Juan Carlos
© Getty Images Juan Carlos

König Juan Carlos von Spanien Trauriges Jubiläum

Am Samstag wird Spaniens König Juan Carlos 75. Nach einem Jahr voller Skandale ist vom Glanz alter Zeiten wenig übrig

Die Spanier sind ein großzügiges Volk,

bereit zu vergeben und zu vergessen, auch bei ihren Mächtigen. "Der König ist wieder so beliebt wie vor einem Jahr", verkündete der Hof kürzlich zufrieden und berief sich auf eine Umfrage, die er selbst in Auftrag gegeben hatte. Die Meldung könnte ein tolles vorgezogenes Geschenk zum 75. Geburtstag von Juan Carlos am Samstag sein. Wenn sie denn nur der Realität entsprechen würde.

Was sich mit bestem Willen nicht beschönigen lässt: Der Monarch hat ein schlimmes Jahr hinter sich, das deutliche Spuren hinterlassen hat. Gesundheitliche, moralische und sogar juristische. "Das Ansehen des Königs hat im letzten Jahr stark gelitten. Er gilt nicht mehr als unantastbar", so Annekarin Lammers, die in den vergangenen fünf Jahren als ARD-Korrespondentin aus Madrid berichtet hat, zu "Gala". Nachdem die spanische Presse jahrzehntelang eine Vasallentreue gegenüber der spanischen Königsfamilie geübt hatte, wurden plötzlich auch in seriösen Medien kritische Stimmen laut.

War früher alles besser? Richtig schnittig sah Juan Carlos 1979 hier mit Ehefrau Sofia aus. Den charismatischen Womanizer nimmt man ihm heute - nach drei Hüftoperationen - kaum noch ab.
© CorbisWar früher alles besser? Richtig schnittig sah Juan Carlos 1979 hier mit Ehefrau Sofia aus. Den charismatischen Womanizer nimmt man ihm heute - nach drei Hüftoperationen - kaum noch ab.

Erster Stolperstein: Juan Carlos' Elefantenjagd in Botswana im März, von der die Öffentlichkeit nur deshalb erfuhr, weil er sich auf der Reise die Hüfte gebrochen hatte. Anstößig fand man die Luxus-Safari nicht nur, weil der König Präsident des Tierschutzbundes WWF war - ein Amt, das er anschließend verlor -, sondern auch weil er offenbar in Begleitung von Corinna zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg reiste. Laut Pilar Eyre, Autorin des Skandalbuchs "Sofia: Una Vida. La Soledad De La Reina" ("Die Einsamkeit der Königin"), pflegt Juan Carlos zu der Deutschen schon seit Jahren eine besondere Bekanntschaft. Frauen verführen, wilde Tiere jagen - solche Aktivitäten haben die Spanier ihrem König schon immer nachgesehen, unterstreichen sie doch das Bild vom potenten Regenten. Doch in Zeiten wirtschaftlicher Probleme haben die Menschen weniger Geduld mit ihren Staatsoberhäuptern. "Was die Spanier wirklich aufgeregt hat, war der Zeitpunkt der Elefantenjagd", so Annekarin Lammers. "Solch eine Reise in einer Zeit zu unternehmen, in der Spanien in die Rezession rutscht, war einfach unsensibel."

Jahrzehntelang genoss Juan Carlos das Image des charismatischen Womanizers und Haudegens. Dass er das Land vor fast 40 Jahren nach der faschistischen Diktatur in die Demokratie geführt hat, rechnen ihm die Spanier hoch an. Doch der Glanz alter Zeiten verblasst. Nach drei Hüftoperationen - Nachwirkungen seines unrühmlichen Sturzes in Botswana - wirkt der Monarch wie ein angezählter Boxer. Als er zuletzt Anfang Dezember das Krankenhaus in Madrid verließ, müde, wackelig, aufgedunsen, scherzte er: "Ich verlasse jetzt die Werkstatt".

Sorgen über Sorgen: Die Korruptionsaffäre um Schwiegersohn Iñaki Urdangarin im Februar vor dem Gericht auf Mallorca ist für Juan Carlos ein Pulverfass. Auch seine umstrittene Elefantenjagd in Botswana im März sowie seine besondere Bekanntschaft mit der Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg sorgten für negative Presse. Nach mehreren Stürzen musste er sich dreimal operieren lassen. Ehefrau Sofia hat trotzdem kaum Mitleid.
© Splashnews.com / ddp images / Getty Images / Picture AllianceSorgen über Sorgen: Die Korruptionsaffäre um Schwiegersohn Iñaki Urdangarin im Februar vor dem Gericht auf Mallorca ist für Juan Carlos ein Pulverfass. Auch seine umstrittene Elefantenjagd in Botswana im März sowie seine besondere Bekanntschaft mit der Deutschen Corinna zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg sorgten für negative Presse. Nach mehreren Stürzen musste er sich dreimal operieren lassen. Ehefrau Sofia hat trotzdem kaum Mitleid.

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