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Beyoncé-Diät Der Moppel-Mythos

Beyoncé Knowles
© Splashnews.com
Jetzt können wir uns wieder satt essen: High-Carb erlaubt die volle Ladung Kohlenhydrate – und soll uns trotzdem rank und schlank machen. Die neue Ernährung ist auch in Hollywood angesagt. Nieder mit dem alten Dickmacher-Image!

Vielleicht denken Sie jetzt: "Bitte nicht schon wieder ein neues Ernährungsprogramm!" Keine Sorge, dieses Konzept ist mehr als ein flüchtiger Hype. High-Carb steht für "High-Carbohydrate" – und der Name ist Programm: Der Fokus liegt auf Kohlenhydraten! Es ist also eine Gegenbewegung zur Low-Carb-Diät, die uns genau diese streng verboten hat. Statt Hühnchen und Käsehäppchen kommt bei High-Carb nur Pflanzliches auf den Tisch und zwar in fettarmer, veganer Form. Dabei dürfen wir so viel essen, wie wir wollen, Zeitvorgaben und strikte Portionsgrößen gibt es nicht. Die Idee: Wir sollen zu unserem natürlichen Hungergefühl zurückfinden und den Diät-Stress endlich besiegen.

Anlass der neuen Kohlenhydrat-Euphorie in Deutschland ist das Ernährungskonzept von Dr. John McDougall, Allgemeinmediziner aus Kalifornien. Sein Bestseller enthält neben der Theorie auch viele persönliche Erfolgsgeschichten. John McDougall: "Die High Carb Diät", Riva Verlag, 400 S., 19,99 Euro
Anlass der neuen Kohlenhydrat-Euphorie in Deutschland ist das Ernährungskonzept von Dr. John McDougall, Allgemeinmediziner aus Kalifornien. Sein Bestseller enthält neben der Theorie auch viele persönliche Erfolgsgeschichten. John McDougall: "Die High Carb Diät", Riva Verlag, 400 S., 19,99 Euro
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Nicht nur die Figur profitiert von High-Carb, auch Herzkranken und Diabetes-2-Patienten soll damit geholfen werden können. Diese Versprechungen stammen nicht von ominösen Fitness-Gurus oder Heilern, sondern basieren auf seriösen Studien – zahlreiche Wissenschaftler beziehen sich darauf, allen voran Dr. John McDougall, ein passionierter High-Carb-Befürworter. "Menschen sind Stärke-Esser", erklärt er und meint damit stärkehaltige Kohlenhydrate wie Reis, Kartoffeln und Mais. Das klingt plausibel, setzten doch schon die Inkas, Azteken und alten Ägypter hauptsächlich auf Carbs. "Im Idealfall", so Dr. McDougall, "sollten auch wir so unverarbeitet wie unsere Vorfahren essen." Stärker verarbeitete Leckereien wie zum Beispiel Pasta sind allerdings in Maßen erlaubt. Also: Schlechtes Gewissen abstellen und ruhig mal wieder in den Brotkorb greifen!

22 Tage braucht das Gehirn, um neue Gewohnheiten zu etablieren. Wer seine Ernährung ändern will, muss sich also nur die ersten drei Wochen durchbeißen!

Warum ist High-Carb sinnvoll?

Wie oft lesen wir von Gründen, warum Kohlenhydrate gar nicht gehen. Dabei gibt es mindestens genauso viele Gegenargumente, wie zum Beispiel diese sieben:

1 Tradition! Kohlenhydrate machen dick? Erzählen Sie das mal einem Japaner. Die sind die schlankesten Menschen auf der Welt. Ihr Hauptnahrungsmittel seit Jahrtausenden: Reis.

2 Figurfreundlich! Wir dürfen uns satt essen, und das macht Sinn. Kohlenhydrate enthalten immerhin halb so viele Kalorien wie Fett.

3 Hormone! Wenn wir weniger essen, steigt das Hunger-Hormon Ghrelin an. Bei High-Carb gibt's keinen leeren Magen und keinen niedrigen Blutzuckerspiegel – und deshalb auch keine schlechte Laune.

