Til Schweiger: Til Schweiger und Svenja Holtmann
© Picture Alliance Til Schweiger und Svenja Holtmann

Til Schweiger "Das ist fast wie ein Klassentreffen"

Til Schweiger über sein Berlinale-Debüt, die wilde Nacht mit Festivalchef Dieter Kosslick - und warum er sich so auf seine Auszeit freut

Er hat eine wilde Woche hinter sich: Erst feierte Til Schweiger, 49, die Premiere seiner Patchwork-Komödie "Kokowääh 2", und jetzt darf er auch noch bei der Berlinale mitmischen. Neben Hollywood-Held Shia LaBeouf spielt er im Wettbewerbsfilm "The Necessary Death Of Charlie Countryman". Ein voller Terminkalender, dabei wollte er sich eigentlich eine Auszeit nehmen. "Gala" traf den viel beschäftigten Star im Hamburger "Hyatt".

Der bewegte Til

Glückwunsch, Herr Schweiger! Macht es Sie stolz, endlich mal auf der Berlinale vertreten zu sein?

Ich finde es witzig, dass ich mal dabei bin - eigentlich habe ich damit nicht gerechnet. Ich glaube, der Film ist ziemlich gut geworden. Ich spiele einen Unterweltler, mit Mads Mikkelsen zusammen - wir sind ehemalige Freunde und nun Konkurrenten.

Festivalleiter Dieter Kosslick hat Sie immer wieder gelobt und eine Lanze für Sie gebrochen, wenn andere über Sie gelästert haben.

Ich kenne Dieter ja schon länger, noch aus den Zeiten, als er die Filmstiftung NRW geleitet hat - und da hatte ich mal einen sehr legendären Abend mit ihm …

Wie sah der aus?

Ich habe damals zu Dana (seiner Ehefrau, sie leben seit 2005 getrennt, Anm. d. Red.) gesagt, ich gehe kurz Mittagessen, es ging um die Finanzierung von "Knockin’ On Heaven’s Door". Wir waren bei Dieters Lieblingsitaliener - und dann kam ich um zwei Uhr nachts völlig sternhagelvoll nach Hause. Es gab natürlich Ärger, aber ich habe nur gesagt: Reg dich nicht auf, ich habe gerade zwei Millionen verdient! Das war die Summe, mit der Kosslick schließlich meinen Film gefördert hat.

Wären Sie trotzdem gerne mal mit einem eigenen Film im Berlinale-Wettbewerb?

Wenn es passen würde, warum nicht? Wahrscheinlich ist "Schutzengel" noch zu mainstreamig für die Berlinale, aber wenn er zeitig fertig geworden wäre, hätte ich ihn bestimmt eingereicht.

Was macht für Sie die Berlinale aus?

Man trifft ganz viele Leute, die man lange nicht gesehen hat. Das ist für mich fast wie ein Klassentreffen. Und ich sehe Schauspieler und Produzenten von meinen internationalen Projekten wieder. Das ist toll.

Apropos international: Momentan ist Berlin wieder voller Hollywood-Stars: George Clooney, Jude Law, Matt Damon. Macht das Berlin noch spannender?

Auf jeden Fall! Das ist doch super für das Image der Stadt. Besonders die Stars, die gerne Party machen, finden Berlin extrem cool.

Til Schweiger: Til Schweigers Töchter Luna, Emma und Lilli (v. l.) waren die absoluten Hingucker auf der "Kokowääh 2" - Premiere.
© Picture AllianceTil Schweigers Töchter Luna, Emma und Lilli (v. l.) waren die absoluten Hingucker auf der "Kokowääh 2" - Premiere.

Gibt es ein besonders schönes Erlebnis, das Sie mit der Berlinale verbinden?

Ganz toll war mein Treffen mit Billy Bob Thornton im vergangenen Jahr. Wir haben uns bei einem Essen kennengelernt und uns gleich so gut verstanden, dass er mit zu mir nach Hause gekommen ist und sich 30 Minuten von "Schutzengel" angeguckt hat. Er war ganz begeistert und hat gesagt, wenn wir mal irgendwann die internationale Fassung machen, wäre er sofort dabei.

Sie haben mir bei unserem Interview im November gesagt, Sie wollen sich 2013 eine Pause gönnen und nicht drehen. Steht das noch?

Absolut. Ich habe sogar gerade ein sehr verlockendes Angebot für eine US-Serie abgelehnt. Es gibt nur eine kleine Ausnahme: Jetzt im Februar fliege ich nach London und drehe einen Tag für den neuen Muppets-Film mit Ricky Gervais. Darauf freue ich mich sehr.

Wer müsste kommen, um Sie von der Auszeit abzuhalten?

Auf jeden Fall einer von den ganz Großen: Die Coen-Brothers, Ridley Scott. Und auch nur, wenn sie mir eine absolute Traumrolle anbieten würden.

Wie wollen Sie die Pause gestalten?

Ich möchte möglichst viel Zeit zu Hause sein, in meiner eigenen Umgebung. In der letzten Zeit habe ich nur aus dem Koffer gelebt, war immer im Flugzeug - und das, obwohl ich so ungern fliege. Ich musste permanent Termine einhalten, das war mir einfach zu viel.

Wenn Sie von Zuhause sprechen: Eigentlich sollten Sie doch längst in Hamburg wohnen, oder?

Jetzt ist es endlich so weit. In den nächsten zwei Wochen wird das Haus definitiv fertig. Das Haus wohlgemerkt, nicht der Garten! (lacht) Es wird auch wunderschön, es ist nur leider viel zu teuer und viel zu spät fertig geworden.

Ihre Kinder leben in Hamburg - auch ein Grund, an die Elbe zu ziehen?

Absolut, ich kann sie jetzt regelmäßig sehen. Ich habe mich ja extra da niedergelassen, wo sie mit dem Fahrrad in zwei Minuten in der Schule sind. Sie sind jetzt 17, 16, 14 und zehn, alle haben unterschiedliche Interessen - ich bin jetzt einfach nur froh, dass ich sie um mich habe.

Sie haben bildschöne Töchter …

Die können auch anders ... (schmunzelt)

Da schneien ja sicher auch die ersten Freunde ins Haus. Sind Sie diesbezüglich ein entspannter Vater?

Ich habe bis jetzt einfach Riesenglück gehabt. Meine älteste Tochter Luna hat einen ganz tollen Freund. Blöd wird es nur, wenn sie einen nach Hause schleppen und du weißt mit deiner ganzen Lebenserfahrung: Das ist ein Arschloch.

Was geben Sie Ihren Töchtern mit auf den Weg?

Dass man seine Umwelt so behandelt, wie man selber behandelt werden möchte. Und dass Neid die schlechteste Charaktereigenschaft ist, weil sie einen nur behindert und nicht weiterbringt. Und dass es ganz wichtig ist, einen Job zu finden, auf den man wirklich Lust hat.

Würden Sie jeden Beruf bei Ihren Kindern tolerieren?

Bis auf eine Ausnahme: modeln. Ich finde es schlimm, wie die Mädchen unter Druck gesetzt werden und so superschlank sein müssen.

Sie werden im Dezember 50. Hadern Sie damit?

Nein, das bringt ja nichts. Mein gefühltes Alter ist immer noch 27 - das wird sich auch nie ändern. Aber die Zipperlein werden mehr. Ich merke, dass ich jetzt einfach mehr tun muss, um fit zu sein. Aber das ist schon okay, ich will mich nicht beklagen.

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