Botox im Test: Der große GALA-Check

Was kann Botulinumtoxin eigentlich? Was ist Vorurteil, was ist Wahrheit? GALA macht den großen Check

Frauen-Power ist in den Führungsetagen angekommen. Mit Kompetenz, Know-how – und dynamischer Ausstrahlung. Aber was ist, wenn Überstunden, Schlafmangel und die Doppelbelastung durch Familie und Karriere ihren Tribut fordern? Um ehrlich erarbeitete Falten aus dem Gesicht zu radieren und damit das Selbstvertrauen zusätzlich zu erhöhen, wird immer öfter in die minimalinvasive Trickkiste gegriffen. Vor allem das Spritzen von Botox übernimmt das Glätten eventueller Anzeichen von Erschöpfung. Das Nervengift Botulinumtoxin verhindert die Reizübertragung der Nerven auf die Muskeln. Sind diese bewegungsunfähig, können sie auch keine Hautfalten mehr bilden. Mimikfalten wie Denkerstirn, Krähenfüße oder Zornesfalte, die dadurch entstehen, dass unsere Haut bei jedem Naserümpfen oder Stirnrunzeln geknittert wird, haben keine Chance.

Eine starre Maske ohne Mimik möchte man allerdings nicht. Und doch denkt man beim Thema Botox sofort an die versteinerten Mienen der Celebritys, die bereits in den Achtzigerjahren, zu Beginn des Spritzenbooms, auf Botox setzten. Heute dagegen hat die natürliche Physiognomie oberste Priorität. Sie sollte auf keinen Fall zu sehr verfremdet werden. Dank neuartiger Kanülen und den Erkenntnissen jahrelanger Anwendung sind feinere und individuellere Ergebnisse möglich. Gezielt werden nur wenige Muskelpartien im Gesicht außer Gefecht gesetzt. Ein ausgeklügelter Treatment-Plan ist für individuelle Ergebnisse wichtig und wird von den auf Botox spezialisierten Ärzten in Zusammenarbeit mit dem Patienten erstellt. "Denn Botox lässt sich hervorragend mit Hyaluron und Oberflächenbehandlungen wie radiofrequenz-gesteuerter Straffung kombinieren", erklärt Dr. med. Tina Peters, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie am Hanseaticum Hamburg. "Dazu passen auch regenerative Methoden wie etwa die Eigenbluttherapie oder Eigenfettunterspritzungen."

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So kann kontinuierlich und in kleinen Dosen das Ergebnis verbessert werden. Die einzelnen Veränderungen sind so differenziert, dass sie den Mitmenschen nicht gleich auffallen. Außerdem lassen sich die Behandlungen sehr schnell durchführen. Praktisch für Frauen mit eng getaktetem Terminplan, sie können den Besuch beim Arzt in ihre Mittagspause einbauen.

Die holistische Sicht, also das Zusammenspiel von Ernährungs-, Lebens- und Schlafgewohnheiten, wird heute für eine effektive Anti-Falten-Behandlung mit einbezogen. Denn all das spielt bei der Hautalterung und der Faltenbildung eine große Rolle. Außerdem rät Dr. Tina Peters: "Fängt man mit Botox an, bevor sich die Falten tiefer in die Haut eingraben, wird man in dem Bereich nicht so ausgeprägte Faltenbekommen." In den Nerven ist das Gift übrigens nach einigen Monaten nicht mehr nachzuweisen, es wird komplett abgebaut und über die Niere ausgeschieden.

Süchtig macht der Faltenkiller nicht. "Eine körperliche Abhängigkeit gibt es bei Botulinumtoxin nicht. Wer mit seinem entspannteren Aussehen zufrieden ist, möchte allerdings nicht, dass die störenden Falten zurückkommen", erklärt Dr. Peters. Das könne im Extremfall zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Heißt: Man lässt immer wieder nachspritzen. Dabei ist das Verlangen nach mehr gar nicht nötig, da nach ein paar Behandlungen sogar weniger Wirkstoff verwendet werden muss, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Die andauernde Ruhigstellung schwächt nämlich den Muskel – vergleichbar mit einem eingegipsten Beinmuskel.

Botox + OPs

Du siehst so anders aus!

Bei den MTV Awards im Jahr 2000 präsentiert sich Christina Aguilera von ihrer flippigen Seite. Mit bunten Strähnen, wenig Stoff und glitzerndem Make-up lächelt die damals 20-jährige Sängerin für die Fotografen. 
Rund zehn Jahre später gewinnt Christina Aguilera einen ihrer fünf Grammys – in der Kategorie "Best Female Pop Vocalist". Zu ihrem gebräunten Teint trägt die Sängerin ihre blonden Haare zu glamourösen Locken gewellt. Kurz zuvor hat sie einen ihrer radikalsten Image-Wechsel hinter sich gebracht: von "Dirty X-Tina" zu Glamour Christina.
Bei den "American Music Awards 2017" performt Christina Aguilera ein Medley als Hommage an Sängerin Whitney Houston. Mit ihrer Stimme begeistert sie, mit ihrem Äußeren überrascht sie eher: Ihr Gesicht wirkt deutlich praller als zuvor und auch ihre Lippen scheinen voller zu sein. 
Ihr Beauty-Wandel geht auch im Jahr 2019 weiter: Auf der Konzertbühne in Dublin gibt Christina Aguilera gesanglich ihr Bestes und überzeugt mit ihrer einzigartigen Stimme. Ihre Mimik wirkt während der Performance jedoch versteinert – auch ihre Gesichtszüge scheinen übernatürlich straff.

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Macht Botox dumm? Dr. Peters entkräftet auch dieses Vorurteil: "Das Botulinumtoxin, das zur Faltenglättung verwendet wird, kann die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren und sich daher auch nicht im Gehirn ablagern." Es gibt zwar eine Studie des Instituts für Neurowissenschaften in Pisa, die bei mit Botox behandelten Ratten das Gift nachweisen konnte, diese ist aber nicht relevant, da das verwendete Botox kein zum Spritzen zugelassenes Botulinumtoxin war. Außerdem sind Daten von Versuchen mit Ratten nur bedingt auf Menschen übertragbar. Eine weitere Studie legt allerdings nahe, dass Botox das Verstehen minimal verlangsamen kann. An der Universität Wisconsin-Madison fand man heraus, dass wir für die Aufnahme von negativen Informationen – also Gefühle wie Zorn, Ärger oder Wut – diese erst einmal mit unserer Mimik nachstellen müssen. Ist die jedoch eingeschränkt, kommt es zu einer geringfügigen Verzögerung.

Damit die Pikserei nicht umsonst war und ein effektives Ergebnis erzielt wird, muss man kurzfristig auf ein paar Dinge besonders achten. Botulinumtoxin ist ein flüchtiger Stoff, Hitze und Sauerstoff können dem Gift daher schnell seine Wirkung nehmen. Deshalb sind Sauna, Sonnenbad, Fitnessstudio, stressige Wortgefechte oder auch durchtanzte Nächte in den ersten 48 Stunden nach dem Treatment tabu.

Direkt nach dem Verlassen der Praxis sollte man kein Wunder erwarten. Der Faltenkiller muss erst seine Wirkung entfalten, sich an den Synapsen andocken und die Kontraktionsinformation für den Muskel blockieren. Bis sich die darüber liegende Haut glättet, können bis zu zwei Wochen vergehen. Schön langsam also, sodass sich die Kollegen nicht wundern.

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