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Guidos GALAxy Botox-Unfälle und Schlauchbootlippen

Meg Ryan
© Splashnews.com
Star-Designer und Gala.de-Kolumnist Guido Maria Kretschmer über Schönheitswahn und Besuche beim Beauty-Doc

Mit Botox und Co. sollte man es auf keinen Fall übertreiben. Wenn der eigene Partner dich nicht mehr erkennt oder die ganze Familie schreit, wenn Mama nach Hause kommt, war es eindeutig eine Injektion zu viel.

In Sachen Schönheitschirurgie ist meine Einstellung wie folgt: Ein wenig nachhelfen ist durchaus in Ordnung, solange man weiß wann Schluss ist. Die Grenze zwischen natürlich schön und unnatürlich entstellt ist nämlich oftmals sehr schmal.

Ewige Jugend

Die Sehnsucht der Menschen nach Perfektion ist groß, eine Spritze kann diesen Wunsch allerdings nicht erfüllen. Unser Leben und unsere Jugend dauert nicht ewig, ein Fakt, den man akzeptieren muss.

Heut zu Tage rennen Frauen bereits in den Zwanzigern zum Beauty-Doc um sich die eingebildeten Falten glätten zu lassen. Sein Schicksal und seine Zukunft schon so früh in die Hände eines Chirurgen zu legen ist definitiv nicht der richtige Weg.

Es gibt viel Elend!

Wenn man die Küsse des eigenen Mannes nicht mehr spürt, weil die Lippen zum Schlauchboot aufgespritzt wurden, ist das einfach nur traurig. Genügend prominente Vorbilder gibt es leider auch. Oft denke ich mir: Wie kann man seinem eigenen Körper so etwas antun? Wenn ich beispielsweise die Schauspielerin Meg Ryan sehe oder die Mutter von Silvester Stallone, oder Stallone selbst.

Ich finde es gut, dass man meinem Gesicht ansieht wenn ich mich freue, wundere oder ärgere. Menschen begeistern auf Dauer nicht nur mit einer glatten Stirn, dazu gehört glücklicherweise noch mehr.

Tränensäcke bis in die Kniekehlen

Neben all den negativen Beispielen des Schönheitswahnsinns darf man aber auch nicht außer Acht lassen dass es Menschen gibt, die auf Chirurgie angewiesen sind. Personen, die an einer schweren Krankheit leiden beispielsweise, wird durch diese Art von Eingriffen im besten Fall zurück in den normalen Alltag verholfen.

Wenn dir die Tränensäcke bis in die Kniekehlen hängen ist ein Besuch beim Beauty-Doc natürlich auch vollkommen vertretbar. Im Bereich Verjüngung wird meiner Meinung nach allerdings oftmals die falsche Baustelle angegangen. Eine gute Haarfarbe und gepflegte Zähne bewirken in den meisten Fällen schon Wunder. Ein chirurgischer Eingriff ist in den meisten Fällen nicht nötig.

Vorschnell verurteilen sollte man trotzdem niemanden. Man weiß schließlich nie, was die Zukunft bringt. Vielleicht sage ich in einigen Jahren sogar selbst: Oh, jetzt wird es aber Zeit Guido.

Reine Frauensache?

Obwohl es immer noch verstärkt ein weibliches Phänomen ist, legen sich nicht mehr nur Frauen unters Messer. Besonders junge Männer orientieren sich an strengen Schönheitsidealen. Sie haben noch nicht einmal die Pubertät überstanden und schon rennen sie ins Fitnessstudio um an ihrem Sixpack zu arbeiten.

Männliche Models beispielsweise hungern und trainieren genauso wie die Mädels in der Branche. Ein junger, sehr schlanker Look ist momentan gefragt und daher greifen viele zu drastischen Maßnahmen. Nach dem Motto: Hier ein Fettpölsterchen absaugen und dort einen Sixpack basteln.

St. Tropez und Wanne-Eickel

Es kommt auch darauf an in welchen Kreisen man verkehrt und auf welchem Teil der Erde man lebt. In St. Tropez und Monaco laufen ziemlich sicher mehr Operierte durch die Gegend als in Wanne-Eickel. Junge Menschen bekommen von ihren Eltern zudem häufig eine Selbstverständlichkeit zu diesem Thema vorgelebt.

Sich lieben lernen

Wir müssen wieder lernen uns zu lieben, so wie wir sind. Positive Vorbilder in Film und Fernsehen gibt es nur wenige. Niemand ruft mehr: Stopp, so nicht!

Unser Schönheitsideal ist sehr radikal und einseitig geworden – oftmals fast bizarr. Es gibt viele Frauen mit kleinen dicken Beinchen, die können so viel trainieren wie sie wollen, die Beinchen bleiben klein und dick. Aber das ist ja kein Grund traurig zu sein. Sie müssen lernen, genau diese Beinchen zu lieben, weil sie dich durch die Welt tragen und nicht weniger gut funktionieren als andere.

Mein Rat: Stellt euch einfach mal vor den Spiegel und nehmt bewusst nur die Stellen eures Körpers wahr, die ihr selbst schön findet. Jeder Mensch hat etwas Schönes an sich! Nur weil ihr eine krumme Nase habt, heißt das nicht, dass ihr trotzdem den schönsten Hintern der Welt habt.

Spart nicht mit Komplimenten

Komplimente sind wichtig! Wenn die Kassiererin im Supermarkt besonders schöne Hände hat, dann sage ich ihr das auch. Es ist schön, wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Positive Dinge bleiben den Menschen in Erinnerung. Sagt es euren Kindern, euren Partnern und den Menschen, die euch im Alltag begegnen.

In diesem Sinne: Jeder Mensch ist schön!

Euer Guido

Kommende Woche in Guidos GALAxy: Kindernamen

Das Interview führte Steffen Fischer Gala


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