlust um?

Ich weiß noch, dass Nine, sie war damals zwölf, zu ihrer siebenjährigen Schwester sagte: "Jetzt sind wir anders." Das war nicht nur negativ gemeint, es klang auch ein bisschen stolz. Sie waren auf einmal reifer und erwachsener und hatten plötzlich viel mehr Verständnis für andere. Sie haben diesen Schicksalsschlag gewissermaßen in etwas Positives verwandelt.

Das Anderssein hat in Ihrem Leben immer eine entscheidende Rolle gespielt.

Ja, das stimmt, nur habe ich in der Zwischenzeit Zwischenzeit festgestellt, dass alle anders sind. Früher habe ich in Interviews immer geantwortet: Ich war nun mal nicht wie alle anderen. Ich habe immer nett gegrüßt. Ich hatte kurze Haare. Ich habe mich anders geschminkt. Ich, ich, ich. Dabei hat doch jeder eine besondere Geschichte zu erzählen. Wenn man sich nur ein bisschen für andere interessiert und in deren Familiengeschichte schaut, finden sich überall verrückte Anekdoten.

Aber nicht jeder wird zur Lagerfeld-Muse.

Am Anfang war meine Model-Karriere aber ein Albtraum. Ich bekam keine Jobs, weil ich angeblich zu maskulin war oder zu ausgeflippt - dabei habe ich mich eigentlich eher konventionell gefühlt. Heute bin ich auf einmal Symbol des Pariser Chic.

Was hat sich seit damals verändert?

Wissen Sie, als ich jung war, habe ich immer von allem zu viel gemacht: zu viel Haare, zu viel Make-up, zu viel Schmuck, sie glauben gar nicht wie viel Zeit ich damit verschwendet habe.

Und heute?

Schönsein ist bei mir nach wie vor eine Berufskrankheit. Wenn ich mich schlecht angezogen fühle, meine Haare nicht sitzen, ich nicht geschminkt bin, ist der Tag für mich gelaufen. Ich bin nun mal kein tibetischer Mönch. Außerdem habe ich gehört, dass gutes Aussehen auch einen positiven Einfluss auf die Psyche haben soll. Damit beruhige ich jedenfalls immer mein schlechtes Gewissen.

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