Wotan Wilke Möhring
© Alfred Steffen / Gala Wotan Wilke Möhring

Wotan Wilke Möhring Halte durch!

Drei Kinder, drei Filme: volles Programm für Wotan Wilke Möhring. Trotzdem war er beim "Gala"-Talk hellwach

Seit dem letzten Treffen mit "Gala" im Sommer ist Wotan Wilke Möhring schmaler geworden. "Zwei Kilo vielleicht. Könnte am Familienzuwachs liegen", sagt er im Kölner Café "Erpel" - und grinst. Doch nicht nur die kleine Henriette Marie, die im Januar zur Welt kam, und ihre Geschwister Mia, 4, und Karl Michel, 1, sind der Grund für unregelmäßige Mahlzeiten bei ungebremster Lebensfreude: Der 45-jährige Schauspieler ist angesagt wie nie.
Allein in diesem Monat glänzt er in drei Filmen, die den Tod zur Hauptrolle haben: In "Das Leben ist nichts für Feiglinge" (ab 18. 4. im Kino) spielt er einen Mann, der mit dem Verlust seiner Frau klarkommen muss. Eine Tragikomödie, bittersüß wie das Leben. Für das Suizid-Drama "Der letzte schöne Tag" (ab 19. 4. auf DVD) nahm er gerade den Grimme- Preis entgegen. Gestorben wird auch am 28. 4., wenn Möhring sein Debüt als norddeutscher "Tatort"-Ermittler gibt.

Til Schweiger hat bereits seinen Dienst im "Tatort" angetreten - Sie hatten bei dessen Einstand einen Gastauftritt: In der Szene gucken die beiden Kommissare am Pissoir einander aufs Gemächt. Mit Verlaub: Warum der Schwanzvergleich?

Den Ausdruck "Schwanzvergleich" muss man sich wohl geben lassen. (lacht) Wir wollten ein bisschen Gelassenheit in diese hochgepitchte Konkurrenzdebatte bringen.

Es gibt derzeit 21 Ermittlerteams, fast im Wochentakt werden neue verkündet. Warum sollten wir in Ihrem Fall einschalten?

Wir erzählen einen guten Krimi. Thorsten Falke, so heiße ich in der Rolle, ist ein moderner Typ Mann: mit seinem Job verheiratet, sehr intuitiv, ein guter Kerl. Aber kein Macho. Er hat seine weichen Momente, er ist bindungsgestört, mit kleinem Sohn. Und wir haben den aktuellen gesellschaftlichen Bezug: In Hamburg brennen nun mal die Autos.

Kürzlich das von Schweigers Freundin ...

Das ist krass. Unser "Tatort" ist leider näher an der Realität, als uns lieb ist - es kann jeden treffen! Til tut mir leid, auch weil er sich gerade zu dieser Stadt, seiner alten Heimat, bekannt hat. Er hat sich total auf sein Hamburg gefreut. Und jetzt hat es ihn so erwischt.

Würden Sie wie er auch mit Ihren Kindern drehen?

Das ist für mich kein Thema. Das müssen die selbst entscheiden. Aber dann nicht bloß, weil der Papa das macht! Ich bin ja auch erst sehr spät drauf gekommen, Filme zu drehen. Noch versteht Mia, meine Älteste, überhaupt nicht, wie ich das Geld verdiene.

Verändert Sie der Erfolg?

Null. Ich bin ja keine Mitte 20 mehr. Mich trifft das in einer Phase, in der ich nicht mehr umgedreht oder verführt werde.

Wotan Wilke Möhring: Der neue "Tatort": Kommissar Falke (Möhring) und Kollegin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) befragen in der Folge "Feuerteufel" einen Zeugen zu dem Brandanschlag.
© Christine Schröder / NDRDer neue "Tatort": Kommissar Falke (Möhring) und Kollegin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) befragen in der Folge "Feuerteufel" einen Zeugen zu dem Brandanschlag.

Nervt Sie Ihr Ruhm manchmal?

Also, mich nervt der gar nicht. Die meisten Leute haben sehr viel Taktgefühl, wenn ich mit meiner Familie hier in Köln im Café sitze oder so. Ich sage mir immer: Wenn du gute Filme machst, dann hast du auch gute Fans. Toi, toi, toi.

Ihr Film "Der letzte schöne Tag" bekam den Grimme-Preis. Stört es Sie, dass das "Dschungelcamp" auch nominiert war?

Nee. Ob "Bernd das Brot" oder "Dschungelcamp" ’nen Preis kriegen - wie soll man das beurteilen? Moralisch? Nach der Quote? Ich weiß es nicht. Das Bedürfnis der Zuschauer, gefordert zu werden, ist ja da: Ein Film über Suizid hat eben leider Relevanz.

Man sagt, dass Suizid ein heikles Thema für Filme oder Berichterstattung überhaupt ist, da es Nachahmer auf den Plan rufen könnte.

Ich bekam noch nie so starke Reaktionen auf einen Film. Darunter von Menschen, die vorhatten, sich das Leben zu nehmen, aber davon Abstand nahmen, weil sie gemerkt haben, was das für ihre Mitmenschen bedeutet. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich denke, dass wir sehr behutsam mit dem Thema umgegangen sind.

Wotan Wilke Möhring: Cover Nr. 51
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Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe von Gala. Das Heft ist ab Donnerstag, 11. Dezember 2014, am Kiosk erhältlich Zum GALA-Abo Passendes Angebot auswählen und bestellen

Auch in "Das Leben ist nichts für Feiglinge" verliert ein Mann die Mutter seiner Kinder. Sie selbst haben Ihren Vater vor Jahren bei einem Unfall verloren.

Ja, ich kenne so einen Verlust. Klar denke ich darüber nach. Auch über meinen eigenen Tod. Es ist heute nicht mehr egal, was mit meinem Leben passiert, die Kids brauchen mich. Ich kann nicht mehr so egoistisch sein, seit sie da sind.

Sie waren sehr eng mit Ihrem Vater. Wie haben Sie den Verlust erlebt?

Alle Trost- und Komfortzonen, die ich mir für mein Leben zurechtgelegt hatte, waren auf einmal weg. Es ist ein Zustand, der dich komplett aus der Bahn wirft. Wenn einem so etwas Schlimmes passiert, ist der einzige Trost, dass alles andere absolut nichtig erscheint. Scheißegal.

Wie haben Sie die Trauer verwunden?

Die einzige Chance ist, sich auf das zu konzentrieren, was man noch hat. So habe ich das auch geschafft. Irgendwann atmet man wieder das Leben. Man muss Kräfte in sich entdecken. Und wenn da jemand ist, der dich braucht, deine Kinder und Familie, dann kannst du kein Maulwurf bleiben, der sich vergräbt.

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