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Guido Maria Kretschmer im Interview "Ich finde, man sollte immer sein eigener größter Fan sein"

Guido Maria Kretschmer
© Wilkinson / PR
Guido Maria Kretschmer scheint sich immer wohl in seinem Körper zu fühlen. Wie macht er das? Im Interview mit GALA verrät er Tipps für mehr Selbstbewusstsein – und welche Beauty-Routine dabei helfen kann.

Guido Maria Kretschmer ist überall zu sehen – vom Fernsehen bis zum Laufstegauftritt. Dabei bleibt sich der Designer immer selbst treu. Wie macht er das bloß? Das haben auch wir uns gefragt und ihn im Rahmen der Kampagne der Shaving Brand "Intuition und Guido gegen Scham" interviewt. Dabei ging es nicht nur darum, wie man lernen kann, sich in seinem Körper wohlzufühlen. Er hat sogar einen konkreten Trick verraten, den wir direkt in unsere Beauty-Routine einbauen – und der uns jeden Tag einen Selbstbewusstseins-Booster schenkt. Danke!

Guido Maria Kretschmer im GALA-Interview

GALA: Sie strahlen aus, völlig mit sich im Reinen zu sein. Fühlen Sie sich denn in ihrem Körper wohl?

Guido Maria Kretschmer: Ja, ich fühle mich wohl. Ich bin fein mit mir und mag mich eigentlich ganz gerne. Und habe schon früh gelernt, mich so akzeptieren wie ich bin. Mit allem drum und dran, auch den vermeintlichen Makeln. Dass das alles meins ist, zu mir gehört. Natürlich gibt es auch Tage, an denen man nicht so zufrieden ist, aber das ist ganz normal. Es ist wichtig, dass man dann schnell wieder zu sich zurückfindet und alles Gute an sich zu schätzen weiß.

In unserer Gesellschaft gibt es gerade ja diesen gegensätzlichen Trend: Sei wie du bist – aber stör dabei bloß keinen! Jede:r darf so sein, wie er:sie ist, trotzdem gelten unrasierte Beine dann immer noch als "Statement", statt einfach normal zu sein. Wie kommen wir da raus?

Für manche gehört die Rasur zum Wohlfühlen dazu, für andere nicht. Da sollte jede Frau für sich entscheiden, wie sie sich wohlfühlt in ihrer Haut. Es schämen sich aber auch viele dafür, dass sie sich rasieren. Als wäre die Körperbehaarung nicht vollkommen natürlich. Und das muss geändert werden. Genau aus diesem Grund mache ich mich jetzt gemeinsam mit Intuition stark gegen Scham. Es ist für uns eine echte Herzensangelegenheit, dass Frauen sich in ihrer Haut wohlfühlen und wenn ich mit meinen Worten und auch meiner Rasierer Limited Edition nur ein klein wenig zu diesem Wohlfühlen und Selbstbewusstsein beitragen kann, sozusagen eine Erinnerung während der Beauty Routine setzen kann, dann freut mich das sehr.

"X hat so schöne lange Wimpern, Y viel längere Beine und Z sieht irgendwie viel stilvoller gekleidet aus als ich"…. Insbesondere Frauen neigen dazu, sich ständig mit anderen zu vergleichen. In Ihren Sendungen wiederum gehen Sie sehr wertschätzend mit ganz unterschiedlichen Frauentypen um, heben keine über die andere.

Wir leben in einer Zeit, in der es immer schwieriger wird, mit vermeintlichen Makeln zu leben und das auch frei und offen zu tun. Hierbei geht es aber nicht nur um Frauen, sondern das betrifft die Männer gleichermaßen. Alle wollen den tollsten Körper, durchtrainierte Beine, etc., weil sie es jeden Tag auf Social Media sehen. Ich schaue mir das auch an und frage mich oft, ob dieses Bild tatsächlich die Realität ist, an der wir uns alle orientieren sollten. Diese „Welt“ verführt Menschen dazu, sich ständig zu vergleichen und nach etwas zu streben, was vielleicht im echten Leben auch gar nicht so perfekt ist, wie es über den Bildschirm scheint. Ich persönlich finde Beine schön, weil sie uns durchs Leben tragen, egal ob kurz oder lang, besonders trainiert oder nicht.

Guido Maria Kretschmer verrät Beauty-Routinen für mehr Selbstliebe

Wie können wir uns davon eine Scheibe abschneiden?

