Detox-Ernährung: Glücklich ohne Histamin

Histamin-Intoleranz hieß die Diagnose: Food-Bloggerin Nathalie Gleitmann musste nach massiven Gesundheitsproblemen durch Histamin in Lebensmitteln ihr Leben umstellen und kocht seitdem histamin- sowie auch laktosefrei. Durch ihre kulinarischen Rezeptkreationen hat sie inzwischen viele Fans

Foodbloggerin Nathalie Gleitmann

Foodbloggerin Nathalie Gleitmann wurde nach starken Gesundheitsproblemen 2013 mit Histamin- und Laktose-Intoleranz diagnostiziert und musste ihr Leben umkrempeln. Ende 2015 hat sie ihre Website nathaliescuisine.com mit eigenen Rezepten und Know-how rund um Alternativen zur gängigen histamin- und laktoseschweren Kost gegründet. Dabei handelt es sich um eine Detox-Ernährung, um von histaminreichen Lebensmitteln zu entgiften.

Inzwischen kann die 23-jährige Nathalie, die zwischen London, München und Tel Aviv pendelt, ihr Leben wieder genießen und hat aus ihrer Not eine Tugend gemacht. Sie hatte Lust, ihre innovativen Rezept-Kreationen mit anderen zu teilen und hat stetig mehr Follower.

Was ist eigentlich Histamin-Intoleranz?

Histamin-Intoleranz gehört zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Histamin ist einerseits ein körpereigener Stoff, wird aber ebenfalls durch die Nahrung aufgenommen. Lebensmittel, die einen Reifungs- oder Gärungsprozess durchmachen, enthalten viel Histamin. So zum Beispiel:

  • Bier, Wein, Hartkäse, Salami, Geräuchertes, Meeresfrüchte sowie Tomaten und gewisse Fruchtsorten

Wenn der Körper das Histamin durch Nahrungsmittel nicht schnell genug abbauen kann, dann können Herzrasen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge und Atemprobleme auftreten. Da Histamin-Intoleranz noch eine ziemlich neue medizinische Diagnose ist, tappen viele Betroffene noch im Dunkeln.

Nathalie, viele Menschen haben noch nie von der Histaminunverträglichkeit durch Lebensmittel gehört. Gab es auch ungläubige Reaktionen oder gar Unverständnis zu Ihrem Problem?

Ich habe schon oft gehört, dass viele Menschen mit ihren Intoleranzen nicht ernst genommen werden. Ich persönlich habe keine ungläubigen Reaktionen erlebt. Es hat jedoch auch für mein Umfeld, genauso wie für mich, etwas Zeit gebraucht, die Situation zu verstehen und damit umzugehen. Auch mit Ärzten habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Obwohl anfangs ein Magen-Darm-Virus diagnostiziert wurde, hat sich meine Hartnäckigkeit für weitere Tests gelohnt und ich wurde schon bald mit der Histaminintoleranz diagnostiziert. Ich wollte es am Anfang selber nicht wahr haben, habe mich dann aber auf das Positive konzentriert und die ungewohnte Situation als Chance wahrgenommen, Neues auszuprobieren und mich gesund zu ernähren.

Hat sich mit der Nahrungsumstellung schnell eine gesundheitliche Besserung eingestellt?

Da ich ein sehr disziplinierter Mensch bin und es mir so schlecht ging, habe ich eine sehr drastische Ernährungsumstellung durchgeführt. Somit ging es mir innerhalb wenigen Tagen deutlich besser.

Wer hat Ihnen beim Kochen und Ausprobieren von Rezepten geholfen?

Anfangs hat mir meine Mutter in München geholfen, den Kühlschrank umzukrempeln und alles einzukaufen, was ich essen kann. Dann ging es zurück nach Tel Aviv, wo ich alleine lebe und einen stressigen Arbeitsalltag hatte. Für mich war das eine große Herausforderung, da ich zuvor noch nie gekocht hatte und mir immer einfach unterwegs etwas gekauft habe. Das Problem für mich war, dass ich keine gesunden und schnelle Rezepte finden konnte, die für mich verträglich waren - also musste ich selber kreativ werden.

Ich habe recherchiert und angefangen, Rezepte zu verändern, so dass ich die Gerichte essen konnte und plötzlich konnte ich kochen! Je mehr ich gekocht habe, desto selbstbewusster wurde ich, meine eigenen Kreationen zu erstellen - und sie sind köstlich!

Gibt es auch mal Durchhänger oder schaffen Sie es fast immer, sich histamin- und laktosefrei zu ernähren?

Wie man eine Intoleranz empfindet, ist Einstellungssache. Da meine Lebensweise und Rezepte viel Abwechslung bieten, gibt es bei mir keine Durchhänger mehr. Da ich mich immer histaminarm ernähre, sind die Symptome auch viel sanfter, wenn ich doch mal was erwische, was histaminlastig ist. Da ich meinen Histaminspiegel über die Jahre so stark verbessert habe, probiere ich auch hin und wieder mal ein histaminhaltiges Lebensmittel aus (z.B. etwas Zitronensaft), um den Körper auch wieder daran zu gewöhnen. In der Hoffnung, dass der Körper es schafft, wieder kleinere Mengen Histamin abzubauen. Ich finde es wichtig, in allen Dingen eine Balance zu finden und auch nicht immer zu streng mit sich selbst zu sein.

Und beim kleinen Hunger zwischendurch?

Generell habe ich immer einen kleinen Snack dabei, wie zum Beispiel meine selbstgemachten Müsliriegel.

Was machen Sie, wenn Sie mit Freunden unterwegs sind und die Fastfood wie Burger und Fritten essen gehen wollen?

Ich finde in jedem Restaurant oder Café etwas zu essen. Wenn man nett fragt, macht das Restaurant auch ein paar Änderungen am Gericht. Ich bestelle immer Essen, welches an sich histaminarm ist und frage auch nach, ob zum Beispiel Tomaten im Gericht sind. Mittlerweile habe ich gar nicht mehr das starke Bedürfnis, etwas Anderes zu essen, da ich mich so wohl fühle.

Außerdem habe ich verstanden, wie viel Auswahl ich eigentlich habe und ernähre mich heute viel abwechslungsreicher als vor meiner Diagnose. Obwohl ich immer gesund gegessen habe, hat mir die Intoleranz ein neues Bewusstsein für gesunde Ernährung und einen gesunden Lifestyle gegeben: Ich zähle keine Kalorien mehr, sondern achte darauf, dass ich mich gut fühle und gesund bin.

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