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Ashley Graham "Ich war ein Sexsymbol, jetzt habe ich Dehnungsstreifen bis zum Bauchnabel"

Ashley Graham
© Raymond Hall/GC Images / Getty Images
Ashley Graham ist Dreifachmutter. Das ist ihrem Körper anzusehen. Wie sehr sie immer wieder darunter leidet, formuliert sie jetzt in einem Essay. Damit beweist sie: Auch die taffeste Frau hadert mit sich und ihrem Selbstbewusstsein. Auch das ist Stärke.

Drei Söhne hat Ashley Graham, 34. Isaac ist 2019, die Zwillinge Malachi und Roman sind Anfang des Jahres geboren. Bis heute leidet das Topmodel immer wieder darunter, dass die Schwangerschaften Spuren hinterlassen haben – und das, obwohl es eigentlich für Body Positivity und einen gesunden Umgang mit sich und seinem Körper steht. Doch auch das gehört dazu. Dass man hadert. Dass man unsicher ist. In einem Essay für "glamourmag.com" teilt die US-Amerikanerin ihre Geschichte. Und die zeugt von so viel Stärke, dass sie als Inspiration für alle Frauen gesehen werden kann.

Ashley Graham muss den Umgang mit ihrem Körper wieder lernen

Die Erinnerungen an die Geburt ihrer Zwillinge sind nicht ausschließlich schön, immerhin wäre sie dabei fast verblutet, schreibt Ashley Graham in ihrem Artikel. Vier Tage lag sie danach flach, konnte zwei Monate das Zimmer nicht verlassen. Auch das hat Spuren hinterlassen. In ihrer Seele.

Aber auch auf ihrem Körper sind die Spuren der Zwillingsschwangerschaft noch zu sehen. Bis zum Bauchnabel reichen ihre Dehnungsstreifen bis heute. "Die Schwangerschaft war so ziemlich das Ende meines Körpers, wie ich ihn kannte", berichtet Ashley. "Mein Bauch wuchs rasend schnell." 

"In der 30. Woche fingen die Dehnungsstreifen an sich auszubreiten. Ich dachte mir: 'Okay, Ashley, das schaffst du schon. Du hattest schon immer ein paar, so ist das Leben. Du bist ein Vorbild für alle Arten von Körpern, wen interessiert das schon? Das wird super werden. Du kannst das mit anderen Frauen teilen, das ist fantastisch", versuchte sie sich lange Zeit zu motivieren. Doch irgendwann bröckelte die Fassade. Ashley begann, sich in ihrem Körper nicht mehr wohlzufühlen. "Die Dehnungsstreifen breiteten sich immer mehr aus. Sie kamen sogar aus meinem Höschen heraus, gingen irgendwann bis zum Bauchnabel", erinnert sich Ashley. 

Ich war mal ein Sexsymbol, und jetzt bin ich eine Babymaschine und habe Schwangerschaftsstreifen bis zum Bauchnabel. Was zum Teufel ist hier los?

Ihr Ehemann Justin Ervin bezeichnete ihre Streifen liebevoll als Zweige des Lebens. Doch so schön Ashley den Vergleich auch fand, Frieden mit ihrem neuen Körper konnte sie dennoch nicht schließen. 

Bis heute hadert sie

Heute, rund viereinhalb Monate nach der Geburt ihrer Zwillinge, kämpft sich Ashley Graham noch immerhin zurück, hin zu dem selbstbewussten Menschen, der sie einmal war. Der sich wohl in seinem Körper fühlt, damit sogar an die Öffentlichkeit geht, um andere Frauen zu inspirieren. "Als Verfechterin des weiblichen Körpers habe ich gelernt, dass es in Ordnung ist, wenn die Reise zur Liebe zu der Haut, in der man steckt, komplexer ist, als man es sich je hätte vorstellen können", so die 35-Jährige. Und ihre Reise ist derzeit eben ein wenig ins Stocken geraten. 

"Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich zugeben, dass es noch immer schwankt. Ich fühle mich immer noch nicht ganz wohl in meinem Körper, egal, wie sehr ich mich für Body Positivity einsetze. Es gibt Tage, an denen ich mich ansehe und mir sage: 'Es gibt nichts, was du nicht schaffst. Es gibt nichts, was du nicht kannst.' Dann sehe ich mir die Dehnungsstreifen an, die immer noch auf meinem Bauch sind und für immer sein werden, und denke: 'Gott, warum musstet ihr euch bis zu meinem Bauchnabel ausbreiten? Ich bin ein Dessous-Model, um Himmels willen. So sehen Dessous-Models nicht aus. Aber dann erinnere ich mich daran, dass ich nie der Norm entsprochen habe."

abl Gala


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