Nicolas Sarkozy
© Reuters Nicolas Sarkozy

Nicolas Sarkozy Wohin?

Als Witzfigur verspottet, musste er das politische Parkett Frankreichs verlassen. Nicolas Sarkozy verschwand vier Wochen lang - und inszenierte seine Rückkehr nach Paris jetzt gekonnt: selbstbewusst, die Ehefrau an der Seite und im Gepäck jede Menge Gerüchte über seine Zukunft

Ein ruhiges Familienleben?

Sieht anders aus. Bodyguards und Paparazzi scharen sich um Nicolas Sarkozy, 57, sein neues Büro wird gerade eingerichtet, diensteifrige Mitarbeiter bereiten sein Comeback vor. Vier Wochen Rückzug sind genug für den gescheiterten Präsidenten Frankreichs. In Marrakesch, in einer Villa von König Mohammed VI., hat er nach der Wahl, bei der er François Hollande deutlich unterlag, seine Wunden geleckt, die Verwandten um sich versammelt und Pläne geschmiedet.

Hand in Hand: Nicolas Sarkozy und Carla Bruni halten zusammen, komme was da wolle. Noch immer ist das mediale Interesse an den beien riesig.
© ReutersHand in Hand: Nicolas Sarkozy und Carla Bruni halten zusammen, komme was da wolle. Noch immer ist das mediale Interesse an den beiden riesig.

Vergangene Woche kehrte er mit Carla Bruni, 44, zurück nach Paris. Aber nicht, um sich ausschließlich der Ehefrau und der gemeinsamen Tochter Giulia, acht Monate alt, zu widmen, wie viele nach seinem Scheitern vermutet hatten. Im Gegenteil: Sarkozy ebnet den Weg für einen beruflichen Neustart im September. Nach dem "Rentrée", der traditionellen Rückkehr der Pariser aus dem Sommerurlaub, soll alles bereit sein für die nächste Karriere des ehrgeizigen Mannes. Was er dann machen wird, verrät Sarkozy nicht. Darüber, sagt er, will er sich den Sommer über Gedanken machen. Ende Juni reist er mit seiner Familie in Brunis luxuriöses Feriendomizil nach Cap Nègre an der französischen Riviera. Doch während der ehemalige Präsident schweigt, tun seine einflussreichen Freunde alles, um die Gerüchteküche zum Brodeln zu bringen. Und deutlich zu machen: Mit dem Politiker Sarkozy ist weiterhin zu rechnen. "Die Niederlage ist der Beginn eines kommenden Sieges", wird in der französischen Presse orakelt. Auch der frühere Außenminister Alain Juppé glaubt nicht an das Ende der politischen Laufbahn Sarkozys: "Er nimmt eine Weile Abstand und organisiert seine Rückkehr." Nicht einmal eine Kandidatur für die nächsten Präsidentschaftswahlen 2017 schließen seine Anhänger aus. Auf jeden Fall, da ist man sich sicher, wird er nicht "einfach nur als Anwalt" arbeiten. Viel zu wertvoll seien seine Kontakte - für den Sommer habe ihn, so schreibt das "Journal du Dimanche", US-Präsident Barack Obama zu einem Treffen eingeladen.

Während andere reden, genießt Sarkozy das Interesse an seiner Person: Als er vergangene Woche joggte, mit lässigem Dreitagebart und im signalroten Polo-Shirt, ließ er sich bereitwillig fotografieren, gab sogar Autogramme. Der kleine Mann strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Gebrochen hat ihn die Niederlage ganz offenbar nicht. Auch die Liebe seiner Carla scheint unter den beruflichen Turbulenzen nicht zu leiden. Während die französische Presse schon über ein Ehe-Aus spekulierte - nun, wo der einst so mächtige Ehemann seinen Einfluss verloren hat -, will Carla ihrem Nicolas auf ihrer nächsten CD ein Liebeslied widmen. Im Oktober soll das Album erscheinen. Es sieht also alles nach einem heißen Herbst aus ... Tatjana Detloff Mitarbeit: Silke Bender

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