Ich bin ja großer Fan von anfassen und eincremen. Dann hat man alles am Tag einmal in der Hand gehabt und man weiß: das ist mein Körper, das ist mein jetzt. So entwickelt man einen ganz anderen Kontakt zu seinem Körper. Wenn es einen Tipp von mir gibt, dann wäre es der, dass wir einfach auch das vermeintlich Nicht-Perfekte akzeptieren sollten, bei uns selbst und auch bei anderen. Ich finde, man sollte immer sein eigener größter Fan sein.

Wir haben das Gefühl, Frauen schämen sich noch viel mehr als Männer, Sie auch? Wieso glauben Sie, ist das so?

Es fängt sehr früh an, dass Frauen auf solche Äußerlichkeiten reduziert werden. Sie haben viel, viel mehr damit zu tun als Männer. Dabei ist Frauenenergie so großartig. Prinzipiell könnten sie die ganze Welt retten, aber wenn sie darauf reduziert werden, lange Beine haben zu müssen, dann ist das auf lange Sicht auch nicht machbar.

Was antworten Sie denn darauf, wenn ein Mensch mit Dehnungsstreifen, Cellulite oder breiten Oberschenkeln zu Ihnen kommt und sagt: "Ich kann das doch nicht tragen! Ich traue mich das nicht! Ich verstecke mich lieber in langer, weiter Kleidung"?

Wenn sie:er die weite Kleidung gerne trägt und sich darin wohlfühlt, würde ich sagen, dass es völlig in Ordnung ist, das auch zu tun. Wenn es aber nur darum geht, vermeintliche Makel zu verhüllen, bloß alles zu verstecken, damit es ja keiner sieht, dann ist das schade. Dellen, Streifen und auch Orangenhaut sind alles Dinge, die absolut natürlich sind. Und ich glaube, man sollte das akzeptieren und die Menschen, die einen darauf reduzieren, schnellstens meiden. Ich habe noch nie in meinem Leben gedacht: „Guck mal die mit den Dellen da“. Ich denke dann oft, ach guck mal was für ein tolles Mädchen. Und zu diesem Mädchen gehören nun mal ihre Beine, warum sollte sie sich nicht in Shorts präsentieren? Jede Frau hat das Recht dazu, sich zu kleiden, wie sie es möchte und sich wohlfühlt.

Was halten Sie von der Body Positivity Bewegung der letzten Jahre? Überall werde ich dazu aufgerufen, meine kleinen Bauchröllchen und Falten zu lieben. Darf ich denn gar nichts an meinem Körper doof finden? 

Für mich ist es eine sinnvolle und wertvolle Entwicklung, weil bestimmte Bilder aufgebrochen werden und viel mehr Menschen merken, dass sie sich nicht verstecken müssen – und es gut ist, sich selbst und seinen Körper zu lieben. Body Positivity heißt auch, den Körper in Gänze zu sehen. Und ja, es ist wichtig an den Dingen, die man nicht gut findet, etwas zu ändern, wenn man das selber möchte. Aber das ganze Leben sollte sich nicht um einen kräftigen Oberschenkel oder ein Bauchröllchen drehen.

Lange Zeit sah man überall eben nur ein Schönheitsideal, auf den Laufstegen, in den Medien: Lange Beine, große Augen und bitte möglichst dünn! Haben Sie das Gefühl, dass es da auch langsam einen Wandel gibt?

Es gibt sicher einen Wandel, denn aktuell sind es ja auch die Instagrammer:innen, Blogger:innen und Youtuber:innen die, die es vormachen. Bei der Mode geht es zum Beispiel auch nicht mehr so sehr um Designer:innen oder um ein Model – es geht jetzt einfach um die, die es stylen. Ich denke schon, dass auch viele Designer:innen verstanden haben, dass der Markt nicht mehr nur auf das typische „Model“ ausgelegt ist. Und ich hoffe auch, dass viele an den Punkt kommen, Frauen in ihrer Unterschiedlichkeit schön zu finden. Unsere Aufgabe als Designer:innen ist es doch, Frauen in ihrem Wohlfühlen zu unterstützen. Das hatte bei mir schon immer höchste Priorität. Und für mich ist es das größte Geschenk, wenn man sieht, dass einem das auch gelingt.

mjd Gala


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