Mit Lust dabei
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Sex-Offensive Mit Lust dabei

Hauptsache heiß: Immer mehr Stars gehen in die Sex-Offensive. Wir gucken hin, reden drüber - und sind so fasziniert wie verunsichert

Oops, she did it again!

Vergangene Woche setzte Heidi Klum ein erotisches Ausrufezeichen. Wieder einmal. In Sharon-Stone-Manier schlug sie vor laufenden TV-Kameras ihre perfekten Beine übereinander. Blitzte da ein hautfarbener Slip unterm Minikleid? Oder war sie wirklich unten ohne zur Eröffnungsshow ihrer Sendung "Project Runway" auf den New Yorker Times Square gekommen?

Heidi Klum: Blitzt da ein helles Höschen, oder ist sie wirklich unten ohne? Beim Live-Dreh für ihre Show "Project Runway" in New York ließ die Model-Mama tief blicken.
© ReutersHeidi Klum: Blitzt da ein helles Höschen, oder ist sie wirklich unten ohne? Beim Live-Dreh für ihre Show "Project Runway" in New York ließ die Model-Mama tief blicken.

Dass Freizügigkeit eine gute PR-Masche sein kann, diese Lektion hat Heidi gelernt - und so spielt die 39-Jährige in regelmäßigen Abständen öffentlich damit, sexuell hyperaktiv zu sein: mal beim Oben-ohne-Shooting mit Fotografen-Freund Rankin, mal im Gespräch mit den US-Talkerinnen Oprah Winfrey und Ellen DeGeneres, mit denen Heidi vor vier Jahren ganz offen über Seals mächtiges "Paket" und Schäferstündchen im Wandschrank schwärmte. Soll bloß keiner denken, sie sei prüde! In Zeiten visueller Reizüberflutung durch Internetpornografie, Telefonsexwerbung und öffentliche Bekenntnisse sexsüchtiger Stars wirkt Heidis kleiner Fauxpas nur halb so wild. Eine heiße - und von ihr erhoffte? - Diskussion blieb dann auch aus. Hatte Sharon Stone auf ihrem höschenfreien Auftritt in "Basic Instinct" 1992 noch eine ganze Karriere begründet, schockt die Wiederholungstat 2012 nun wirklich keinen mehr. Sex ist im Mainstream angekommen, gehört zum Inszenierungs-Instrumentarium vieler Stars wie selbstverständlich dazu - auch wenn das manchmal eher belächelt als bewundert wird. So wie bei Madonna, 53, die auf ihrer aktuellen "MDNA"-Tour mal die Brust, dann wieder den nackten Hintern blitzen lässt und über Fesselsex singt, als wäre es ein Picknick. Jennifer Lopez, 42, verbindet im Videoclip ihrem 17 Jahre jüngeren Lover Casper Smart die Augen, räkelt sich mit dem Tänzer bei Live-Konzerten lasziv auf der Bühne. Getoppt wird das schrille Treiben von den Frauen der nächsten Generation, von Lady Gaga, 26, und Rihanna, 24, bei denen nicht nur ihre Videos und Performances, sondern auch die Inszenierung des Alltags so aussehen, als wären sie nach einem S/M-Ratgeber entworfen.

Rihanna: Die 24-Jährige lässt keine Gelegenheit aus, ihre Fans (und solche, die es werden sollen) mit Freizügigkeiten zu versorgen.
© facebook.com/rihannaRihanna: Die 24-Jährige lässt keine Gelegenheit aus, ihre Fans (und solche, die es werden sollen) mit Freizügigkeiten zu versorgen.

Mehr denn je wirken die Stars wie allzeit bereite Sex-Maschinen. Sie stählen ihre Körper, twittern Oben-ohne-Fotos, lassen Sex-Videos wie zufällig im Internet kursieren. Dazu prahlen sie in Interviews, was das Zeug hält. Die eher als leicht spröde geltende Gwyneth Paltrow über Stellungen: "Ich mag sie eigentlich alle." Christina Aguilera über ihre Vorlieben: "Sex in Handschellen!" Und Scarlett Johansson über ungewöhnliche Orte: "Ich finde es im Auto sexy. Wenn ich gerade scharf bin, kann es zum Beispiel auf dem Rücksitz passieren." Man könnte meinen, dass Stars rund um die Uhr Sex haben - und man könnte etwas neidisch werden. Dabei sitzen wir der Illusion auf, im Paralleluniversum Hollywood würde rund um die Uhr die Post abgehen - und wir müssen leider draußen bleiben. Doch Stars haben vermutlich genauso viel oder wenig Sex wie wir, mit den gleichen Problemchen und Freuden.

"Die perfekten Körper und die Sexszenen, die wir im Kino oder Fernsehen sehen, sind oft geschönte, total übertriebene Darstellungen, die uns nur unnötig unter Druck setzen", sagt Tina Bremer-Olzewski zu "Gala". Zusammen mit der Sexologin Ann-Marlene Henning hat die Kulturwissenschaftlerin ein kluges, herrlich unverkrampftes Aufklärungsbuch geschrieben, dass in Deutschland gerade durch die Decke geht: "Make Love" (Rogner & Bernhard, 256 S., 22,95 Euro). Es richtet sich eigentlich an Jugendliche, aber auch Erwachsene können daraus einiges lernen. Ihre Thesen illustrieren die Autorinnen mit Fotos von ganz normalen Menschen beim Sex. Ohne falsche Brüste, Riesen-Penisse oder vorgetäuschte Lust. Diese Menschen sind echt - und gerade deshalb schön. Und sie können beispielsweise Blümchensex-Liebhabern das Gefühl nehmen, im Bett regelmäßig einen Hochglanz-Porno nachspielen zu müssen.

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