4 Futter für den Körper! Allein das Gehirn benötigt pro Tag etwa 120 Gramm Glukose. Nachdenken ist eben auch Sport.

5 Gutes Bauchgefühl! Kohlenhydrate sind extrem leicht verdaulich. Der High-Carb-Stil führt automatisch zur Aufnahme von mehr Ballaststoffen, was unsere Verdauung reguliert. Bauchmuskeln allein machen noch keine flache Mitte.

6 Niedrigere Kosten! Isst man so unverarbeitet wie möglich, kommt man günstig davon. Kartoffeln, Reis und Bohnen sind selbst in Bio-Qualität für die meisten erschwinglich.

7 Ethik! Wir alle kennen die schrecklichen Bilder aus der Massentierhaltung. Mehr Pflanzenkost bedeutet weniger Leid – und dafür können wir alle mehr tun.

Was läuft im Körper ab?

Jahrelang wurde uns eingebläut: Kohlenhydrate sind böse! Dabei will jede Zelle unseres Körpers doch nur das eine: Glukose, die einfachste Kohlenhydrat-Form, die es gibt. Selbst ein Überschuss ist erst mal unbedenklich, er wird als Glykogen in Leber und Muskeln gespeichert. Dort können schon mal 400 Gramm Reserve gebunkert werden. Und selbst wenn jetzt noch zusätzlich Kohlenhydrate hinzukommen, werden auch diese nicht gleich zu Hüftspeck – der chemische Umbau in Fett kostet den Körper enorm viel Energie. (Falls Sie beim nächsten Dinner mit Fachwissen glänzen wollen: Der Prozess heißt De-novo-Liponeogenese.) Aber wo landen die Carbs dann? Studien zeigen, dass ein Zuviel vor allem als Wärme abgegeben wird. Tatsächlich geht es aber nicht nur um die Glukose. Kohlenhydratreiche Lebensmittel enthalten auch andere wichtige Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe – am meisten als Vollwert-Variante.

Low-Fat, nicht No-Fat

Unser Körper braucht Fett – für Zellmembranen, Hormone und zur Aufnahme bestimmter Vitamine. Bei High-Carb gilt aber: so viel wie nötig, so wenig wie möglich! Als ganzes Lebensmittel gehören Oliven, Lein- und Chia-Samen, Kokosraspeln und Nüsse unbedingt (aber in Maßen) auf den Teller, sie liefern die wichtigen Omega-3- und -6-Fettsäuren. Reine Speisefette aus Sonnenblume, Olive etc. werden bei High-Carb aus der Küche verbannt. Das pure Fett enthält wenig Nährstoffe und wird oft überdosiert, davor warnt auch der amerikanische Chirurg Dr. Esselstyn, ein Spezialist für Herzerkrankungen. Zu viel Fett, egal welcher Art, führe zu Arterienverkalkung, sagt er. Stattdessen empfiehlt er vegane, fettarme Pflanzenkost: Die habe vielen seiner Patienten sogar eine Bypass-OP erspart.

Schattenseiten

Wie viel Fett genau verzehrt werden soll, bleibt bei High-Carb offen. Auch die Protein-Empfehlung ist schwammig. Neben all dem Gemüse sollten eiweißreiche Hülsenfrüchte, zum Beispiel Kidneybohnen und Linsen, nicht zu kurz kommen! Achtung: Wie bei jeder veganen Ernährungsart muss man bei Vitamin B12 tricksen, denn das findet sich nur in tierischen Produkten. Wer keine Tabletten schlucken will, kann zu angereicherten Drinks greifen oder ordentlich veganes Sushi schlemmen. Die Algen enthalten das notwendige Vitamin in hoher Konzentration! Wem das alles zu radikal ist, der sollte sich mit dem High-Carb-Konzept von Dr. Dean Ornish auseinandersetzen. Hier sind tierische Produkte in kleinen Mengen erlaubt. Mehr Informationen: www.deanornish.com

Stephanie Ernst Gala


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