VG-Wort Pixel

Auf die sanfte Tour Anti-Aging für Sensible

Emma Stone 
© Getty Images
Was manche Teints bei der Anti-Aging-Pflege erfreut, finden andere viel zu heftig. Wir sagen, worauf man bei der Pflege achten sollte und stellen neue Wirkstoffe vor

Fast die Hälfte der Bevölkerung gehört zu den Sensibelchen. Heißt: Die Haut reagiert überempfindlich auf Reize. 

Verschiedene Ursachen für überempfindliche Hautreaktionen

Die Ursachen sind komplex. Genetisch bedingte Auslöser sowie Umweltfaktoren spielen ineinander, und auch falsche Pflege kann die schützende Barrierefunktion der Haut deutlich beeinträchtigen. Irgendwann gerät der Teint dann selbst bei harmlosen Situationen wie leichten Temperaturschwankungen völlig außer Rand und Band. In all diesen Fällen besteht spezieller Handlungsbedarf. Nicht zuletzt, um den Alterungsprozess der Haut zu verlangsamen. Dermatologin Livia Zanardo, Mitglied der German Society of Anti-Aging Medicine, erläutert: "Wenn sensible Haut falsch behandelt wird und es zu chronischen Entzündungsprozessen kommt, altert sie schneller. Das gilt beispielsweise für Atopiker mit Ekzemen, also für Menschen, die an Neurodermitis leiden."

Anti-Aging-Pflege trotz sensibler Haut

Doch auch viele andere empfindliche Typen reagieren allergisch auf Treatments und Wirkstoffe, die ansonsten höchst effektvoll gegen Falten, Volumenverlust und Altersflecken vorgehen. Retinol zum Beispiel. Hier nun die gute Nachricht: Sensible Typen müssen auf die erfolgreichen Einsatzkräfte nicht kategorisch verzichten! "Die Dosis macht das Gift", lautet das Motto der Münchner Hautärztin Tatiana von Bayern. Anders ausgedrückt: An einen bewährten Wirkstoff wie Retinol müssen sich die Sensiblen langsam herantasten, "ihre Retinolschwelle erkunden." Es ist total normal, dass die Haut in der Anfangsphase der Behandlung verstärkt mit Trockenheit reagiert. Durch eine angepasste Dosierung funktioniert der Stoff dann allerdings bei – fast – jedem. Für die ganz Sensiblen könnte ein Anti-Aging-Wirkstoff namens Bakuchiol interessant sein, der in der Traditionellen Chinesischen Medizin und im Ayurveda schon lange als Heilmittel eingesetzt wird. 

Sanfte Pflege-Routinen sind das A&O

Wichtig sind vor allem sanfte Pflege-Routinen und die besten minimal- und nicht-invasiven Treatments. Übrigens: Alle Aspekte rund ums Thema empfindliche Haut sind so individuell, dass es sich lohnt, den Dermatologen des Vertrauens nach einer maßgeschneiderten Anti-Aging-Strategie zu fragen. Gern mit unseren Anregungen im Gepäck.

Welche Stoffe helfen wirklich?

Als Goldstandard in der Faltenbekämpfung gilt Retinol. Bei sensibler Haut sollte die Dosierung zwischen 0,05 und maximal 0,1 Prozent liegen. Retinol-Cremes nur alle paar Tage auftragen – und nur abends. Ekzem-Patienten verzichten lieber ganz darauf. Als Alternative derzeit hoch gehandelt: Bakuchiol, gewonnen aus dem Samen der indischen Babchi-Pflanze. "Durch seine starken entzündungshemmenden und beruhigenden Eigenschaften ist Bakuchiol auch für die sensible Haut geeignet", sagt Dermatologin Livia Zanardo. Weitere sanfte Anti-Aging-Idealbesetzungen sind die Antioxidantien Resveratrol und Q10 sowie der Feuchtigkeitsbooster Hyaluronsäure. "In der Augenheilkunde verwendet man Hyaluronsäure schon lange bei geröteten, juckenden Augen", so Tatiana von Bayern. "Wir Dermatologen haben uns das abgeguckt."

Was steckt sonst noch drin?

Bei Pflegeprodukten für empfindliche Haut versucht man die Zahl der Ingredienzen gering zu halten und lässt im Zweifelsfall Duft- oder Konservierungsstoffe (z. B. Parabene) weg. Doch um eine Grundlage kommt man auch hier nicht herum, schließlich sollen die Stoffe genau da landen, wo sie ihre volle Wirkung entfalten können. Bei sensibler Haut ist die Balance aus Fett und Feuchtigkeit ganz entscheidend. Expertin Tatiana von Bayern: "Neurodermitiker brauchen eine eher fettige Grundlage, daher sind für sie Wasser-in-Öl- Emulsionen sinnvoll." Bei Rosazea oder perioraler Dermatitis hingegen auf Fett-Anteile verzichten! Ein spannender neuer Forschungsgegenstand sind Trägermoleküle wie Harnstoff. Sie schleusen Wirkstoffe, auf die empfindliche Haut stark reagiert, durch die Epidermis ein und bringen sie somit gleich in die Tiefe. Die Verträglichkeit wird erhöht, Hautreizungen werden minimiert.

Worauf sollte man bei Treatments achten?

Sensible Haut ist meist gereizt. Vorsicht bei minimal- und nichtinvasiven Methoden, die die oberen Schichten beeinträchtigen, z. B. Laserbehandlungen! Lieber meiden sollte man auch jene Mikrodermabrasions-Varianten, bei denen Sandkristalle auf die Haut aufgeblasen werden. Besser verträglich: auf Wasser basierende Behandlungen wie das Jet Peel. Durch die Verneblung wird die Haut gekühlt, Rötungen treten kaum auf. "Gut geeignet sind ultraschallbasierte Verfahren wie Ultherapy", sagt Livia Zanardo. "Hier werden gezielt tiefere Hautschichten behandelt, um körpereigenes Kollagen zu bilden. Auch Unterspritzungen mit Eigenblutplasma eignen sich, da nur das eigene Blut verwendet wird, keine Fremdstoffe." Die Behandlung mit Botox und Fillern ist ebenfalls weitestgehend unproblematisch.

Wann ist weniger mehr?

Beim Thema Reinigung wird oft übertrieben. Expertin Tatiana von Bayern: "Die meisten machen viel zu viel mit ihrer Haut. Wenn wir unsere Haut fragen könnten, wie oft sie gewaschen werden möchte, würde sie vermutlich antworten: einmal im Monat – und bitte ohne Seife!" Morgens genügt das Wasser aus dem Hahn. Abends freut sich die Haut über ein mildes Reinigungsprodukt, z. B. Mizellenwasser. Selbst das sollte allerdings abgewaschen werden. Von Tonern und Peelings rät die Hautärztin der empfindlichen Garde ab. Als Peeling-Alternativen empfehlen sich Waschlappen aus Seide oder Mikrofasern.Nicht zuletzt kann man sich per Lifestyle jung halten: keine Zigaretten, kaum Junk Food, möglichst wenig Stress. Vor allem nie ungeschützt in die Sonne, und zwar zu keiner Jahreszeit. Dermatologin Livia Zanardo: "UV-Strahlen reizen die Haut und können Entzündungsreaktionenreaktionen hervorrufen. Das wiederum beschleunigt den Alterungsprozess. Lichtschutz ist gerade bei empfindlicher Haut das A und O."

Gala

Mehr zum Thema


Gala entdecken