Kristen Stewart
© Reuters Kristen Stewart

Kristen Stewart Warum sind alle verrückt nach ihr?

Millionen Fans würden viel geben, um mit Kristen Stewart zu tauschen - dabei ist sie alles andere als ein typischer Hollywood-Star. "Gala" schaute bei ihrer "Twilight"-Abschiedstour hinter die Kulissen

Es ist Freitag, genau 20.20 Uhr, als Kristen Stewart von der Bühne des Berliner "CineStar" huscht.

Ihre Louboutin-High-Heels hat sie schon vorher gegen schwarze Sneakers getauscht. Ein Blick in ihre grünen Augen verrät, dass ihr klar ist: Das war’s. Es ist vorbei. Vier Jahre "Twilight", vier Jahre Massenhysterie, vier Jahre Vampir-Geliebte Bella Swan, vier Jahre, in denen die anfangs gerade mal 18-jährige Amerikanerin zum Superstar aufstieg. Vier Jahre, nach denen nichts mehr so ist wie vorher.

Draußen, am Potsdamer Platz, kreischen Tausende Fans. Viele warten seit 20 Stunden bei Minusgraden, ausgestattet mit Thermoskannen, Isodecken und selbst gebastelten Plakaten. Die Foto-Handys sind gezückt, während Ordner sie immer wieder von den Absperrungen zurückdrängen. Vielleicht kommen "K-Stew and R-Pattz" doch noch mal raus? Immer noch hoffen die Fans, ein Premierenticket zu ergattern oder wenigstens einen der "Twilight"-Schals, die Moderator Steven Gätjen in die Menge wirft.

Zwischen Nähe und Distanz: Über ihre Beziehung zu Co-Star Robert Pattinson mag Kristen Stewart nicht reden. Doch Gesten zeigen die Verbundenheit.
© WireImage.comZwischen Nähe und Distanz: Über ihre Beziehung zu Co-Star Robert Pattinson mag Kristen Stewart nicht reden. Doch Gesten zeigen die Verbundenheit.

20.35 Uhr, Hintereingang "CineStar"
Im Kino hat der Film begonnen. Draußen steigt Kristen Stewart, 22, zusammen mit Robert Pattinson, 26, in die wartende VW-Limousine und fährt Richtung "Borchardt", wo ein Raum für die "Twilight"-Crew reserviert ist. Kristen sieht müde aus. Hinter ihr liegt ein anstrengender Promotion-Marathon rund um den Globus. Australien, USA, Japan und schließlich Europa: London, Madrid, das Finale in Berlin. Der Einsatz hat sich schon jetzt gelohnt. 341 Millionen Dollar spielte "Breaking Dawn - Teil 2" bis Anfang dieser Woche ein. Nicht zuletzt deshalb, weil das Hauptdarstellerpaar ein Mysterium umgibt. Kristen Stewart und Robert Pattinson wirken vertraut, doch beide schweigen beharrlich zu ihrem Privatleben. Bei der Pressekonferenz im "Hotel de Rome" am Nachmittag sind private Fragen strikt verboten. "Schon bei der Premiere in Los Angeles hat Kristen ein Interview nach zwei Fragen abgebrochen, weil es ihr zu privat wurde", berichtet "Gala"-Korrespondentin Anna- Barbara Tietz. Auch in Berlin wirkt Kristen unsicher, fährt sich immer wieder durchs Haar, zieht die Ärmel ihres Oversize-Pullis über die Hände und senkt den Blick. Als wäre sie am liebsten unsichtbar. Das ist keine typische Filmstar-Haltung - es ist das typische Verhalten eines Teenagers. Kein Wunder also, dass Millionen Mädchen, die weltweit für die "Twilight"-Stars schwärmen, sich vor allem mit ihr identifizieren können. 21.05 Uhr, Potsdamer Platz
Viele Mädchen sind immer noch da, rollen nach und nach ihre Plakate ein. Die 17-jährige Alex aus Berlin-Pankow, seit acht Uhr morgens hier, ist überglücklich: Sie hat ein Autogramm von K-Stew ergattert. Wie sie ihre Faszination für die Schauspielerin erklären würde? "Sie ist halt genau wie wir!" Wirklich? Schließlich hat Kristen Stewart mit 22 schon mehr als 30 Filme gedreht und geschätzte 20 Millionen Dollar allein pro "Twilight"-Film kassiert. Aber vielleicht ist es ihre größte Leistung, trotzdem kein typisches Hollywood-Girl geworden zu sein. Sie blieb unangepasst, sperrig, rebellisch. Für Fotografen lächelt sie fast nie. Wenn sie genervt ist, zeigt sie es.

Das Idol: Junge Frauen auf der ganzen Welt haben Kristen Stewart zum Vorbild erkoren. Sie kopieren ihren Lässig-Look, ihre Unangepasstheit. Und Kristen kümmert sich um ihre Fans: Auch in Berlin gab sie fast eine Stunde lang Autogramme - trotz ihrer Schüchternheit.
© ReutersDas Idol: Junge Frauen auf der ganzen Welt haben Kristen Stewart zum Vorbild erkoren. Sie kopieren ihren Lässig-Look, ihre Unangepasstheit. Und Kristen kümmert sich um ihre Fans: Auch in Berlin gab sie fast eine Stunde lang Autogramme - trotz ihrer Schüchternheit.

Für diese Authentizität wird sie geliebt. Sie kennt die Irrungen und Wirrungen nur zu gut, die die Teenager-Zeit in sich birgt. In den "Twilight"-Jahren wurde Kristen - wie Bella - vom Mädchen zur jungen Frau. Einen größeren Coup hätte das Casting- Team 2007 nicht landen können. "Kristen ist mit ihrer Rolle verschmolzen", analysiert Steven Gaydos vom US-Magazin "Variety". "So wie James Dean mit Jim Stark in "... denn sie wissen nicht, was sie tun".

21.30 Uhr, Restaurant "Borchardt"
Kristen hat ihren Ceasar Salad verdrückt, wartet jetzt auf die Hauptspeise, ein Schnitzel. Jede ihrer Gesten sagt: Ich bin eine ganz normale 22-Jährige, mit allen Selbstzweifeln, die dazugehören. Sie kaut an den Fingernägeln, lacht nervös, macht Pausen, wenn sie auf Fragen antwortet. Der US-"Elle" sagte sie im Juni: "Ich fühle mich nicht richtig wohl in meiner Haut, wenn ich weiß, dass alle Augen auf mich gerichtet sind. Innerlich verfalle ich dann in totale Panik und denke, dass ich alles falsch mache und die Leute über mich lachen." Sie spricht aus, was ihre Fans jeden Tag als Gefühls-Chaos erleben.

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